guten Pedrillo, was nach dem System der Naturkündiger die Hitze hätte tun sollen; er wurde auf einmal so schüchtern und so demütig, als der demütigste von den Verehrern der Königin der Cristall-Inseln, und versprach ihr, wenn sie ihn nur nicht gar aus ihrer Gegenwart verbannen wollte, so zahm und unschuldig zu sein als ein Lamm. Unter dieser Bedingung willigte die schöne Laura ein, ihn bei sich zu behalten, und damit sie seine Aufmerksamkeit auf ihre Reizungen ein wenig zerstreuen möchte, vermochte sie ihn nach und nach durch Frag und Antwort zu einer umständlichen Erzählung alles dessen, was ihm von der geschichte seines jungen Herrn bekannt war. Sie erfuhr also den Umstand mit dem Bildnis der bezauberten prinzessin, und er sah aus der Beschreibung desselben, dass es eben dasjenige Halsgeschmeide war, welches ihre Dame vor etlichen Tagen auf einer Spazierreise nach ihrem kleinen Arcadien verloren hatte. Sie entdeckte dieses dem Pedrillo, und auf die fernere Nachricht, auf was für eine Weise Don Sylvio desselben beraubt worden war, machte sie sich in Gesellschaft ihres neuen Freundes unverzüglich auf, es wieder herzubringen. Sie zweifelten nicht, dass es sich in den Händen einer von den Bauer-Dirnen befinden würde, die auf den Schloss-Gütern arbeiteten; und ihre Vermutung traf richtig ein. Das Kleinod wurde gegen ein Geschenk von etlichen Maravedis ausgeliefert, und noch an dem nämlichen Abend der Donna Felicia eingehändiget, welche über die Nachrichten und Erläuterungen, die ihr Laura aus Pedrillo mund darüber gab, noch mehr Vergnügen empfand, als über das Geschmeide selbst, ob es gleich von grossem Wert war. Sie glaubte nunmehr den Talisman in Händen zu haben, durch welchen die Entzauberung ihres geliebten Don Sylvio zu stand gebracht werden könnte; und setzte sich vor, den Gebrauch, den sie davon machen wollte, nicht länger als bis an den folgenden Morgen zu verschieben.
Inzwischen wurde dem Pedrillo durch seine gebietende Dame, Laura, aufs nachdrücklichste eingeschärft, seinem Herrn nichts von diesem Geheimnis zu sagen, und Pedrillo konnte es folglich kaum erwarten, bis er eine gelegenheit erschleichen würde, die alte Beobachtung zu rechtfertigen: dass kein gewisseres Mittel ist, die Leute zu etwas anzuspornen, als wenn man es verbietet. Diese gelegenheit bot sich gleich des folgenden Tages an. Der Herr und der Diener waren beide verliebt, und schliefen folglich beide sehr wenig. Pedrillo wurde gewahr, dass Don Sylvio mit anbrechendem Morgen in den Alleen des Gartens tiefsinnig hin und wieder ging, und weil Laura, die sonst genau auf ihn Acht gab, damals vermutlich noch in angenehmen Morgen-Träumen begriffen war, so schlich er sich ganz leise aus einem Zimmerchen, so man ihm unter dem Dach eingeräumt hatte, herab, und suchte seinen Herrn auf.
Don Sylvio hatte einen guten teil der Nacht mit Betrachtungen zugebracht, welche den Feen nicht sehr vorteilhaft waren. Die Wahrheit zu sagen, seit dem kleinen Betrug, den ihm Don Gabriel mit dem Märchen vom Prinzen Biribinker gespielt hatte, hatte sein Glaube an diese Damen und ihre Geschichtschreiber keine geringe Erschütterung erlitten. Die geschichte des Herrn Biribinkers kam ihm jetzt selbst so abgeschmackt vor, dass er nicht begreifen konnte, wie es zugegangen, dass er den Betrug nicht augenblicklich gemerkt habe. Er fand endlich, dass die wahre Ursache davon schwerlich eine andere sein könne, als die Ähnlichkeit dieses Märchens mit den übrigen, und das Vorurteil, so er einmal für die Wahrheit der letzteren gefasst hatte. Er konnte sich selbst nicht länger verbergen, dass, wenn auch die Ungereimteiten im Biribinker um etwas weiter getrieben wären als in andern Märchen, dennoch die Analogie zwischen dem ersten und den letzteren gross genug sei, um ihm, zumal in Betrachtung alles dessen, was Don Gabriel und Don Eugenio dagegen eingewandt hatten, alle Märchen ohne Ausnahm verdächtig zu machen. Unter dergleichen Betrachtungen war er endlich eingeschlafen, und nach einem Schlummer von drei Stunden, in welchem er an einem fort von Donna Felicia geträumt hatte, war er wieder aufgestanden, um bei einem einsamen Spaziergang in der Kühle des Morgens seine Betrachtungen über eine für ihn so wichtige Sache mit desto besserm Erfolg fortsetzen zu können.
Es währete eine geraume Zeit, bis ihn Pedrillo fand; denn er hatte sich, indessen dass sich dieser ankleidete, und herunter stieg, in den Alleen des Labyrints vertieft, welches wegen seiner Grösse und der Mannigfaltigkeit der Gänge, Sommerlauben, kleinen Lustwäldchen, Cascaden, griechischen Tempeln, Pagoden, Bildsäulen und andern Dingen, die geschickt waren ihm ein romantisches Ansehen zu geben, den angenehmsten Ort von der Welt ausmachte. Unser Held, der nicht länger zweifeln konnte, dass alles dieses, so sehr es einer bezauberten Gegend gleich sah, ein Werk der Kunst seie, die, von einer dichterischen Imagination geleitet, aus der geschickten Verbindung der verschiedenen Schönheiten der natur und der nachahmenden Künste ein so angenehmes Ganzes hervor zu bringen gewusst habe; kam beim ersten Eintritt in diesen anmutsvollen Hain auf den Gedanken: dass die Phantasie vielleicht die einzige und wahre Mutter des Wunderbaren sei, welches er bisher, aus Unerfahrenheit, für einen teil der natur selbst gehalten hatte. Er hatte diesem Gedanken schon eine ziemliche Weile mit dem Vergnügen, womit lebhafte Geister eine neue Entdeckung zu verfolgen pflegen, nachgehangen, als er auf einmal den Pedrillo ansichtig wurde, der hinter einem Gebüsche von wildem Lorbeer, so sich um die Ruinen eines kleinen Tempels herum zog, mit grosser Freude auf ihn zugelaufen kam. Je, guten Morgen, Herr