1772_Wieland_108_146.txt

keine andere Feen erkennt als seine angebetete Felicia, und keine andere Bezauberung als die aus ihren Augen entspringt, ist auf dem Wege, glücklich, seines Glückes würdig, und wenn er anders, (wie wir hoffen,) lange genug lebt, seiner Zeit auch so gar weise zu werden. Wir könnten ihn also in so angenehmen Umständen mit bestem Fuge seiner Liebe und seinem glücklichen Gestirn überlassen, wenn wir nicht vermutlich einige Leser oder Leserinnen hätten, die zu träge sind, sich die gänzliche Entwicklung dieser wundervollen geschichte, so leicht es auch ist, sie zu erraten, ohne unser Zutun, selbsten vorzustellen. Diesen melden wir also, dass noch an eben diesem Tage Don Sylvio seiner gnädigen Tante so wohl von den Verdiensten, so sich Don Eugenio um seine wieder gefundene Schwester gemacht, und von ihrer gegenseitigen Neigung, als von dem wunderbaren Anfang und glücklichen Success seiner eigenen leidenschaft für die schöne Felicia von Cardena umständliche Nachricht gab. Es kostete wenig Mühe, die Einwilligung dieser Dame (bei welcher der Stolz über eine gewisse andere leidenschaft ordentlicher Weise die Oberhand hatte,) zu der doppelten Verbindung, die ihr von Don Eugenio und von ihrem Neffen vorgeschlagen wurde, zu erhalten. Sie errötete nun vor sich selbst, dass hundert tausend dukaten sie fähig gemacht hatten, einen Procurator von Xelva und seine missgeborne Nichte einer Verbindung mit ihrer Familie würdig zu achten; und da sie eine gute Rechnerin war, so fand sie, dass mit vierzig tausend dukaten jährlicher Einkünfte, welche Donna Felicia ihrem geliebten Don Sylvio zubrachte, der Glanz ihres Hauses viel besser wieder hergestellt werden könne. Diese Überzeugung wurde nicht wenig durch einen Artikel der Ehe-Pacten ihres Neffen befördert, worin ihr, so lange sie lebte, eine jährliche Pension von sechs tausend dukaten angewiesen wurde; ein kleines Einkommen, mit dessen hülfe sie im Fall der Not den Abgang des Herrn Rodrigo Sanchez würdiglich ersetzen zu können hoffte.

So grosse Ursache man auch hatte zu glauben, dass unser Held von den Würkungen, welche die Feerei auf sein Gehirn gemacht, völlig hergestellt sei, so nötig fand man, den leeren Raum, den die Verbannung der Feen darin gelassen hatte, nunmehr mit den Ideen würklicher Dinge anzufüllen. Er entschloss sich also, durch eine Reise, die er in die vornehmsten Teile von Europa machen wollte, sich des Besitzes der schönen Felicia würdiger zu machen: Don Eugenio trieb die Freundschaft so weit, sich zu seinem Begleiter und Führer anzubieten, und unsere beiden Schönen waren mehr als grossmütig genug, in eine Trennung von zwei Jahren einzuwilligen, welche ihnen in einem Kloster zu Valencia, so sie indes zu ihrem Aufentalt erwählten, durch häufige Briefe von ihren Liebhabern versüsst wurden. Diese zwei Jahre gingen endlich vorüber, und Don Eugenio und Don Gabriel brachten ihren Freund in einer Vollkommenheit zurück, die ihn für eine jede andere person als seine Felicia unkennbar gemacht hätte; denn sie schien nichts weniger als erstaunt, durch die grosse Welt, und alle die Gelegenheiten, die er gehabt hatte, diese glücklichen Fähigkeiten entwickelt zu sehen, die ihr von Anfang an alles, was nur liebenswürdig heisst, von ihm versprochen hatten.

Diese liebenswürdige junge Witwe, und ihre würdige Freundin Donna Seraphina, welche sich in dem Umgang mit Felicia und andern Personen von Verdiensten gleichfalls zu der vollkommenen Liebenswürdigkeit ausgebildet hatte, deren sie fähig war, willigten nun mit Vergnügen ein, ihre Sehnsuchtsvollen Liebhaber glücklich zu machen; und der ehrliche Pedrillo, der seinen Herrn begleitet hatte, und eben so aufgeweckt, sinnreich und spasshaft, obgleich um ein gutes teil höflicher und artiger als vorher zurück gekommen war, erhielt, zur Belohnung der Leiden, die er um seines Herrn willen auf der ehmaligen Wanderschaft nach dem bezauberten Schmetterling ausgestanden, und zur Vergeltung der getreuen Dienste, die er ihm auf seinen Reisen durch Europa geleistet, die schöne und kluge Laura, mit der Stelle eines Haushofmeisters, die er vermutlich noch jetzt, da wir dieses schreiben, in der liebenswürdigsten und glücklichsten Familie von ganz Spanien bekleidet.

Ende

Fussnoten

1 – – – – ut omne Humanum genus est avidum nimis auricularum. Lucret 2 Ponendis in mille modis perfecta capillis Comere sed solas digna, Cypassi, Deas. Ovid. 3 sehe. Virgil. Æneid. L. III. v. 20. seq. 4 Der geneigte Leser wird hier einen ziemlichen Anachronismus bemerken, der, zum Unglück, nicht der einzige in diesem Werke ist, und vielleicht einigen Zweifel gegen die Glaubwürdigkeit dieser ganzen geschichte erwecken könnte, dessen Hinwegräumung wir den Criticis überlassen. Anmerk. des Herausg.