1772_Wieland_108_140.txt

eine kleine Geduld, gnädiger Herr; Die Birnen fallen von sich selbst, wenn sie reif sind, es werden, ehe es lange währen wird, seltsame Dinge an den Tag kommen. Aber das muss ich gestehen, gnädiger Herr, dass ihr in einem glückseligen Zeichen geboren seid; Sapperment! Es leben die Feen und die bezauberten Schmetterlinge; denn das ist nun einmal richtig, wenn wir nicht Narren gewesen und den blauen Schmetterling gesucht hättenMehr sag ich nicht! Genug, dass ich weiss was ich weiss, und dass Eu. Gnaden sieht, dass ich schweigen kann. Gelt? wenn ich ein solcher Plauderer wäre, wie ihr immer sagt, so hätt ich es sauber bei mir behalten können, dass wir das Bild mit samt der prinzessin gefunden haben? – Was sagst du? unterbrach ihn Don Sylvio; Du hast das Bildnis meiner prinzessin gefunden? wo ist es? wo ist es? – Ich bitte Eu. Gnaden um Vergebung, antwortete Pedrillo mit der grössten Gleichmütigkeit von der Welt! ich habe kein Bildnis, und ich sagte auch nicht dass ich das Bildnis eurer prinzessin gefunden habe, und ich wurde auch lügen, wenn ich das sagteWas plauderst du dann von einem Bild und von einer prinzessin, die man gefunden habe? sagte Don SylvioIhr habt mich nicht recht verstanden, gnädiger Herr, erwiderte Pedrillo; das sagt ich gewiss nicht, denn das ist eben das Geheimnis, seht ihr; und weil ich nun einmal versprochen habe, dass ich nichts verraten wolle, so soll es auch nicht aus meinem mund kommen, und wenn ihr mir goldene Berge davor verhiesset. Ich bitte euch, gnädiger Herr, fragt mich nicht; der Teufel ist ein Schelm, es könnte einem unversehens ein Wort entwischenKurz und gut, Herr Don Sylvio, ich sage so viel, wenn wir gewusst hätten, was ich jetzt weiss, so hätte uns die Fee Rademante die Mühe dem blauen Schmetterling durch dick und dünn nachzulaufen, und eine gute Tracht Schläge, die wir um seinetwillen bekommen haben, ersparen, und uns fein sauber zu haus lassen könnenAber bin ich nicht ein Narre? dann hätten wir unsere prinzessin nicht gefundenDas ist auch wahr, und man mag sagen was man will, wenn sie gleich nur eineSachte! da war mir es beim Element! schon wieder auf der ZungeWas dann, du abgeschmackter Dummkopf, rief Don Sylvio ungedultig? Entweder schweige gar, oder rede, dass man begreifen kann was du willst? – Sei ich ein Esel, Herr Don Sylvio, sagte jener, wenn ich selbst etwas davon begreife. Wenn man die Sache auf der einen Seite ansieht, so meinte man, die Fee habe euch nur zum besten gehabt und doch ist es auf der andern Seite richtig, dass sie ihr Wort gehalten hat; das Bildnis ist da, das hat seine Richtigkeit, und die prinzessin ist auch da, ob sie gleich eigentlich zu reden, weder ein blauer Schmetterling, noch was man sagen möchte, eine prinzessin ist; der Henker mag dieses verworrene Zeug auseinander lesen; denn etwas muss man doch sein, und wenn das Bildnisich weiss selbst nicht was ich sagen wollte, der Kopf wird mir ganz warm davon, wenn ich unsern begebenheiten nachsinne; dass Feerei darin ist, das lass ich mir nicht ausreden; denn man kann es, meiner Six, mit Händen greifen, dass sich das alles nicht von ungefähr so wunderlich zusammen fügen konnteAber wenn ich recht sehe, so kommt dort die prinzessinDonna Felicia wollt ich sagen; Sapperment! sie kommt eben recht; wenn sie nur eine Minute später gekommen wäre, so hätte ich, glaube ich selbst, mit alle dem Plaudern zuletzt das ganze Geheimnis ausgeplaudert. Mit diesen Worten entfernte er sich von Don Sylvio, welcher, so bald er seine Schöne erblickte, auf einmal der Neugier vergass, die der geheimnisvolle Pedrillo in ihm erregt hatte, und mit schnellen Schritten einen andern gang einschlug, wo er ihr zu begegnen hoffte.

Zweites Capitel

Anfang der Entwicklung

Wenn Verliebte einander ausweichen, so geschieht es gemeiniglich um eifriger gesucht und bälder gefunden zu werden. Donna Felicia hatte, so bald sie unsern Helden erblickte, einen entgegen gesetzten Weg genommen, aber doch nicht ohne sich mehr als einmal umzusehen, und so bald sie sah, dass er sie suchte, so lenkte sie unvermerkt in einen gang ein, wo er sie finden musste. Beide schienen sich zu verwundern, einander so früh im Garten anzutreffen, aber Donna Felicia war nicht so aufrichtig die wahre Ursache davon zu gestehen als Don Sylvio. Sie schützte die Annehmlichkeit des Morgens vor, da hingegen dieser ganz offenherzig bekannte, dass er sich um keiner andern Ursache willen so früh in den Garten begeben habe, als seinen Gedanken desto freier nachzuhängen. Ein viel bedeutender blick, den er bei diesen Worten auf sie heftete, und ein übel verhaltener Seufzer ergänzten und bestimmten, was darin undeutlich war; aber Donna Felicia, die es nichts desto besser verstund, oder doch nicht der gleichen tun wollte, lenkte die Unterredung auf die Feen, indem sie ihn fragte, ob ihm die geschichte des gestrigen Abends nicht im Traum vorgekommen sei. Ich für meine person, gestehe ihnen, sagte sie, dass ich die ganze Nacht durch in des Walfisches Bauch herum gewandert bin, und wenn sie neugierig sind mehr davon zu wissen, so