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Don Sylvio, schrie ihm dieser entgegen, so bald er ihn erblickte, lebt ihr auch noch! Sapperment! gnädiger Herr, man kriegt euch ja den ganzen Tag nicht einen Augenblick zu sehen; wenn ich nicht von der Jungfer Laura gehört hätte, dass ihr noch da wäret, ich hätte, verzeih mir es Gott, denken mögen, dass euch die Feen durch die Luft davon geführt hätten. Ich habe weit mehr Ursache mich über dich zu beschweren, versetzte Don Sylvio lachend: Du musst sehr von deiner Sylphiden bezaubert sein, dass ich dich seit dem Augenblick, da du bei der Ankunft der Donna Felicia aus dem saal weg gingst, nicht zu sehen gekriegt habe. Gnädiger Herr, antwortete Pedrillo, ich glaube, ihr irrt euch nicht um die Hälfte, wenn ihr denkt, dass ich bezaubert bin; man sagt, die Bezauberten essen und trinken nichts, ohne dass sie um ein Quintchen magerer werden als sie gewesen sind; ich will gleich gehangen sein, aber versteht mich recht, nur an meines Mädchens Hals, meine ich, wenn ich seit vorgestern so viel gegessen habe als eine Fliege auf ihren Flügeln wegtragen könnte. Seht ihr, wenn wir bei Tische sitzen so sitze ich allemal der Jungfer Laura gegen über, und da gaffe ich sie halt eines Gaffens an, und da gibt es alle Augenblick etwas anders, und da sehe ich ihr zu, wie ihr das Essen so wohl ansteht, und gucke ihr in ihr kleines Maul, denn sie hat ein Maul voll Zähne, dass es eine Lust ist, so weiss und gleich gesetzt, wie eine Schnur Perlen, und was ich sagte, da neckt sie mich alle Augenblick, oder winkt mir, oder tritt mich mit dem Fuss, oder macht etwas an ihrem Halstuch zu rechte, und mit alle dem Spass vergäss ich, meiner Six! Essen und Trinken, wenn sie mir nicht zuweilen selbst einen Bissen ins Maul steckte. Und doch bin ich wie Eu. Gnaden sieht, so frisch und stark, als ob ich mit dem Bel zu Babel in die Wette frässe. Das macht die gute Gesellschaft; Beim Velten! man sieht Eu. Gnaden auch keinen Mangel an; ihr seht so frisch und rotbackicht wie ein Bräutigam, und doch wollt ich wetten, dass Eu. Gnaden heute Nacht nicht viel geschlafen hat. Das macht, wie du sagst, die gute Gesellschaft, erwiderte Don Sylvio; aber wie gefällt es dir denn in diesem schloss, Pedrillo? Wollen wir uns nicht bald wieder auf den Weg machen? Auf den Weg machen? rief Pedrillo, indem er einen Sprung zurück tat, und seinen Herrn mit einer schelmischen Mine ansah, Sapperment! wir wollen erst recht ankommen, ehe wir wieder ans Weggehen denken. Wir haben nicht so sehr zu eilen, gnädiger Herr, man trifft nicht hinter allen Zäunen ein Quartier an wie dieses, und hernach, wenn mir es Eu. Gnaden nicht übel nehmen will, die Feen mögen sagen was sie wollen, so denke ich halt, es ist doch immer besser unter Christen-Menschen zu leben, als unter solchem Zaubervolk, unter Kobolten und Geistern wo man nie gewiss weisst, wen man vor sich hat. Die Dame Laura gefiel mir gleich das erstemal, ob ich sie gleich für ein Sylphen-Mädchen ansah, ich kann euch nicht sagen wie wohl; aber seit dem ich weiss, dass sie eine gute catolische Christin ist, und Fleisch und Blut hat wie andere ehrliche Leute, und dass sie weder Sylphin noch Gnomin, sondern Jungfer Laura, der gnädigen Frau Donna Felicia von Cardena ihr kammer-Mädchen ist; seitdem ist sie mir noch tausendmal lieber. Mit einem Wort, Herr Don Sylvio, ich hoffe, dass es Euer Gnaden nicht Ernst war, dieses Schloss schon wieder zu verlassen, wo es uns so wohl geht, dass wir es nicht besser wünschen könnten. Wenn es schon weder von Saphir noch Diamant Steinen gebaut ist, so ist es doch, wie mir Laura versichert hat, eines von den schönsten in der ganzen Provinz, und mir deucht, ich wollte mir mein Lebenlang kein schöners wünschen, wenn ich an eurem Platz wäre. Ich weiss schon was ich weiss, wenn ich schon nicht dergleichen tue; aber man findet manchmal mehr als man sucht, und ein Waldschnepfe lässt sich wohl gegen einen Auerhahnen tauschen. Ich will nichts gesagt haben, aber denkt an mich, gnädiger Herr, ob wir nicht zwei oder drei Hochzeiten erleben, ehe wir aus diesem schloss kommen; ich bitte Eu. Gnaden sich seiner Zeit daran zu erinnern, dass ichs vorher gesagt habe. Ich möchte doch wohl wissen, sagte Don Sylvio, was das vor Geheimnisse sind, die dich, wie es scheint, so stark drucken, dass du es kaum erwarten kannst, bis du dich ihrer erlediget hast? Wenn mich Eu. Gnaden für einen solchen Schwätzer ansieht, erwiderte Pedrillo, so hätte ich gute Lust, dass ich meinen Kopf auch setzte, und euch fein hübsch nichts sagte. Ihr könntet euch leicht einbilden, als ob ich nichts bei mir behalten könnte; und hernach hab ich noch meine besondere Ursachen, und ich denke, Jungfer Laura hatte die ihrigen auch, da sie mir so scharf verboten, dass ich euch nichts davon sagen sollte, dass die prinzessinSapperment! Schier hätt ichs entwischen lassen; aber ich ertappte mich selbst noch zu rechter Zeit; nur noch