andere Ende des Saals zurück gezogen hatten, wieder Mut fassten, und sich allmählich dem Sopha, wo Donna Mencia auf Bitten des Don Eugenio sich nieder gelassen, näherten, doch nicht ohne die Vorsichtigkeit, dass sie ihre Plätze nahe genug bei der tür nahmen, um im Notfall sich durch eine schleunige Flucht retten zu können. Donna Mencia eröffnete nach einer kurzen Vorrede die Ursache, warum sie da sei, und bezeugte keine kleine Verwunderung über dasjenige, was die Ursache sein könne, dass sie ihren Neffen zu Lirias finde. Don Eugenio antwortete ihr, dass er dieses Vergnügen einem blossen Zufall schuldig sei, und erzählte ihr hierauf, wiewohl mit Auslassung einiger Neben-Umstände, die Begebenheit, wo ihm der tapfere Beistand des Don Sylvio so nötig gewesen war. Donna Mencia bezeugte eine so grosse Zufriedenheit darüber, dass sich ihr Neffe bei einer so schönen gelegenheit des ritterlichen Blutes, das in seinen Adern floss, würdig bewiesen; dass die junge Hyacinte sich aufgemuntert fand, ihren Anteil zum Lob unsers Helden beizutragen.
Die erhabene Mencia liess sich jetzt zum erstenmal herab, diese kleinen Geschöpfe mit einem zerstreuten blick anzusehen. Wir haben ehemals schon bemerkt, dass Hyacinte weder die Grösse, noch die Regelmässigkeit der Züge, noch die vollkommene Feinheit der Gesichts-Farbe hatte, die zu einem gerechten Anspruch an das Prädicat der Schönheit gehören; die ungemeine Anmut ihrer Bildung und ihrer ganzen person war alles, was sie beim ersten Anblick gefällig machte; und da Donna Mencia, was die Annehmlichkeit betrifft, vollkommen mit sich selbst zufrieden war, und über das noch den Vorzug einer majestätischen Grösse vor ihr hatte: so machte dieses alles zusammen genommen, dass Hyacinte Gnade vor ihren Augen fand. Nach und nach beehrte sie dieselbige so gar mit einer Art von Aufmerksamkeit, und machte nur eben die Anmerkung, dass sie noch niemand gesehen habe, der sie so lebhaft an ihre verstorbene Schwägerin, Donna Isidora erinnere, wie dieses junge Frauenzimmer: als Don Sylvio, (der sich nicht getraut hatte ihr gleich unter die Augen zu kommen) mit Don Gabriel in das Zimmer trat. Das Lob, welches er kurz zuvor erhalten hatte, die gute Art, womit er sie begrüsste, und vielleicht auch die Figur seines Begleiters, die eine von denen war, womit man wenig Mühe hatte sich ein günstiges Auge von ihr zu erwerben, taten eine so gute Würkung, dass Don Sylvio besser empfangen wurde, als er gehofft hatte. Don Gabriel kannte den charakter der Dame von langem her, und da er boshaft genug war, ihr die schönsten Dinge von der Welt in der Mode-Sprache der zeiten Carls des 2ten vorzusagen, so sah er sich, zu grosser Belustigung der übrigen Gesellschaft, unvermerkt mit der kurzweiligen Rolle eines erklärten Verehrers und Günstlings beladen. Jedermann trug das seinige bei, sie durch schwülstige Lobsprüche und Complimente im Geschmack des Amadis zu unterhalten; die Herren hatten für niemand Augen als für sie, und die jungen Damen affectierten ein so schüchternes und kindisches Wesen, dass sie aufgemuntert wurde, sich selbst um zwanzig Jahre jünger anzusehen. Sie tat es, und wurde wirklich nach und nach so munter, so gesprächig und so tändelnd, dass es – ein Jammer war.
Man hatte diese Comödie bereits eine geraume Zeit gespielt, und die nochmalige Anmerkung, welche Donna Mencia über die Ähnlichkeit der Hyacinte mit Donna Isidora von Rosalva machte, hatte sie in eine umständliche Erzählung ihrer eigenen jugendlichen begebenheiten verwickelt, womit sie die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer schon eine gute halbe Stunde abgemattet hatte; als man plötzlich ein grosses Geschrei und Getümmel hörte, das sich die Treppe herauf zu ziehen schien; Man unterschied gar bald die stimme des Pedrillo, und in einem Augenblick darauf zeigte er sich persönlich, oder vielmehr er stürmte, ohne die geringste achtung für die hohen Herrschaften, in das Zimmer hinein und schrie: Freude über Freude, gnädiger Herr, Pimpimp ist gefunden, Pimpimp ist wieder da – Meiner Six, ich kannte die verfluchte Carabosse den ersten Augenblick auf fünfzig Schritte; aber sie will ihn nicht her geben; sie hat ihn nicht gestohlen, sagt sie, und hängt mir noch, wer weisst, wie viel lose Reden an, ich möchte sie vor einer so ehrbaren Gesellschaft nicht wiederholen; aber Sapperment! ich blieb ihr nichts schuldig, Wurst wider Wurst, ich wusch ihr das Maul, wie sichs gehörte; die alte Vettel! sie hat ihn nicht gestohlen, sagt sie; sie will ihn niemand als Euer Gnaden selbst in die hände geben, sagt sie; Sie will für den T. dass man sie selbst vor den gnädigen Herrn Don Eugenio lassen soll; und da sagte ich: es ist Gesellschaft da, man hat keine Zeit sich von dir in die hände gucken zu lassen, sagte ich, man weisst schon, alles was man wissen soll, sagte ich, gib du nur den Pimpimp her, und packe dich, oder beim Sapperment! sagte ich, ich will dir alle die Maulschellen und Stösse und Püffe in den Hintern dreifach wieder geben, die ich vorgestern auf deine oder deiner Gevatterin, der alten Fanferlüschin, ihre Anstiftung gekriegt habe, sagte ich; aber es half alles nichts, und sie würde mit Gewalt in das Zimmer hinein gedrungen sein, wenn ich sie nicht beim Flügel gekriegt, und über sechs oder acht Stufen die Treppe hinunter geschmissen hätte.
Wovon ist denn die Rede, mein Freund, fragte Don Eugenio? Wer ist die