alte Frau, oder sagt sie nichts, das sie anzubringen habe? Gnädiger Herr, antwortete Pedrillo, wer sie ist, das wird sie selbst am besten sagen können; mein gnädiger Herr, Don Sylvio, behauptete für den Deixel, dass es die Fee Carabosse sei; aber wenn ich die Wahrheit sagen soll, so glaube ich, dass sie, mit Respect vor Eu. Gnaden zu sagen, eine Zigeunerin ist – Don Eugenio hörte kaum das letzte Wort, als er hastig von seinem Sitz auffuhr, und zum Zimmer hinaus eilte. Die Zigeunerin konnte vielleicht diejenige sein, die er suchte, und zu gutem Glücke, betrog er sich diesesmal nicht in seiner Hoffnung.
Die vermeinte Carabosse, welche unsern Helden des Morgens nach seiner Entweichung im wald angetroffen hatte, war eben diese Zigeunerin, die wir eine Hauptperson in der geschichte der Hyacinte vorstellen gesehen haben. Der Leser erinnert sich vielleicht noch, dass der indiscrete Vorwitz des Corregidor von Sevilla diese würdige alte Dame genötigt hatte, sich so weit als möglich von dieser Hauptstadt zu entfernen. Zum Unglück waren ihr Name, ihre person und ihre Verdienste in jeder andern Provinz von Spanien so rühmlich bekannt, dass sie nicht wusste, wohin sie fliehen sollte, um nicht dem nämlichen Schicksal, dem sie entgehen wollte, in die hände zu laufen. In dieser Not fiel ihr Hyacinte ein, von der sie durch eine von ihren alten Freundinnen erfahren hatte, dass sie auf dem Teater zu Grenada im Besitz der allgemeinen Bewunderung sei. Sie machte sich so unkenntlich als sie konnte, und kam an dem nämlichen Tage in Grenada an, da Hyacinte abgereist war. Sie erfuhr von einer Schauspielerin alles, und einen guten teil mehr als das, was man von des Don Eugenio Neigung und Absichten für Hyacinten wusste. Diese Nachricht zeigte ihr ein Mittel, sich durch den Dienst, den sie im stand war, diesem jungen Cavalier zu leisten, einen Beschützer und eine sichere Zuflucht zu verschaffen. Sie eilte also so sehr als sie konnte, um noch vor Hyacinten zu Valencia anzukommen, und sie war wirklich auf dieser Reise begriffen, als sie von ungefähr mit unserm Abenteuer zusammen kam. Einige Meilen über Xelva traf sie durch einen ähnlichen Zufall in dem wirtshaus, wo sie übernachtete, einen Verwalter des Don Eugenio an, der im Begriff war von einem Gut, so sein Herr in der Nähe von Valencia hatte, nach Lirias abzugehen. Von diesem erfuhr sie, dass sie nichts zu tun hätte als wieder umzukehren, wenn sie seinen Herrn sprechen wollte; und da sie ihm Sachen von der äussersten Wichtigkeit zu entdecken haben wollte, so war der Verwalter höflich genug, ihr seine Gesellschaft anzubieten. Sie kam also zu Lirias an, und das Schicksal wollte, dass es gerade zu einer solchen Zeit geschah, da die Anwesenheit der Donna Mencia ihre Entdeckungen gültig machen konnte. Don Eugenio kam in wenigen Augenblicken mit der Zigeunerin zurück. Hier bringe ich ihnen, sagte er zu Donna Mencia, eine Frau, die sich davor ausgibt, dass sie Eu. Gnaden eine verlorne Nichte wieder zustellen könne. Die liebenswürdige Hyacinte tat vor Bestürzung einen Schrei, wie sie ihrer Pfleg-Mutter ansichtig wurde, und diese fiel, so bald sie Donna Mencia erblickte, zu ihren Füssen, und bat um die Vergebung einer grossen Übeltat, deren sie gegen diese Dame schuldig zu sein bekannte. Sie erzählte hierauf mit allen Umständen des Orts und der Zeit, auf was für eine Weise es ihr geglückt habe, ihre Nichte, Donna Seraphina, als ein dreijähriges Kind wegzustehlen; dass das junge Frauenzimmer, welches sie glücklich genug sei unter dem Namen Hyacinte in dieser Gesellschaft wieder zu finden, eben diese Donna Seraphina sei, und dass sie zu dessen vollgültigem Beweis eine kleine goldene Kette mit einem Creuz aufbewahrt habe, welches die kleine Seraphina am Halse getragen, als sie selbige geraubt habe. Man kann sich die Gemüts-Bewegungen, die eine so glückliche Entdeckung in unserer Gesellschaft erregen musste, leichter vorstellen, als sie sich beschreiben lassen. Don Eugenio, der vor Freude ausser sich selbst war, würde der Zigeunerin gerne allen Beweis ihrer Aussage geschenkt haben: Aber Donna Mencia war nicht so voreilig; sie examinierte die Zigeunerin über die kleinsten Umstände der Entführung mit der schärfsten Genauigkeit, und da sie durch die Antworten derselben völlig befriediget war, so betrachtete sie auch die Halskette, die sie für eben diejenige erkannte, womit sie selbst der kleinen Seraphina ein Geschenke gemacht hatte, da der alte Don Pedro sie ihrer Aufsicht übergeben. Kurz, nach einer Untersuchung, die über eine halbe Stunde daurte, wurde Hyacinte für Donna Seraphina von Rosalva erkannt, und in dieser Qualität von ihrer Tante und von unserm Helden mit so vieler Zärtlichkeit umarmt, als jede dieser beiden Personen fähig war. Diese Entdeckung verbreitete eine ausserordentliche Freude durch das ganze Haus, und Don Eugenio, welcher die seinige über die ganze natur hätte ausgiessen mögen, erteilte so gleich Befehle, noch diesen Tag und etliche folgende, durch alle nur ersinnliche Freudenbezeugungen zu Festtägen zu machen.
Viertes Capitel
Beschluss dieser geschichte
Wir haben nunmehr, geneigter Leser, die geschichte unsers Helden bis zu dem Zeitpunct fortgeführt, wo sie aufhört wunderbar zu sein, oder, welches eben so viel ist, wo sie in den ordentlichen und allgemeinen Weg der menschlichen begebenheiten einzuschlagen anfängt, und also aufhört zu den Absichten geschickt zu sein, die wir uns in diesem Werke vorgesetzt haben. Don Sylvio, der nunmehr