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Bremsen Reiter, solche schöne Princessinnen macht man nur gleich für deines gleichen, dass dich die Kränke! du Mistfinke, du! Meinst du, weil sie so klein ist, dass ein Mückenflügel ihr ganzes Gesichtgen verdecken könnte, so sei sie nur gleich für einen krummbeinichten, buckligen, grünen Heuströffel gewachsen, wie du bist?

Dummer Junge, fiel ihm Sylvio ein, ich glaube, du bildest dir gar ein, die prinzessin sei nicht grösser als sie in diesem Bildnis ist? Sie ist hier nur so klein gemalt, weil es die Kleinheit des Raums nicht anders zuliess, aber das verhindert nicht, dass sie nicht zum wenigsten so gross sei als die Diana, oder die schöne Alie, welche gewiss nicht die kleinste gewesen sein muss, da ein so grosser Riese als Moulineau war, sie mit Gewalt zur Frau haben wollte; und gesetzt auch, dass sie etwas kleiner wäre, so wäre sie nur dadurch den Gratien desto ähnlicher, welche von den Poeten und Malern kleiner vorgestellt werden als andre Göttinnen, um die Anmut und Lieblichkeit dadurch auszudrücken, um derentwillen sie die Ehre verdienen, die Gespielen und Aufwärterinnen der Göttin der Liebe zu sein.

Das ist auch nur billig, versetzte Pedrillo, denn man sagt im Sprüchwort, was klein ist, das ist artig, und wenn auch gleich die prinzessin nicht grösser wäre als eine Pariser-Puppe, so wollt ich doch wetten, dass sie das drolligste kleine Ding ist, das man nur an einem Sommer-Tag sehen mag. Pedrillo, mein Freund, fiel ihm Don Sylvio ein, wir verderben hier die Zeit mit unnützem Geschwätz, indessen dass meine Geliebte vielleicht in Gefahr ist – –

Bei meiner Treu, Herr, unterbrach ihn der voreilige Pedrillo, das wollt ich eben sagen; für eine so schöne prinzessin könnte auch nichts verdriesslichers sein, als dass sie keinen Augenblick sicher ist, wenn irgend eine verfluchte Dohle oder Krähe daher kommt, und sie ihren Jungen zum Futter wegschnappt, Sapperment, sie würden sie gewiss so gut aufschnabulieren, als ob sie nur ein gemeines Unziefer und nicht eine grosse prinzessin wäre, wie ich nun selbst glaube, dass sie ist, seit dem ihr ich Bildnis gesehen habe.

Was du da sagst, erwiderte Sylvio, macht mir keinen Kummer, ich verlasse mich deshalb vollkommen auf den Schutz der Fee Radiante, allein wenn dieser Schutz mehr als hinlänglich ist, sie gegen alle Dohlen und Krähen der Welt sicher zu stellen, so ist er es doch nicht gegen die Nachstellungen der boshaften Fanferlüsch; denn du hast gehört, dass die Entzauberung des blauen Sommer-Vogels für mich allein vorbehalten ist. Was meinst du, Pedrillo, wär' es nicht am besten, wenn wir uns jetzt gleich auf den Weg machten, da meine Tante nicht zu haus ist? Wir sind hier alle beieinander, ich und du und Pimpimp; wir wollen gehen und die prinzessin suchen, sie mag auch sein wo sie will; für das übrige wird die Fee sorgen.

Ihr seid sehr eilfertig, Gnädiger Herr, erwiderte Pedrillo, aber mir deucht, ihr denkt nicht daran, dass man auf Reisen allerhand Dinge braucht, mit denen man auf den Notfall versehen sein muss – –

Und mir deucht, unterbrach ihn Don Sylvio, du weisst nicht, was du sagst. Wo hast du jemals gehört oder gelesen, dass ein Prinz oder Ritter, der unter dem Schutz der Feen in der Welt herum reist, eine solche Vorsicht gebraucht hätte? Sie haben alle zeit schöne Kleider, feine Wäsche und Geld, so viel sie brauchen; sie übernachten insgemein in bezauberten Palästen, wo sie aufs beste bewirtet werden, und wenn es auch begegnet, dass sie sich in Wäldern und Einöden verirren, so steht doch, eh sie sichs versehen, eine Tafel vor ihnen, die von unsichtbaren Händen gedeckt, und mit den niedlichsten speisen besetzt wird, und sie schlafen in anmutigen Grotten oder unter Lauben, die von den Nymphen gepflanzt worden, auf einem Lager von Blumen ein.

Das ist alles wohl hübsch und gut, sagte Pedrillo, aber, die Wahrheit zu sagen, Gnädiger Herr, ich möchte mich nicht gar zu sehr darauf verlassen. Man hat unter den Feen seine Freundeund seine Feinde, und ich habe wohl eher von Prinzen und Princessinnen gelesen, die auf dergleichen Reisen mit guten Zähnen manchmal übel gebissen haben. Vorsicht schadet niemalen, pflegte meine Grossmutter zu sagen, ein Sperling in der Hand ist besser als ein HaselHuhn im Busche; Kurz, wenn ihr euch raten lassen wollt, Herr, so will ich gehen, und etwas Wäsche, und kalte Küche und etliche Flaschen Wein in einen Zwerch-Sack zusammen packen; sorget ihr für einen guten Beutel voll Realen, und wenn das geschehen ist, so wollen wir uns immerhin, weil es nun einmal so sein muss, auf den Weg machen, und gebe der Himmel, dass wir weder blaue noch grüne Zwerge antreffen, die uns unsre prinzessin streitig machen.

Don Sylvio, welcher, seine Grillen ausgenommen, der beste Mensch von der Welt war, liess sich von Pedrillo überreden, und ging mit ihm in das Schloss zurück, nachdem er aus Furcht, den Vorwitz seiner Leute zu erregen, das Kleinod mit dem Bildnis der vermeinten prinzessin in seine tasche gesteckt hatte. Ungeachtet seines Vertrauens auf die Feen, unterliess er doch nicht, indes dass Pedrillo den Keller und die Speiskammer durchnisterte, sich etliche Ringe, die