1772_Wieland_108_15.txt

meine Errettung zu danken, und da ich in wenigen Stunden meine eigne Gestalt wieder erlangt hatte, nötigten mich die Salamander, deren Königin ich bin, meine ersten Augenblicke ihren Angelegenheiten zu schenken. Allein so bald ich wieder Zeit hatte an die Meinigen zu gedenken, erinnerte ich mich, wie viel ich dir schuldig sei, und dachte auf Mittel, dir meine Dankbarkeit zu beweisen. Meine Bücher, die ich zu Rate zog, belehrten mich, dass du vom Schicksal bestimmt seiest eine gewisse prinzessin zu lieben, aber dass deinem Glück Schwierigkeiten entgegen stünden, die du ohne einen mächtigen Beistand schwerlich zu besiegen vermögend sein werdest. Ich komme nun dir diesen Beistand anzubieten. Deine Geliebte wird von der Fee Fanferlüsch verfolgt, weil sie sich nicht überwinden konnte, einen gewissen Zwerg zu heuraten, der ein Neffe dieser Fee ist, und wegen seiner grünen Farbe der grüne Zwerg, oder auch, weil er gemeiniglich auf einer Bremse zu reiten pflegt, der BremsenReiter genennt wird. Weil die prinzessin unbeweglich blieb, so ist sie vor kurzem von dieser grausamen Fee in einen blauen Papilion mit purpurfarbem Saum verwandelt worden, mit der Bedingung, dass diese Bezauberung nicht eher aufhören solle, bis sie in diesem Zustand einen geliebten Liebhaber gefunden hätte, der ihr den Kopf und die Flügel abreissen würde. Unglücklicher Don Sylvio! der blaue Sommer-Vogel, den du diesen Morgen fingest, war deine prinzessin; sie sah dich im wald, und liebte dich so bald sie dich sah; sie floh nur vor dir, weil sie sehen wollte, ob du ihr nachgehen würdest; und liess sich willig fangen, so bald sie versichert war, dass sie dir selbst in Gestalt eines Sommer-Vogels nicht gleichgültig sei. Als sie sich in deiner Hand sah, bemühte sie sich dir zu sagen, wie angenehm ihr diese Gefangenschaft sei; aber die grausame Fanferlüsch hatte ihr auch die Sprache geraubt, und sie konnte nichts hervor bringen als einen Seufzer, den du unglücklicher Weise für ein Zeichen hieltest, dass sie den Verlust ihrer Freiheit beklage. Dein mitleidiges Herz bewog dich, sie wieder fliegen zu lassen; sie flatterte traurig fort, würde aber vermutlich bald wieder zurück gekehrt sein, wenn sie nicht in eben demselben Augenblick den grünen Zwerg erblickt hätte, der auf seiner Bremse angeritten kam, und die Zähne so ab scheulich gegen sie blöckte, dass sie sich vor Angst zehen tausend Flügel wünschte, um desto schneller entfliehen zu können.

Zum Glück für sie war ich eben im Begriff dich aufzusuchen; ich sah die Gefahr, worin sich die arme prinzessin befand, und eilte ihr zu hülfe, nachdem ich einem meiner Salamander befohlen hatte, das Bildnis der prinzessin in deinen Weg zu legen.

Ich setzte dem grünen Zwerge nach, welcher, zu schwach sich mit mir in einen Kampf einzulassen, alle mögliche Gestalten annahm, um mir zu entwischen. Endlich verwandelte er sich in eine kleine Wolke, allein ich ward es so gleich gewahr, und druckte ihn zwischen meinen Händen so fest zusammen, dass er in Tropfen zerfloss. Die Leute, die unten im Feld arbeiteten, sahen dass es Blut regnete, und hielten es für eine böse Vorbedeutung. Der grüne Zwerg befand sich so übel in dieser Presse, dass er in seine eigene Gestalt zurück trat; allein er behielt sie nicht lange; ich verwandelte ihn in einen elfenbeinernen Zahnstocher, mit der Bedingung, dass er seine natürliche Gestalt nicht eher wieder bekommen sollte, bis er gedient hätte, den hintersten Stockzahn eines achtzigjährigen Mädchens auszustochern, die noch eine unbefleckte Jungfer wäre.

Beim Element, unterbrach ihn Pedrillo, ich bin der Fee Radamante ihr gehorsamer Diener, aber sie denkt nicht, was sie tut; auf diese Art wird der arme grüne Zwerg ewig ein Zahnstocher bleiben; denn seht ihr, Herr Don Sylvio, ich will nicht Pedrillo heissen, wenn ihr mir in der alten und in der neuen Welt eine achtzigjährige Jungfer finden könnt, die noch Zähne auszustochern hat, oder ein achtzigjähriges Mädchen mit Zähnen, die noch eine Jungfer ist.

dafür lass ich den grünen Zwerg sorgen, versetzte Don Sylvio, wenigstens wird er lange genug suchen müssen, dass ich nichts von ihm zu besorgen habe. Aber sagte ich dir nicht schon zweimal, dass ich nicht unterbrochen sein will? wenn wir gute Freunde bleiben sollen, Herr Pedrillo, so lass michs nicht zum drittenmal sagen.

Gut, Herr, erwiderte Pedrillo, fahret nur fort, und erzürnet euch nicht; ich will so still sein wie eine Maus, ihr wisset, dass ich sonst kein Plauderer bin, aber wie ihr von dem Zahnstocher und von der achtzigjährigen Jungfer – –

Zum Henker, rief Don Sylvio, du verfluchtes Plaudermaul, du fängst ja wieder von vornen an – –

Nein, Herr, sagte Pedrillo, ich wollte nur sagen, dass ich euch nicht mehr unterbrechen will, und dass ich es auch diesmal nicht getan hätte, wenn nicht der Zahnstocher – –

Ich wollte, schrie Don Sylvio, dass du selbst ein Zahnstocher wärest; so höre doch und schweige, oder das soll das letzte Wort sein, das du jemals von mir gehöret hast.

Diese Drohung erschreckte den Pedrillo, der seinen jungen Herrn überaus lieb hatte; er legte die Hand auf den Mund, zum Zeichen, dass er nichts mehr sagen wolle, und Don Sylvio fuhr also fort:

Die Fee hielt ein wenig inn, nachdem sie ihre Erzählung geendiget hatte, und ich ergriff diesen Augenblick