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zuweilen befallen wurde, so schnell pflegten sie vorüber zu gehen, wenn sie ihren nächsten Grund in demjenigen teil der Seele hatten, welchem der göttliche Plato seinen Sitz zwischen der Brust und dem Zwerchfell angewiesen hat.

Er befand sich also kaum etliche Minuten allein, so erholte er sich wieder und verwunderte sich nicht wenig, sich in seinem Zimmer, und in seinem Bette zu sehen.

Endlich erblickte er in einem Winkel den Pedrillo, der auf die erste Bewegung, die er an seinem Herrn vermerkt, sich verkrochen hatte, aus Besorgnis, er möchte wieder einen Anstoss von Raserei bekommen.

Bist du hier, mein guter Pedrillo, rief ihm Don Sylvio mit einem sanften Ton der stimme zu, indem er ihm die Hand entgegen bot; ich dachte schon, du hättest mich auch verlassen; aber du hast ein gutes Herz, und es soll dich auch nicht gereuen, dass du so viel Ergebenheit gegen mich zeigst.

Pedrillo weinte vor Freuden, da er seinen jungen Herrn, den er für rasend gehalten hatte, so gelassen und vernünftig reden hörte, und bezeugte ihm seine Freude in den lebhaftesten Ausdrücken, die er in der Eile finden konnte.

Ich begreife weder, was du mir da sagst, antwortete Don Sylvio, noch was mit mir vorgegangen ist. Es sind noch nicht sechs Minuten, so befand ich mich in den Gärten der Königin der Salamander; kannst du mir nicht sagen, wie ich hieher gekommen bin, und wer mir hände und Füsse so gebunden hat?

Gott steh uns bei, rief Pedrillo halb erschrocken, was sagt ihr da von Salamandern und von der Königin? die ihr gewiss so wenig gesehen habt, als ich meine Ur-Älter-Mutter? Wisst ihr denn nicht was euch begegnet ist? Aber sie sind auch mit Eu. Gnaden so umgegangen, dass es kein Wunder ist, wenn ihr eine Ohnmacht gekriegt habt. Ich war eben im Begriff meinen Zwerchsack heimlich aus dem Haus zu tragen, als ich den Lermen im Garten hörte; ich warf ihn geschwind hinter ein Gebüsch und lief, was ich laufen konnte, um zu sehen was es wäre, denn es deuchte mich, dass ich euch schreien hörte; aber ich kam schon zu spät. Das verfluchte Volk schrie aus einem Halse, ihr wäret, mit eurer Erlaubnis zu sagen, im Kopf verrückt, oder gar toll, sie fielen über euch her, und banden euch, ohne dass ich es wehren konnte. Dass sie die Pest! Jetzt sehe ich wohl, dass alles nur erlogen war, und dass ihr so gut bei euren vier Sinnen seid, als ich und ein anderer guter Christ.

Höre Pedrillo, erwiderte Don Sylvioaber löse mir zu erst diese Bande auf, ich kann es nicht länger so ausstehenwenn ich diesen Abend eine starke Vermutung hatte, dass unter der Ankunft dieser Alten, die sich für meine Tante ausgibt, ein Geheimnis verborgen liege, so weiss ich jetzt gewiss, was ich von der Sache denken soll; es sind mir erstaunliche Dinge begegnet, seit dem du mich im Garten verlassen hast; aber es lässt sich jetzt nicht einmal davon flüstern. Wir sind hier nicht sicher, und der Himmel weisst, was uns noch bevor steht, wenn wir uns nicht durch eine schleunige Flucht zu retten suchen.

Aber wie wird das möglich sein, antwortete Pedrillo: sie sind noch alle auf, und die gnädige Frau, die alte Hexe wollt ich sagen, wird alle Augenblicke kommen, um euch, wie sie sagte, ein Terpentin-Pulver einzugeben.

Du willt vielleicht ein Temperier-Pulver sagen, fiel ihm Don Sylvio ein?

Es mag heissen wie es will, sagte Pedrillo, wenn ich Eu. Gnaden raten darf, so werdet ihr nicht ungescheit sein, und es hinunter schlucken; Bösen Leuten ist nie viel Gutes zuzutrauen; sie könnte euch eben so gut Mäusgift oder geschabte Nägel als gestossene KrebsAugen eingeben.

Das hab ich wohl am wenigsten zu besorgen, erwiderte Don Sylvio; ich könnte eher vermuten, dass sie mir einen liebes-Trank beibringen möchte, um mich gegen diese hässliche Zwergin zu entzünden, die, ich weiss selbst nicht, ihre Tochter oder ihre Nichte ist. Aber ich bitte dich, Pedrillo, mein Freund, denke ein Mittel aus, wie ich diese Nacht noch entrinnen könne, ohne weder die Alte noch die Junge wieder zu gesicht zu kriegen; denn ich versichere dich, der Streich, den sie mir gespielt haben, geht mir so tief zu Gemüte, dass ich bei ihrem Anblick unmöglich gelassen bleiben könnte.

Wisst ihr was? sagte Pedrillo, nachdem er sich eine gute Weile besonnen hatte; die Frau Fee Rademante könnte uns hier am besten aus der Not helfen. Wenn sie so sehr eure gute Freundin ist, als sie vorgibt, warum kommt sie nicht, und befreit uns aus den Klauen dieser alten Kupplerin? Wenigstens könnte sie uns doch einen Luft-Wagen oder das Hütchen des Prinzen Kobolt, oder so was schicken, dass wir desto bälder davon kämen. Aber so machen es diese grosse Herren und Damen. So lang ihr nichts braucht, versprechen sie euch goldne Berge; aber verlasse sich ein andrer drauf! wenn man sie am nötigsten hat, da ist niemand zu haus. Ich wette gleich was man will, wenn wir in Scorpionen oder Lindwürmer verwandelt sein werden, so wird sie gleich da sein, und ihr Mitleiden mit uns bezeugen, und die