einer Heurat zu nötigen, die ich verabscheuen würde, wenn gleich diejenige, die sie mir zur Braut aufdringen will, eben so schön wäre als sie abscheulich ist.
Glaubt ihr das, Gnädiger Herr? antwortete Pedrillo, der ihm mit grosser Aufmerksamkeit zugehört hatte, wenn ich die Wahrheit gestehen soll, so dächte ich fast selbst, dass ihr recht haben könnet, denn ich merkte gleich, wie ich sie aussteigen sah, dass es nicht mit rechten Dingen zuging, und seit dem ihr mir eure Gedanken gesagt habt, wollte ich schier wetten, dass diese Donna Schmergelina, oder wie sie heisst, des grünen Zwergs leibliche Schwester wäre, wenn sie nicht, Gott behüt uns, noch etwas ärgers ist; denn ich will nicht ehrlich sein, wenn ich in meinem Leben einen so hässlichen Wechsel-Balg gesehen habe. Jetzt reut es mich, dass ich ihr nicht gleich auf die Füsse sah; aber das hab ich doch gesehen, dass sie ganz grün im Gesicht und am leib war, und dass sie einen Buckel und ein paar entsetzlich lange Ohren hatte.
Mit allen diesen Schönheiten, versetzte Don Sylvio, verlangt sie nichts geringers, als dass ich sie heuraten soll.
Ihr sollt sie heuraten? rief Pedrillo, heuraten? Ihr ein solches Mondkalb heuraten? Ihr müsstet ja gar den Verstand verloren haben; verzeiht mir, gnädiger Herr, dass ich so sage, denn ich weiss doch wohl, dass ihrs nicht tun werdet. Zum Henker! was bildt sich das Affen-Gesicht ein? das wäre wohl ewig Schade, wenn ein so hübscher junger Herr einem solchen kleinen Meer- Drachen in den Armen liegen sollte! Beim Element, da wird nichts draus, Jungfer Schmergelina! lass dir heim geigen, oder, wenn du ja geheuratet sein willst, so lass dich den Zwerg Migonnet heuraten, der schickt sich besser für dich, hi, hi, hi; das würde mir ein Paar sein, das zusammen taugte! Sapperment, wenn er ein dutzend Finken und Distelvögel auf der Nase sitzen hätte, wie die Historie sagt, so setzte sie ein halb dutzend Meerschweinchen auf ihren breiten Busen! das würde gut lassen! dass dich die Pest! Ja wohl da! Man heuratet nur gleich solche lebe-KuchenGesichter! Ich habe zwar gehört, dass sie hortreich sein soll, aber wenn sie sich auch von Fuss auf übergülden liesse, so möchte ich sie nicht, ob ich gleich nur ein armer Kerl bin. Weniger Geld, Jungfer Fanferlüschin, und mehr Schönheit, oder sucht eure Heurater anderswo, wenn ihr so gut sein wollt.
Don Sylvio musste über den Eifer, womit Pedrillo alles dieses närrische Zeug vorbrachte, lachen, so wenig er auch Lust dazu hatte; da er es aber gar zu lange machte, so fiel er ihm endlich ein, und sagte: Mein lieber Pedrillo, die Sache ist ernstafter als du dir vielleicht einbildest; Fanferlüsch ist eine von den schlimmsten und rachgierigsten Feen, die jemals gewesen sind, und ihre Macht ist nicht geringe; wenn sie es ist, die diesen Abend in Gestalt meiner Tante hieher gekommen ist, mir diese ungeheure Mergelina aufzudringen – –
Sapperment, unterbrach ihn Pedrillo, den diese Worte plötzlich auf einen andern Ton stimmten, wenn die gnädige Frau, eure Tante, nicht eure Tante, sondern, wie ihr sagtet, die verfluchte Fanferlüsch ist, so helf uns der Himmel! denn wie wollt ihr, dass wir uns gegen Zauberer und Gespenster helfen sollen?
Höre, Freund Pedrillo, sagte Don Sylvio, es ist kein ander Mittel übrig, als dass wir uns in dieser Nacht noch aus dem haus machen.
Diese Nacht noch? rief Pedrillo ganz erschrocken aus; o gnädiger Herr, bedenket doch, was ihr sagt! die Nacht ist ohnehin Niemands Freund, aber in solchen Umständen, seht ihr, wollt ich keinen Fuss aus dem haus setzen, und wenn ihr mir auch so viel Quadrupel geben wolltet, als ich Haare auf dem Kopf habe. Ich will des Todes sein, wenn wir nicht bei jedem Tritt ein paar tausend Gespenster, Drachen und Stachelschweine antreffen, die uns allentalben den Pass verrennen. Ich bitte euch, Herr Don Sylvio – –
Schweige mit deinen abgeschmackten Possen, sagte Don Sylvio, hab ich nicht das Bildnis der prinzessin, deren Anblick gewiss allein schon hinlänglich ist, alle Ungeheuer von Africa in Ehrfurcht zu halten, und auf allen Fall hat uns ja die Fee Radiante ihren Schutz versprochen. Wir werden dem Ansehen nach eine schöne heitre Nacht haben, und wenn auch der Mond nicht schiene, so zweifle ich nicht, dass sie uns im Notfall einen von ihren Salamandern oder etliche schicken wird, die unsern Weg beleuchten, und uns gegen alle Verfolgungen der Fanferlüsch sicher stellen werden. Mit einem Wort, Pedrillo mein Freund, wenn du mich lieb hast, so sei mir zu meinem Vorhaben behülflich; denn wenn wir diese gelegenheit zur Flucht versäumen, so weisst der Himmel, ob wir sie jemals wieder finden werden. Sei versichert, dass ich nicht undankbar sein werde. Ich verspreche nicht gern mehr als ich halten kann; aber wenn ich einmal meine prinzessin gefunden habe, so darfst du darauf zählen, dass dein Glück gemacht sein soll. Willt du mich aber nicht begleiten, so sei versichert, dass ich lieber allein gehen, ja lieber tausendmal den Tod leiden, als noch eine Nacht in diesem verwünschten schloss bleiben will.
Pedrillo war ungeachtet seiner Furchtsamkeit der