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, sagte der junge Ritter, der schon beinahe angezogen war, geh und tue was ich dir befohlen habe, und wenn du merkst, dass alles im haus still ist, so schleiche durch die kleine Nebentreppe in den Garten, und erwarte mich beim grünen Schloss, wo es am leichtesten ist über die GartenMauer zu steigen, denn sie ist dort ziemlich eingefallen.

Wo habt ihr denn, fragte Pedrillo, euren Schlüsselaber ja, jetzt besinn ich mich, sie nahmen euch im Garten alles Eisen Werk weg, das sie bei euch fanden, Degen, Messer, Schlüssel, so gar euren Flaschenzieher, aus Furcht, ihr möchtet ihnen oder euch selbst damit Schaden tun.

Gut, gut, sagte Don Sylvio, geh und erwarte mich beim grünen Schloss, wir haben keinen Augenblick zu verlieren.

Pedrillo gehorchte, und nach einer kleinen Viertelstunde sah ihn Don Sylvio, dessen Zimmer gegen den Garten lag, einen langen gang von Pomeranzenbäumen einschlagen, der zum grünen Schloss führte. Er war eben im Begriff ihm zu folgen, als er gewahr wurde, dass er keinen Degen hatte. Ohne Degen auf Abenteuer auszugehen, deuchte ihn eine Unanständigkeit, die nicht zu entschuldigen wäre. Ob ich gleich hoffen darf, dachte er, dass mir die Fee Radiante im Fall der Not einen diamantnen geben würde, so würde es doch das Ansehen einer Zagheit haben, wenn ich kein andres Gewehr führen wollte als ein bezaubertes. Endlich besann er sich eines alten Reuter- Säbels, der unter andern Altertümern, nicht weit von seinem Zimmer in einer Plunder-kammer lag, und das Ansehen hatte, seit den zeiten König Ferdinands, des Catolischen, wenig Dienste getan zu haben. Die Schwere dieses ehrwürdigen Seitengewehrs machte ihm die notwendigkeit, sich dessen zu bedienen, sehr unangenehm; allein da er sich nicht anders zu helfen wusste, so bewaffnete er sich damit, mit dem Vorsatz es bei der ersten gelegenheit gegen ein bequemers zu vertauschen.

Die allgemeine Stille, die im haus herrschte, versicherte ihn, dass jedermann schon zu Bette gegangen sei. Er schlich sich also ganz getrost in den Garten, wo dem Pedrillo jeder Augenblick von Verzug eine Stunde deuchte, so sehr besorgte er, dass ihre Flucht von der zurück kommenden Maritorne allzufrüh entdeckt werden möchte. Dieses und die Furcht vor demjenigen, was er in diesem Fall von der Rache der Fee Fanferlüsch zu erwarten haben würde, hatte alle andre Furcht bei ihm verdrungen.

Allein das gute Glück unsers jungen Ritters hatte schon für diese Schwierigkeit gesorgt. Maritorne, die sich entweder vor Gespenstern fürchtete, oder ihre artige person bei Nacht nicht allein wagen wollte, hatte ihrem Liebhaber, dem Hausknecht, die Erlaubnis gegeben sie zu begleiten. Unterwegs hatte sich dieses zärtliche Paar von der Annehmlichkeit dieser verführerischen Nacht verleiten lassen, sich in einem kleinen Gebüsche niederzusetzen. Was sollen wir sagen? Die gelegenheit war günstig? der Liebhaber ungestüm? die Schöne schwach; Kurz, sie taten, was Jupiter selbst in dergleichen Umständen oft getan hatte; die gute Maritorne vergass, dass sie den Bartier holen sollte, und erinnerte sich dessen erst, da sie von der Morgen Sonne aus dem süssen Schlummer erweckt wurde, worin eine angenehme Ermattung sie nebst ihrem gefährten in diesem Gebüsche eingewiegt hatte.

Drittes Buch

Erstes Capitel

Heimliche Flucht unsrer Abenteurer;

Wortstreit, der zwischen ihnen wegen eines Baums

entsteht, den Pedrillo für einen Riesen ansieht

Es war ungefähr eine halbe Stunde nach Mitternacht, als Don Sylvio, unter vielen andächtigen Seufzern an die Gebieterin seines Herzens, in Gesellschaft des getreuen und wohlbepackten Pedrillo seine abenteurliche Wanderschaft antrat. Der kleine Pimpimp, der nach dem Befehl der Fee mit von der Partie war, hüpfte munter vor ihnen her, und führte sie, es sei nun aus blossem Instinct, oder durch den geheimen Antrieb irgend einer Fee, den nämlichen Weg, auf welchem Don Sylvio das Bildnis seiner prinzessin gefunden hatte. Pedrillo machte zwar viele Einwendungen dagegen, und stellte vor, dass sie längst des linken Ufers des Guadalaviar, der sich an dem wald hinab zog, einen bequemern Weg haben würden. Allein Don Sylvio blieb dabei, dass er keinen andern Wegweiser haben wolle als Pimpimp, von welchem er zu vermuten anfing, dass er vielleicht wohl selbst eine Art von Fee, oder wenigstens von vernünftigen Tieren sein könnte. Pedrillo musste sich also ergehen, so sehr er sich fürchtete bei nächtlicher Weile durch einen Wald zu reisen, wo seine Phantasie alles was er sah, in Gespenster verwandelte. Das schlimmste war, dass sich, nachdem sie kaum eine Stunde lang gewandert waren, der Himmel mit Wolken zu bedecken anfing, die ihnen kaum so viel Heiterkeit übrig liessen, dass sie einen Weg in dem Gehölze finden konnten, ob es gleich keines von den dichtesten war.

Dieser Umstand ermangelte nicht die Einbildung des armen Pedrillo vollends in Verwirrung zu setzen. Es fielen ihm auf einmal alle Gespenster-Historien ein, die er von seiner Kindheit an gehört hatte, er glaubte alle Augenblicke etwas verdächtiges zu sehen, und zitterte bei dem mindesten Geräusch, das er merkte, so laut oder noch lauter als ein Klopfstockischer Teufel.

Du schnatterst ja als ob du das Fieber hättest, sagte endlich Don Sylvio, der schon lange gemerkt hatte, wo es ihm fehlte.

Um des himmels willen; gnädiger Herr, stotterte Pedrillo, und fasste ihn dabei beim Rock, seht ihr nichts? Ich sehe Bäume, so gut als man sie im Dunkeln sehen kann,