1772_Wieland_108_141.txt

kann ich ihnen vielleicht Nachrichten geben, die ihnen nicht gleichgültig sein werden. Don Sylvio antwortete ihr hierauf mit dem ganzen Ernst eines Liebhabers von siebenzehen Jahren, dass, da er seit dem er sie gesehen habe, wachend nichts anders sehe als sie, seine Seele sich im Traum noch weniger mit einem andern gegenstand beschäftigen könne. Er gestund auch, dass dasjenige, was in ihm vorgehe, seitdem er sie kenne, ihn beinahe gänzlich überzeuge, dass es keine andere Bezauberung gehe als die Liebe. O! warum kann ich keine Worte finden, rief er, ihnen eine Beschreibung davon zu machen! Sie haben mir ein neues Wesen gegeben. Ihre Gegenwart verbreitet einen Glanz um mich her, der die ganze natur in meinen Augen schöner und rührender macht; ich glaube in einer andern Welt zu sein, alles was ich sehe, scheint mir einen Widerschein ihrer Reizungen entgegen zu werfen, die leblosesten Dinge scheinen beseelt und atmen den Geist der Liebe aus; Selbst abwesend bleibt eine Spur an jedem Ort, wo ich sie gesehen habe, ein zauberischer Reiz zurück, und ich glaube es zu fühlen, dass sie auch unsichtbar noch immer gegenwärtig sindDon Sylvio, unterbrach ihn Felicia mit einem zärtlichen blick, den sie sich bemühte unter einem scherzhaften Lächeln zu verbergen. Versuchen sie mich nicht ihnen zu sagen, dass sie in den Poeten wenigstens so belesen sind als der Prinznennen sie ihn nicht, Donna Felicia, sagte unser Held, den diese Worte, so wenig sie böse gemeint waren, so sehr bewegten, dass ihm die Tränen in die Augen traten; beleidigen sie die Aufrichtigkeit meiner Seele nicht durch eine Vergleichung, die ich so wenig verdiene; ich sage ihnen was ich erfahre, und ich wünschte es ihnen in einer Sprache sagen zu können, die nicht so weit unter der Wahrheit meiner Empfindungen wäre. Was ich empfinde, seit dem ich sie sehe, ist unendlich weit von den Würkungen einer erhitzten Phantasie unterschieden; Ihr erster Anblick hat das ganze Feuer meiner Einbildungs-Kraft ausgelöscht, ich erinnere mich meines vorhergehenden Lebens nur wie eines eiteln Traums; von dem glücklichen Augenblick, da ich sie zum erstenmal sah, fängt sich mein wahres Dasein an, und o! möchte esHier hielt der allzuschüchterne Jüngling inne, und liess einen blick, der bis in die Seele der schönen Felicia drang, vollenden, was er nicht kühn genug gewesen war auszusprechen. Vielleicht könnte ich, erwiderte Donna Felicia, sie mit gutem grund beschuldigen, dass sie nicht so ganz aufrichtig gegen mich sind, als sie mich bereden wollen; aber ich will ihnen keinen Vorwurf machen, und ich bin auch nicht dazu berechtiget. Sie haben mir die Ehre angetan, Don Sylvio, mich für eine Fee zu halten; erlauben sie mir, ihnen eine probe zu geben, dass ich ihrer Radiante wenigstens in einem Stücke gleiche; sehen sie hier das Bildnis ihrer Geliebten, das sie verloren, ich stelle es ihnen wieder zu, wie sie es aus ihren Händen empfangen haben. Mit diesen Worten gab sie ihm die Perlenschnur mit dem Bildnis, und ergötzte sich nicht wenig an der Bestürzung worein sie ihn durch ein so unerwartetes Geschenk setzte. Er nahm es mit zitternder Hand, er sah es an, dann betrachtete er Donna Felicia, sah das Bildnis wieder an, und rief endlich aus: Woher auch dieses Bildnis seie, oder wen es vorstellen mag, so sagt mir mein Gesicht, dass es das ihrige ist, und mein Herz, dass es alle die Gewalt, die es über mich hatte, allein von dieser wunderbaren Ähnlichkeit mit ihnen empfangen hat. Ich erhielt es nicht aus den Händen einer Fee, wie sie sagten; ich fand es in dem wald, der an den Park von Rosalva grenzt; dieser Umstand, und dass es, nachdem es mir geraubt worden, wieder in ihre hände gekommen ist, scheint ein Geheimnis zu verbergen. erklären sie mir es, schönste Felicia; es ist ganz gewiss ihr eigen Bildnis; so bald ich es sah, bemeisterte es sich meiner ganzen Seele; ich fühlte es an der unaussprechlichen Liebe, die es mir einflösste, dass es diejenige vorstellte, die mich allein glücklich machen kann, mein Herz erkannte den Gegenstand aller seiner Wünsche darinAber o! wie unendlich lebhafter war diese Empfindung, da ich das Urbild erblickte! – Nehmen sie sich in Acht, sagte Donna Felicia lächelnd, ihr Herz könnte ihnen einen kleinen Streich gespielt haben; ich versichere sie, dass dieses Bildnis, ungeachtet der Ähnlichkeit, die sie zu sehen glauben, nicht das meinige ist.

Sie waren unter diesen Gesprächen immer fort gegangen, und befanden sich, indem Felicia dieses sagte, bei dem Pavillion. Sie bemerkte die Verlegenheit, worein ihre Versicherung den guten Don Sylvio setzte, ob er gleich immer fort behauptete, dass er in diesem Bildnis, es möchte nun auch vorstellen sollen wen es wollte, niemand als sie selbst geliebt habe. Er schrieb es der Würkung einer geheimen Vorempfindung zu, ob er gleich gestund, dass ihm die Umstände, worin er es bekommen habe, noch immer ein Rätsel seien. Donna Felicia konnte nicht so grausam sein ihn länger in einer Verwirrung zu lassen, die zu nichts hätte dienen können, als ihre Eitelkeit zu vergnügen; sie führte ihn also durch den Saal des Pavillions in ein Cabinet, bei dessen Öffnung ihm so gleich zwei grosse Bildnisse in Lebens-Grösse in die Augen fielen