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, womit mein Sehnsuchtvolles Herz mich täuscht, oder sehe ich sie wirklich, schönste Prinzessin, und hat endlich die Stärke meiner leidenschaft die Gewalt einer verhassten Zauberei übermocht, und ihnen diese himmlische Gestalt wieder gegeben, deren blendender Glanz die abwesende Sonne ersetzt und einen neuen reizendern Tag über die verschönerte natur ausbreitet? – –

In diesem Ton der erhabensten Schwärmerei fuhr er eine gute Weile fort der erstaunten Mergelina Dinge vorzusagen, von denen sie nicht das mindeste verstund, ohne darum weniger davon gerührt zu werden. Sie merkte doch wenigstens aus dem Ton und der Lebhaftigkeit, womit er sie sagte, dass die Rede von sehr feurigen Empfindungen war, und da sie die Sprache der feinen Welt nur aus Ritterbüchern und schwülstigen Romanen kannte, und überdies von der Erziehung des Don Sylvio bereits die günstigsten Vorurteile bekommen hatte, so beredete sie sich leicht, dass dieses die schöne Art sei, wie Leute von Stand und feiner Lebensart ihre Liebe zu erklären pflegten. Denn der Gedanke, dass er ihrer vielleicht nur spotten wolle, so wahrscheinlich er auch einer dritten person geschienen hätte, war natürlicher Weise der letzte von allen, die einem Frauenzimmer von ihrer Gattung einfallen konnten. Sie hörte ihm also ohne Unterbrechung mit desto mehr Vergnügen zu, da sie hoffte, dass die schönen Sachen, die er ihr vorsagte, und die sie ihm in der Tat gerne geschenkt hätte, am Ende doch zu gewissen Erläuterungen führen würden, wovon sie aus dem geheimen Umgang mit einem jungen Krämer in ihrer Nachbarschaft, einem sehr anti-platonischen Gesellen, gewisse Begriffe erhalten hatte, und welche allerdings mit den Begierden, wovon sie gepresst wurde, besser übereinstimmten als die erhabensten liebes-Erklärungen. Um inzwischen doch nicht ganz untätig zu sein, und diese erwünschte Augenblicke so viel an ihr war zu beschleunigen, lehnte sie sich mit einer zärtlichen Art an ihn, drückte seine Hand an ihren Busen, der von zärtlicher sehnsucht bis an den Hals empor stieg, und drehte ihre gläsernen Augäpfel so schnell im Kopf herum, dass sie electrisch wurden, und funkelten wie die Augen einer Katze im dunkeln.

Allein, es sei nun, dass die Einbildungs-Kraft unsers Helden durch die ungeheure Menge von Galimatias, womit er seine vermeinte prinzessin bewillkommt hatte, erschöpft war, oder dass keine Verblendung, Schwärmerei oder Bezauberung stark genug sein konnte, gegen das nähere Anschauen der Donna Mergelina auszuhalten, so warf er kaum, indem sie aus dem Gebüsch hervor kamen, und eine lichte Stelle betraten, einen blick auf seine Gefährtin, als er mit einem grossen Schrei und einem nicht geringern Entsetzen von ihr zurück bebte, als dasjenige war, womit die prinzessin Lädronnete an statt eines Gemahls, den sie sich schöner als den Liebesgott eingebildet hatte, den scheusslichen grünen Serpentin in ihre arme verwickelt fand.

Himmel, was sehe ich? rief er ganz bestürzt aus, was für eine entsetzliche Verwandlung? ha! verfluchte Fanferlüsch, haben die Verfolgungen, die ich schon von dir erleiden musste, deinen ungerechten Hass noch nicht befriedigen können? Was hab ich dir getan, dass du in dem Augenblick, da ich meine geliebte prinzessin zu umarmen glaubte, diese abscheuliche Zwergin an ihre Stelle schiebst, in deren ekelhaften Umhalsung ich ohne das wohltätige Licht der keuschen Göttin, vielleicht selbst zum Ungeheuer geworden, oder wie vom Anblick der Medusa zum Stein erstarrt wäre? Aber glaube nicht, dass ich eine solche Beleidigung ungerochen lassen werde. Rede, du kleine unausgeschaffene Missgeburt, wo ist meine prinzessin? dein Leben hängt an deiner Antwort. Ich kenne die lächerliche Ansprüche, die du an mein Herz machst; aber wisse, dass du, trotz allen Fanferlüschen und grünen Zwergen, unter meinen Füssen wie ein Wurm zermürset werden sollst, wofern du sie nicht in diesem Augenblick wieder in meine arme lieferst – –

Wer bei diesen Reden aus den Wolken fiel, war die arme Mergelina. Der grimmige Ton, womit er sie ausstiess, und die drohenden Gebärden, womit sie begleitet waren, erschreckte sie so heftig, dass sie ein fürchterliches Geschrei erhub, auf welches Donna Mencia und der edle Rodrigo nicht ermangelten so schleunig herbei zu eilen, als es die Unterredung erlaubte, worin sie begriffen waren.

Man kann leicht erachten, wie sehr sie über dasjenige erstaunten, was sie sahen und hörten. Der Zustand, worin sie den ergrimmten Don Sylvio antrafen, und die Erzählung, so ihnen die beleidigte Schöne nicht ohne grosse Tränen-Güsse von allem demjenigen machte, was vorgegangen war, brachten sie allerseits auf den Schluss, dass er verrückt sein müsse; und die Reden, womit er in der Hitze seines Affects gegen sie alle fortfuhr, waren nichts weniger als geschickt, sie auf bessere Gedanken zu bringen.

Inzwischen liefen auf den Lerm, den diese Scene machte, auch die Bedienten des Hauses herbei, und das Ende davon war, dass Don Sylvio, ungeachtet des tapfern Widerstands, den er tat, an Händen und Füssen gebunden in sein Zimmer getragen wurde.

Man kleidete ihn aus, brachte ihn zu Bette, und bestellte den getreuen Pedrillo, auf ihn Acht zu haben, indessen dass Donna Mencia in ihrer kleinen HausApotek beschäftiget war, ein niederschlagendes Pulver für ihn zurecht zu machen, und die schnellfüssige Maritorne abgeschickt wurde, den Barbier zu holen, der ihm eine Ader öffnen sollte.

Siebentes Capitel

Don Sylvio kommt wieder zu sich selbst

Unterredung mit Pedrillo

Wie geschickt dieser die vermeinte Fanferlüsch zu

hintergehen weisst

So heftig die Anstösse waren, mit denen Don Sylvio