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mit ihm an dieses Joch gespannt zu werden, ungeachtet er kaum vierzig Jahre hatte, und noch ein Junggeselle war.

Wenn die Augen dieses neuen Adonis nicht dankbar genug waren, in ihr eine Venus zu sehen, so hatte er doch, so bald er merkte, dass es um eine Heurat zu tun sei, einen Beweggrund, der auf Leute von seiner Art eben so kräftig zu würken pflegt, als die persönlichen Reizungen auf Liebhaber von feinerm Metall.

Der Herr Procurator hatte von einem ältern Bruder, der ein Juwelen-Händler gewesen war, eine Nichte, Mergelina genannt, die seit dem tod ihrer Eltern, nebst einem Vermögen von hundert tausend dukaten unter seiner Vormundschaft stunde. So gleichgültig ihm seine Nichte für ihre eigene person war, so zärtlich liebte er ihre dukaten, und er hatte schon lang umsonst auf ein gesetzmässiges Mittel studiert, sich derselben, oder doch eines guten Teils davon zu bemächtigen, als die leidenschaft, die er das Glück hatte der Donna Mencia einzuflössen, ihm eine erwünschte gelegenheit zu geben schien, seine Absicht zu erreichen. Seine Nichte, welche unstreitig ein sehr reizendes Vermögen besass, hatte bereits etliche Freier abgewiesen, weil sie nur bürgerlich waren; denn sie hatte sichs nun einmal in den Kopf gesetzt, entweder eine Edelfrau zu werden oder als Jungfer zu sterben. Herr Rodrigo zweifelte also nicht sie zu allem zu bereden, was er nur wollte, in so fern er ihr einen Hidalgo zum Mann geben könnte; allein die Schwierigkeit war, einen zu finden, der so gefällig wäre, als es Herr Rodrigo haben wollte. Die Nachrichten, die er von der Freundin der Donna Mencia erhielt, machten ihm Hoffnung, dass sich niemand zu seinen Absichten besser schicken könne, als Don Sylvio, welcher ihm als ein junger Edelmann beschrieben wurde, der ohne alle Erfahrung oder Kenntnis der Welt, ungemein grossmütig und dabei gewohnt sei, sich in allem von seiner Base regieren zu lassen. Er beschloss also sein Glück zu versuchen, und von dem verliebten Anstoss der alten Mencia so viel Vorteil zu ziehen, als nur immer möglich sein möchte. Freilich spielte er die Rolle eines seufzenden Schäfers so lächerlich, als man sich vorstellen kann, allein er brachte doch Feuer genug darein, um eine so zärtliche person, als Donna Mencia war, zu überreden, dass er der Verliebteste unter allen Menschen sei.

Allein, so bald sich diese Dame ihres Sieges gewiss hielt, erinnerte sie sich dessen, was sie ihrer Tugend und ihrem charakter schuldig war, und machte so viele Umstände, dass der Herr Procurator, welcher sich wenig auf die Kunst verstund, die Spröden zahm zu machen, die Geduld zehnmal verloren hätte, wenn er durch keine stärkere Gewalt als die bejahrten Annehmlichkeiten seiner Grausamen zurück gehalten worden wäre. Das beste für ihn war, dass es ihr selbst so viel Mühe kostete, die keusche Flamme, wovon sie brannte, zu verbergen, dass sie für gut befand, seine Probzeit um so mehr abzukürzen, als sie keine Ursache hatte an der Stärke seiner leidenschaft zu zweifeln. Sie willigte also endlich ein den Herrn Rodrigo glücklich zu machen, die zweifache Heurat des Oheims mit der Tante, und des Neffen mit der Nichte wurde beschlossen, und der Herr Procurator setzte einen Contract auf, worin die Vorteile der erstern nicht vergessen waren.

Donna Mencia hatte ihren Neffen allzuwohl gezogen, als dass sie an seiner Einwilligung im geringsten hätte zweifeln sollen. Indes machte ihr der Gedanke doch einige Mühe, dass diese doppelte Verbindung dem Adel ihres Geschlechts, auf den sie immer stolz gewesen war, in den Augen der Welt nicht wenig derogieren würde; und so sehr auch die Heftigkeit ihrer leidenschaft durch die blendenden Verdienste des Herrn Rodrigo Sanchez gerechtfertiget zu werden schien, so würde sie sich doch kaum haben entschliessen können, derselben eine so grosse Bedenklichkeit aufzuopfern, wenn Herr Rodrigo, der ein starker Genealogiste war, ihr nicht Hoffnung gemacht hätte, in kurzem einen Stammbaum zu stand zu bringen, in welchem er den Ursprung seiner Familie in gerader Linie von einem natürlichen Sohn des Castilianischen Königs Sancho des Grossen herleiten wollte.

Zweites Capitel

Ein Gemälde im Geschmacke des Calot

Don Sylvio, der den Kopf von Schmetterlingen und grünen Zwergen voll hatte, liess sich wenig davon träumen, dass seine gnädige Tante, indes, dass er auf die Befreiung seiner beflügelten prinzessin dachte, damit umging, ihn mit einem Bürger-Mädgen von Xelva zu verheuraten, und, wenn man die Wahrheit sagen soll, mit dem hässlichsten Dinge, das jemals geheuratet worden ist.

Er war also nicht wenig bestürzt, da er sie, ehe noch Pedrillo mit den Zurüstungen zur Reise fertig war, in Gesellschaft eines Frauenzimmers und einer Mannsperson, die ihm gänzlich unbekannt waren, zurück kommen sah. Er erstaunte noch mehr, da er diese fremde Figuren in der Nähe betrachtete, und insonderheit kam ihm die junge Dame so ausserordentlich vor, dass er sie Anfangs für eine angekleidete Meerkatze hielt. Pedrillo, der ihnen aus der Kutsche steigen half, hatte alle Mühe von der Welt, sich beim Anblick derselben des Lachens zu entalten, und Don Sylvio, so höflich er sonst war, trat in der ersten Bestürzung ein paar Schritte zurück, ohne die Zufriedenheit zu bemerken, die sich bei seinem Anblick über ihr liebliches Gesicht ausbreitete.

In der Tat hatte die weise Mencia, um eine Nichte zu haben, die ihren eignen Reizungen keinen Eintrag täte, keine bequemere person auswählen können als Donna Mergelina.

Wir