nicht wenig beitragen werden, der Hypochondrie und dem Spleen Einhalt zu tun, welche, wie ich höre, aus England nach Frankreich, und von den Franzosen, (die nun schon einmal dazu bestimmt sind, uns ihre Galanterien anzuhängen) seit einiger Zeit auch zu uns Deutschen herüber gekommen sein, und sonderlich unter den Damen und jungen Herren bereits starke Progressen gemacht haben sollen.
Weil man aber doch aufrichtig sein, und das eine sagen muss! O wie das andre, so kann ich nicht bergen, dass ich einen gewissen Papefiguier kenne, der dieses Buch in einem ganz andern Lichte betrachtet, und an dem es in der Tat nicht liegt, dass es nicht als ein kleines Ungeheuer in der Geburt erstickt worden. Er ist eine Art von einem Petriner, der, Verstands halben gewiss keine Ketzerei erfinden wird, aber dagegen zum Ersatz einer von den eigensinnigsten Köpfen in der Christenheit. Er geht schon seit dem vorletzten jubel-Jahr dienstlos herum, und lebt indessen, bis der Jansenismus, wie er hofft, durch ein allgemeines Concilium eingeführt sein wird, von der Guterzigkeit der Christen und vom Nachtisch des benachbarten Adels. Denn er ist ein erklärter bockbeiniger Janseniste, und das ist eben die Quelle seines Unglücks. Allein er hat, wie gesagt, den Mut noch nicht verloren, dass seine Partei die Oberhand gewinnen werde, und er sieht den Fall der Jesuiten in Frankreich als einen glücklichen Vorboten an, dass der Untergang des grossen Drachen vor der tür sei, welcher bisher, wie er sagt, die ganze Welt verführt habe. Dieser ehrliche Mann, der sich zuweilen zum Mittagessen bei mir einlädt, kam neulich in mein Zimmer zu einer Zeit, da ich eben meiner Geschäfte wegen keine Acht gehen konnte. Er durchnisterte also indessen meine Papiere, und da kam er, zum Unglück auf das Manuscript des Don Sylvio. Ich dachte gleich, dass es Händel absetzen werde, und ich betrog mich nicht; er hatte kaum eine Viertelstunde darin herum geblättert, so warf er es wieder auf den Tisch, und geriet in einen so heftigen Eifer über ein so gottloses und gefährliches Buch, dass ich Gewalt brauchen musste um ihn zu verhindern, dass er es nicht auf der Stelle ins Camin warf. Er wollte sichs nicht ausreden lassen, dass die Abenteuer des Don Sylvio eine Allegorie oder Parabola sei, wie er es hiess, deren geheimer Sinn und Endzweck auf nichts geringers als auf den Umsturz des Glaubens, des Evangelii des Pater Quesnell und der Wunder des Herrn von Paris abgesehen sei. Mit einem Wort, er machte einen solchen Lermen, dass er mich, als einen Laien, der seiner eignen Einsicht in dergleichen Sachen nicht trauen darf, endlich selbst ungewiss machte, ob ich gleich bei Durchlesung des Manuscripts nicht das mindeste gefunden hatte, das mir die Absichten des Verfassers hätte verdächtig machen können. Weil ich nun als der erbetene Herausgeber dieses Buches, den sichersten Weg gehen, und gewiss wissen wollte, woran ich wäre, so communicierte ich das Manuscript einem angesehen Geistlichen, welcher dermalen Dechant zu *** ist und bei jedermann den Namen eines der gelehrtesten und frömmsten Priestern in unsrer ganzen Revier hat, und bat ihn, er möchte mir seine Gedanken davon offenherzig entdecken, indem ich sehr ungleiche Urteile darüber hätte fällen hören. Dieser rechtschaffene Mann schrieb mir zurück; "er hätte den Don Sylvio nicht ohne Vergnügen durchlesen, ob er gleich gestehe, dass ohne einen besonderen Beruf diese Art von Lectur einem Mann von seinem stand nicht sonderlich anständig sei; er vermute sehr, dass der Verfasser kaum eine andre Absicht gehabt habe als sich und seinen Lesern eine Kurzweil zu machen, eine Absicht, die an sich selbst und in ihrer gehörigen Masse und Einschränkung nicht verwerflich sei; die Torheiten der Menschen, ihre Vorurteile und irrige Meinungen, und die Ausschweifungen ihrer Einbildungskraft und ihrer Leidenschaften zu verspotten, sei nicht nur erlaubt sondern so gar nützlich; und wenn in einem Buch, das mehr zur Belustigung als zum Unterricht geschrieben sei, und worin guter Humor und scherzende Satyre herrsche, der scherzhaft Ton selbst über ernstaftere Gegenstände ausgedehnt werde, so sei auch dieses solange die Schranken der Anständigkeit nicht überschritten werden, ganz wohl zu dulden, indem die Wahrheit ein jedes Licht vertragen könne, und das Lächerliche niemals an der Wahrheit selbst hafte, sondern vielmehr bloss dazu diene, die falschen Zusätze, womit sie in den Köpfen der Menschen vermengt werde, von ihr abzuschneiden; und wenn auch, im übrigen, die Absicht des Verfassers gewesen wäre in der person des Don Sylvio die Schwärmerei, und in Pedrillo den Aberglauben und die Leichtgläubigkeit des Pöbels, und überhaupt dasjenige, das Juvenal veteres avias nenne, in ein lächerliches Licht zu stellen, so würde er der Religion dadurch vielmehr einen Dienst als den geringsten Abbruch getan haben; und ihm eine solche Freiheit übel auszudeuten, würde um so viel unbilliger sein, da die heiligen Väter selbst sich meistens keiner andern Waffen als des lachenden Spottes und der beissenden Ironie gegen den herrschenden Aberglauben ihrer zeiten bedient hätten etc. etc."
Dieses gelinde Urteil von einem Mann, dessen Aussprüche bei mir eine entscheidende Autorität haben, beruhigte mich wieder vollkommen, und ich gesteh es, dass ich ihm recht dafür verbunden bin, dass ich beim Don Sylvio wieder unbesorgt und nach Herzens Lust lachen darf.
Ich überlasse es nun den Lesern, was sie tun wollen, ob sie dabei lachen, lächeln, sauer sehen, schmälen oder weinen wollen. Mir liegt