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mich ihr zu Füssen zu werfen, und ihr meine Dankbarkeit in den lebhaftesten Ausdrücken zu bezeugen.

Mächtige Fee, setzte ich hinzu, sie haben so viel für mich getan, vollenden sie ihr Werk; haben sie dem grünen Zwerg die Gestalt eines Zahnstochers geben können, was für Mühe wird es sie kosten, meiner geliebten prinzessin ihre eigene wieder zu geben?

Es ist nicht in meiner Macht, erwiderte die Fee, eine Bezauberung aufzulösen, die eine meiner Mitschwestern gemacht hat. Dieses Abenteuer ist für dich aufgehoben. Versäume keine Zeit, Don Sylvio. Nimm deinen getreuen Pedrillo und den kleinen Pimpimp mit dir, und suche den blauen Sommer-Vogel so lange, bis du ihn findest. Ich besorge sehr, dass die boshafte . Fanferlüsch ihren Neffen an ihm und an dir selbst zu rächen; suchen werde; aber lass dich durch keine Schwierigkeiten abschrecken, und sei versichert, dass du meinen Beistand, wo er nötig sein wird, nie vergeblich anrufen sollst.

Mit diesen Worten verschwand die Fee, der Wagen, und die Salamander. Ich befand mich so abgemattet, dass ich in einen tiefen Schlaf fiel, und ich schliefe vielleicht noch, wenn du mich nicht aufgeweckt hättest.

Du hast nun gehört, Pedrillo, was mir die Fee befohlen hat; ich habe keine Zeit zu verlieren. Wir müssen uns auf den Weg machen, meine geliebte prinzessin zu suchen, und ich hoffe, dass du dich nicht weigern wirst, mich zu begleiten.

Eilftes Capitel

Ein Gespräch zwischen Pedrillo und seinem Herrn

Zurüstungen zu der beschlossenen Wanderschaft

Pedrillo hatte seinem Herrn mit grossem Vergnügen zugehört, indem er die geschichte von der Fee, und von der prinzessin und vom grünen Zwerg erzählte, denn er war ein ungemeiner Liebhaber von Märchen und Wunder-Geschichten. Allein da er hörte, dass Don Sylvio Ernst daraus machte, und dass es darum zu tun sei in der Welt herum zu ziehen, um einen blauen Sommer-Vogel aufzusuchen, so wollte ihm die Sache nicht recht einleuchten. Er kratzte hinter den Ohren, zuckte die Achseln, und sagte endlich nach einigem Zaudern:

Bei meinem Leben, Herr Don Sylvio, ich weiss nicht was ich sagen soll, aber mir deucht, dass ihr das alles eben so gut hättet träumen können als etwas anders; und wenn ich nicht wisste, dass ihr das ehrlichste Gemüt auf der Welt seid, so möchte einer, Gott verzeih mir es, fast denken – –

Wie? fiel ihm Don Sylvio ein, zweifelst du etwa an der Wahrheit meiner Erzählung?

Nein wahrhaftig, versetzte Pedrillo, daran zweifle ich im geringsten nicht; aber die feurige Kugel und der Frosch, der eine Fee ist, und der grüne Zwerg, der sich in die prinzessin verliebte, und der SommerVogel, den ihr heuraten, und in eine schöne prinzessin verwandeln sollt, und der Zahnstocher Wenn ich euch die Wahrheit gestehen soll, Herr, aber ihr müsst es nicht übel nehmen, seht ihr, so glaube ich, dass euch alles dieses nur im Traum so vorgekommen ist; man träumet oft gar wunderliche Dinge; zum Exempel, mir träumte letztin – –

Wahrhaftig, rief Don Sylvio, dem die Geduld ausging, ich habe jetzt nichts zu tun als deine Träume anzuhören. Sage mir, du unvernünftiges Tier, wenn es ein Traum gewesen ist, dass ich die Fee Radiante gesehen habe, und dass sie mir gesagt hat was ich tun soll, um meine unvergleichliche prinzessin zu finden; ist es auch ein Traum, dass ich ihr Bildnis an meinem Halse trage?

Mit diesen Worten nahm er das Kleinod, drückte die Feder, und zeigte dem Pedrillo das kleine Bildnis, welches unter dem grossen Diamant verborgen lag.

Pedrillo machte grosse Augen, in dem er das Bild eines Frauenzimmers sah, das, wie ihn deuchte, tausendmal schöner war als die Frau Beatrix selbst.

Beim sankt Velten, rief er, nun sag' ich kein Wort mehr; so ist das die prinzessin, die euch die Fee Radicante versprochen hat, und die in einen blauen Schmetterling verwandelt ist? Nun muss ichs freilich wohl glauben, dass alles die Wahrheit ist, was ihr mir erzählt habt; wahrhaftig, wenn ich sie nicht mit meinen eignen Augen sähe, so hätt ichs nicht geglaubt. Das ist wunderbar! Aber von wem könntet ihr es auch sonst haben als von einer Fee? denn ich wollte meinen Kopfwetten, dass der kleinste dieser Steine wohl zehen bauern-Höfe wert ist. Aber ich habe oft gelesen, dass solche Sachen bei den Feen nur Kleinigkeiten sind; bei ihnen sind die Diamanten so gemein wie die Gassensteine, und ich bin versichert, dass die Frau Rademante an ihrem Nachtgeschirr grössere Edelsteine hat als die Königin, welche Gott erhalten wolle, an ihrem Halsbande. Beim Element, solche Sachen findt man nicht im Schlaf; ihr müsst also wohl gewacht haben, und wenn ihr gewacht habt, so habt ihr nicht träumen können, wie ich sagte, und so muss es wohl wahr sein, dass die prinzessin ein Sommer-Vogel ist. Lasst sie mich doch noch einmal sehenMeiner Treu, das ist doch recht hübsch! Wie freundlich sie einen ansieht? Wenn einer nicht wüsste, dass es nur gemalt wäre, so meinte man, es werde gleich den Mund auftun und reden. Der Henker hole die verfluchten Unholden, die so unbarmherzig sein konnten, ein so hübsches kleines Gesichtgen in ein Unziefer zu verwandeln! Wahrhaftig, Herr