Schuld auf das Schicksal oder auf die Constipation der Sterne schieben.
Rede nicht so unvernünftig, fiel ihm Don Sylvio ein; meinst du die Feen haben sonst nichts zu tun, als da zustehen und zu lauren, bis es dir einfällt, dass sie uns aufwarten sollen. Wenn wir uns selbst nicht mehr helfen können, so bin ich gewiss, dass Radiante mir ihren Beistand nicht versagen wird. Inzwischen müssen wir das unsrige tun und auf Mittel denken – –
Gut, gut, unterbrach ihn Pedrillo, ich höre die alte Gabelreuterin auf der Treppe, jetzt ist guter Rat teuer – hum! mir fällt was ein! legt euch auf die Seite, und tut als ob ihr schlaft; So! schnarcht ein wenig, für das übrige lasst mich sorgen.
Er hatte kaum ausgeredet, so trat Donna Mencia mit ihrem Pulver und einem Glas wasser in der Hand ins Zimmer. Wie steht es um Don Sylvio, fragte sie den Pedrillo, der ihr auf den Zehen entgegen ging; ich dachte nicht so lange auszubleiben, aber es ist mir – –
Reden sie nicht so laut, flüsterte ihr Pedrillo zu, mein junger Herr ist schon eine gute Weile eingeschlafen, und sie wissen ja, dass man einen schlafenden Löwen nicht aufwecken soll. Die Ruhe tut ihm jetzt besser als alle Pulver und Latwergen der ganzen Welt.
Hat er keinen neuen Anstoss gehabt, seit dem du allein bei ihm bist, fragte die alte Dame.
Nein, gnädige Frau Fanferlüschin, antwortete Pedrillo, indem er ihr bald auf die Stirne, bald auf die Füsse sah, er hatte – –
Was sagtest du da, unterbrach ihn Donna Mencia? Wie nenntest du mich, du alberner Kerl? was soll das bedeuten?
O, ich bitte Eu. Gnaden tausendmal um Verzeihung, erwiderte Pedrillo zitternd, es ist mir so entfahren, ohne dass ich daran dachte; man kann ja leicht eins für das andre sagen; ich wollte nur sagen; dass es am besten wäre, wenn Eu. Gnaden meinen jungen Herrn schlafen liesse; denn es ist noch keine halbe Viertelstunde, da rief er: Pedrillo! Gnädiger Herr, sagte ich, wollt ihr etwas? Höre Pedrillo, sagte er, ich weiss nicht wie mir ist, sagte er, aber ich bin so matt, als ob mir alle Glieder entzwei geschlagen wären; aber ich denke, wenn ich nur schlafen könnte, so würde mir bald besser werden, sagte er; und damit legte er sich auf die Seite und schlief ein: Hört ihr ihn nicht schnarchen?
Er schläft, sagte Donna Mencia, nachdem sie ein wenig hinter den Vorhang geguckt hatte; es ist mir lieb, dass er wieder so ruhig ist. Weck ihn ja nicht auf; wenn er aber von sich selbst erwacht, so gib ihm dieses Pulver ein; es wird ihm gewiss wohl tun; indessen kommt der Barbier, der ihm eine Ader öffnen soll; denn man kann nicht vorsichtig genug sein; Er ist vermutlich nur aus Mattigkeit eingeschlafen, und das Fieber kommt vielleicht nur desto heftiger, wenn er aufwacht.
Ich glaube, sagte Pedrillo, Eu. Gnaden kann sich deshalb ganz ruhig schlafen legen; ich hoffe, das ärgste ist vorbei. Indessen will ich schon auf ihn acht haben; aber aufwecken lass ich ihn nicht, und wenn der Barbier von Bagdad in eigener person käme. Er kann mir wachen helfen; wenn mein junger Herr allenfalls wieder rappelköpfisch werden sollte, so ist es immer besser, es seien unsrer zwei, die ihn hüten als einer.
Donna Mencia bezeugte sich hiemit zufrieden, und verliess das Zimmer ihres Neffen, um ihre Gäste, die an seinem Unfall nicht wenig Anteil genommen hatten, durch die Nachricht, dass es wieder besser mit ihm stehe, zu beruhigen.
Was für eine Angst du mir eingejagt hast, sagte Don Sylvio, als sie wieder allein waren, wenn wirst du doch einmal über deine verwünschte Zunge Meister werden? Konnte auch etwas unbesonnener und dummer sein, als ihr ins Gesicht zu sagen, dass du sie für die Fee Fanferlüsch ansehest?
Erzürnt euch nur nicht, gnädiger Herr, antwortete Pedrillo, ihr werdet doch selbst gestehen müssen, dass ich meinen Fehler augenblicklich wieder gut gemacht habe; und das ist eben die Kunst. Es kann der klügsten Gans ein Ei entfallen, ich will sagen, es verspricht sich wohl der Pfarrer auf der Canzel, aber gleichwie ich die gnädige Frau oft bei Tische sagen hörte, der beste General wäre derjenige, der am meisten Fehler macht, – nicht doch! der am besten – der seine Fehler – ich kann jetzt nicht daran kommen, aber es war doch etwas von Fehlern, und es schickte sich recht gut hieher – –
Ich glaube du redest im Schlaf, unterbrach ihn Don Sylvio? Was für verteufeltes Zeug plauderst du wieder daher, ohne dich zu bekümmern, dass ich jetzt wichtigere Dinge zu tun habe als deinen Albernheiten zuzuhören? Geh, und schleiche dich, indessen dass ich mich ankleide, leise hinunter, um zu sehen, ob sie sich schlafen legen; wir müssen, wo möglich, noch vorher zu entrinnen suchen, ehe der Barbier kommt, sonst werden wir aufgehalten, und dann ist alles verloren.
Das ist eben die Sache, versetzte Pedrillo, Maritorne ist schon über eine Stunde weg, und wenn sie ihn zu haus angetroffen hat, sind wir keinen Augenblick vor seiner Ankunft sicher.
Wir wollen das beste hoffen