weiter zu treiben, und Don Sylvio müsste wohl sehr gut sein, wenn er nicht schon lange gesehen hätte, dass ihre Absicht ist, die Feen um allen ihren Credit bei ihm zu bringen. Sie urteilen sehr strenge, versetzte Don Eugenio; es ist wahr, dass die natur in dieser ganzen geschichte vom Anfang bis zum Ende auf den Kopf gestellt ist, dass die Characters eben so ungereimt als die begebenheiten unglaublich sind, und dass, wenn man die einen und die andern nach den Gesetzen der Vernunft, der Wahrscheinlichkeit und der Sittlichkeit beurteilen wollte, nichts tollers erdacht werden kann. Allein das wäre nicht billiger, als wenn man das Clima von Siberien nach dem Clima von Valencia, oder die Höflichkeit der Schineser nach der unsrigen beurteilen wollte. Das Land der Feerei liegt ausserhalb der Grenzen der natur, und wird nach seinen eigenen Gesetzen, oder richtiger zu sagen, (wie gewisse Republiken, die ich nicht nennen will) nach gar keinen Gesetzen regiert. Man kann ein Feen-Märchen nur nach andern Feen-Märchen beurteilen, und in diesem Gesichtspunct finde ich den Biribinker nicht nur so wahrscheinlich und lehrreich, sondern in allen Betrachtungen weit interessanter, (die vier Facardins vielleicht allein ausgenommen) als irgend ein anders Märchen in der Welt. Ich möchte doch, zum Exempel, wissen, was sie lehrreiches in diesem Märchen finden, fragte Hyacinte. Moralisten von Profession, erwiderte Don Eugenio, Leute, die im stand sind, ein ganzes System von Sittenlehre aus einer Elegie des Tibullus auszuziehen, würden ohne Zweifel geschickter sein als ich, diese Frage zu beantworten. Aber, damit ich meinen Satz nicht ganz unerwiesen lasse, wird nicht in dieser geschichte die Ausschweifung und das Laster durchgängig bestraft? wird nicht die Unschuld in der person des Milchmädchens am Ende belohnt? und ist nicht das Ganze eine sehr überzeugende Bestätigung der moralischen Maxime: Dass der Vorwitz über unser künftiges Schicksal, in der Absicht, uns demselben zu entziehen, töricht und gefährlich sei. Hätte der König mit dem grossen Wanst den grossen Caramussal unbefragt gelassen, so würde man nie gewusst haben, dass es gefährlich für den Prinzen seie, vor seinem achtzehnten Jahr ein Milchmädchen zu sehen, und so würde er auch den Namen Biribinker nie bekommen haben. Er würde wie andere Prinzen am hof seines Vaters aufgewachsen sein, und wenn es Zeit gewesen wäre ihn zu vermählen, so würde man durch Gesandte um die prinzessin Galactine haben werben lassen, und alles wäre den natürlichen gang fortgegangen. Der Vorwitz des Königs und das fatale Oraculum des grossen Caramussal war ganz allein an allem Unheil schuld. Die Mittel, wodurch man ihn vor dem Milchmädchen verwahren wollte, dienten zu nichts, als sie desto bälder zusammen zu bringen, und der Name Biribinker, der ihm freilich aus allen seinen Abenteuern heraus half, würde das nicht nötig gehabt haben, weil der Prinz nie in diese Abenteuer verwickelt worden wäre, wenn er nicht Biribinker geheissen hätte. Sie haben hierin vollkommen recht, sagte Donna Felicia, aber eben darin besteht das Lustige von der ganzen Comödie, oder vielmehr wenn man diesen einzigen Umstand wegtäte, so würde die ganze geschichte des Prinzen Biribinkers an statt eines der possierlichsten Feen-Märchen, eine Alltags-Historie sein, die aufs höchste gut genug gewesen wäre, einen Artikel in den Zeitungen seiner Zeit auszufüllen. Und das wäre wohl Schade gewesen. Kurz, ungereimt oder nicht, ich nehme den Prinzen Biribinker in meinen Schutz, und wenn ich die Ehre hätte Hut und Degen zu tragen, so wollte ich gegen alle und jede behaupten, dass die Liebe des Prinzen Biribinkers, die Tugend der Dame Cristalline, die Delicatesse der schönen Mirabella, ihre Kleidung von trocknem wasser und ihre Zerstreuungen, der Riese Caraculiamborix, das StraussenEi, der Walfisch, die Seen, Inseln und bezauberten Schlösser, die er im leib hat, der Palast von gediegenem Feuer, und der redende Kürbis, der sich auf den Lauf der Sterne versteht, mit allen andern wundervollen und unerwarteten Dingen, wovon es in diesem Märchen wimmelte, alles hübsch untereinander gemischt, das aller drolligste Zeug ausmachen, das ich in meinem Leben gehört habe. Sie haben den Karpfen vergessen, der so schöne Opern-Arien singt, sagte Hyacinte, das Hündchen das auf dem Seil tanzte, und die feurige Blicke, womit Biribinker die Steine am Bach, wo sein Mädchen sass, in Glas verwandelte. Erlauben sie mir noch hinzu zu setzen, sagte Don Gabriel, dass man schwerlich ein Märchen finden wird, wo die kostbarsten Materialien so sehr verschwendet wären. Ich bin gewiss, dass man in keiner RaritätenKammer von Europa einen Melkkübel von Rubin antreffen wird, und ich kenne keine bezauberte Gärten, worin so gar die Brunnen mit diamantnen Quaderstücken gepflastert wären.
Don Sylvio hatte sich bisher begnügt, demjenigen was gesagt wurde aufmerksam zuzuhören; Wie aber alle ihre Meinung gesagt hatten, und er merkte, dass man nun auf seine Entscheidung warte, so sagte er ganz ernstaft: Ich muss gestehen, dass ich gewünscht hätte, der Prinz Biribinker wäre entweder seinem Milchmädchen, die in der Tat eine sehr liebenswürdige person ist, getreuer gewesen, oder er würde für seine Ausschweifungen schärfer gestraft worden sein; aber (diesen einzigen Umstand und die charakter so wohl als die Aufführung einiger anderer Personen, die niemand billigen wird, ausgenommen) sehe ich nicht, was in der ganzen geschichte dieses Prinzen ungereimtes, geschweige dann unnatürliches und unmögliches sein sollte. Wie? Don Sylvio