, aus denen allemal eine Fee auf einem diamantnen Wagen, von sechs Schwanen oder vier und zwanzig Hammeln mit goldnem Vliess gezogen, hervor kam. Nach seiner Weise war also diese natürliche Erscheinung der Anfang einer übernatürlichen, und mehr brauchte es nicht, um die Phantasien, die schon geformt und zur Geburt zeitig in seinem Kopf lagen, in eine Reihe von vermeinten Empfindungen zu verwandeln, die von einem Traum nur darin unterschieden waren, dass er dabei wachte, und durch ihren Zusammenhang mit seinen vorhergehenden und nachfolgenden Ideen desto stärker betrogen wurde, sie für wirklich zu halten.
Dieses ist wenigstens nach unserer Meinung die wahrscheinlichste Erklärung, die man von dergleichen Visionen geben kann; Allein wir sind weit entfernt sie jemanden aufdringen zu wollen. Don Sylvio war allein, da ihm die Fee Radiante erschienen sein soll, und man kann allen Zweiflern, Materialisten, Deisten und Panteisten kühnlich Trotz bieten, jemals zu erweisen, dass die Fee Radiante, oder ihre Erscheinung etwas unmögliches sei. Wir können also unsre Erklärung für mehr nicht geben als für eine blosse Vermutung, und wenn die Liebhaber des Wunderbaren geneigter sein sollten, hierüber dem Don Sylvio selbst zu glauben, welcher unstreitig ein Augen-Zeuge und ausser allem Verdacht eines vorsetzlichen Betrugs ist; so haben wir nicht das geringste dagegen einzuwenden.
Zweites Buch
Erstes Capitel
Ein Exempel, dass Sprödigkeit den Zorn der Venus
reizt
Indessen dass Don Sylvio zu seiner abenteuerlichen Wanderschaft Anstalt machte, war Donna Mencia beschäftiget, ihn durch ein Mittel zurück zu halten, von welchem er sich eben so wenig träumen liess als sie von seiner Liebe zu einem bezauberten Schmetterling.
Wir haben bereits gemeldet, dass sie seit einiger Zeit häufige Reisen in das benachbarte Städtchen tat, um welche Don Sylvio sich zwar nichts bekümmerte, die aber in der Tat auf nichts anders abzielten, als ihm einen schlimmern Streich zu spielen, als er von der vereinigten Bosheit aller Fanferlüschen und Carabossen der ganzen Welt nur immer hätte erwarten können.
Man erinnert sich vielleicht noch, dass die Donna Mencia, ungeachtet ihrer ausserordentlichen Sprödigkeit, in ihrer ersten Jugend keine gänzliche Feindin der Liebe gewesen war; und wenn wir die Wahrheit unverblümt sagen sollen, so ist vielleicht niemalen ein Frauenzimmer gewesen, dem die Tugend, wozu die Umbarmherzigkeit der Mannsleute sie verurteilte, beschwerlicher gefallen wäre. Man will so gar wissen, dass seit dem sie sich aus der grossen Welt in eine Einsamkeit zurück gezogen, welche der erzwungenen Sprödigkeit nicht sehr günstig zu sein pflegt, ihre Bedürfnisse mehr als einmal so dringend geworden, dass sie (wenn wir es anders ohne Beleidigung des Geschlechts, zu dem sie gehörte, sagen können) so gar einem gewissen Stall bedienten im haus, Aufmunterungen gegeben, die vielleicht nicht ohne Würkung geblieben wären, wenn die Reizungen der jungen Maritorne diesen plumpen Liebhaber nicht gegen alle Vorzüge eines hochadelichen Gerippes unempfindlich gemacht hätten. Was auch an dieser Anecdote sein mag, so ist gewiss, dass sie in diesem Stück unglücklich genug war, um genötiget zu sein, in den unzulänglichen Täuschungen einer aufgereizten Einbildungs-Kraft den Schatten eines Vergnügens zu suchen, dessen Grösse ihre Unerfahrenheit nach der Wut ihrer Begierden abmass. Der Abscheu, den sie vor den Erzählungen eines Bocaz und selbst vor den unschuldigsten Scherzen eines Lope de Vega bezeugte, hinderte nicht, dass die gespräche, die irgend ein moderner Sotades der berühmten Aloysia Sigea aufgeschoben, das Buch waren, welches allezeit unter ihrem Hauptküssen lag; eine Gewohnheit, die sie vielleicht mit dem Exempel des heiligen Chrysostomus zu rechtfertigen glaubte, welcher den eben so sotadischen Comödien des Aristophanes die nämliche Ehre widerfahren liess.
So unanständig es vielleicht scheinen möchte, dass wir durch Aufdeckung dieser Heimlichkeiten die Vorteile vernichtet haben, welche die Welt von dem erbaulichen Beispiel der keuschen Donna Mencia hätte ziehen können, so nötig war es, die Pflichten der historischen Treue in diesem Stücke zu erfüllen, da eine übertriebene Discretion die Wahrhaftigkeit unsrer geschichte, in Absicht dessen, was wir nun zu melden haben, nicht wenig hätte verdächtig machen können.
Um also unsre Leser nicht länger aufzuhalten, so war es nur mehr als zu gewiss, dass weder ihre Tugend, noch der Stolz auf ihre Geburt noch sechzig Frühlinge, die sie bereits erlebt hatte, ihr zärtliches Herz gegen die Liebe zu schützen vermochten, die ein gewisser Procurator von Xelva so glücklich war ihr einzuflössen.
Sie hatte ihn bei einer bejahrten Freundin kennen gelernt, bei der er in Geschäften öftere Besuche ablegte, und die Nachrichten, die sie von seinen Umständen einzog, schienen dem Anschlag überaus günstig zu sein, den sie beim ersten Anblick auf seine person gemacht hatte.
Dieser würdige Mann nennte sich Rodrigo Sanchez, und war, sein Talent für die Rabulisterei ausgenommen, durch seine körperliche Vorzüge merkwürdiger als durch die Annehmlichkeiten seines Geistes. Er war ein untersetzter Mann von mittler Grösse, breit geschuldert, krause Haare, kleine funkelnde Augen, die von grossen schwarzen Augbrauen, wie von einem dunkeln Gebüsche, beschattet wurden, eine grosse Habichts-Nase und ein paar Beine, die im Notfall stark genug gewesen wären, einen Atlas zu unterstützen.
Wir können nicht für gewiss sagen, ob die Figuren von dieser Art den Spröden von Profession überhaupt so gefährlich sind als man bemerkt haben will; gewiss ist, dass Herr Rodrigo in den Augen der Donna Mencia ein Adonis war, und die Ehre hatte beim ersten Anblick über die Abneigung zu siegen, so sie jederzeit gegen den Ehestand hatte spüren lassen, und den Wunsch in ihr zu erregen,