Augenblick an, da er das Glück gehabt habe, ihr Bild im grossen Saal zu erblicken, das Milchmädchen, welches sie in so unnötige Besorgnisse setze, nicht mehr Gewalt über sein Herz gehabt habe, als ein jedes anders Milchmädchen in der Welt. Diese Versicherungen beruhigten die schöne Unsichtbare nur schwach, und Biribinker sah sich genötigt alle seine Figuren zu erschöpfen, um die Hartnäckigkeit ihres Unglaubens zu überwinden. O! rief er, schönste Unsichtbare, warum kann ich nicht den ganzen Erdkreis und alle vier Elemente mit ihren Bewohnern auf einmal zu Zeugen der unveränderlichen Treue machen, die ich ihnen schwöre! – Wir alle sind Zeugen, rief eine Menge von weiblichen und männlichen Stimmen, die ihm von Personen, die um ihn herum stunden, in die Ohren schallten. Biribinker, der wohl nicht vermutet hatte, dass man ihn beim Wort nehmen würde, fuhr mit einiger Bestürzung auf, und wollte sehen, woher diese Stimmen kämen; aber o! Himmel! welche Zunge könnte beredt genug sein, die Bestürzung und das Entsetzen auszudrücken, worein ihn der Anblick setzte, den eine plötzliche Erheiterung des Zimmers seinen weit offnen Augen darstellte? Er sah, o! Wunder! o! Abenteuer! o! schreckenvoller Anblick! er sah sich in eben dem Cabinet, welches schon zweimal ein Zeuge seiner treulosen Unbeständigkeit gewesen war; an statt der schönen Salamandrin fand er sich in die arme der hässlichen Gnomide verwickelt, welcher er vor etlichen Stunden den Preis zuerkannt hatte; und was seine Beschämung und seinen Schmerz hätte tödlich machen mögen, er sah sich um und um von allen denjenigen umgeben, die er sich am wenigsten zu Zuschauern wünschen konnte, und sie waren grausam genug, in eben dem Augenblick, da er sich mit grauemvollem Ekel aus den Armen seiner missgeschaffnen Schönen los wickeln wollte, in ein so lautes Gelächter auszubrechen, dass der ganze Palast davon widerhallte. Zur Rechten des Ruhbettes sah er (o! wie gern hätte er sich in diesem Augenblick blind und unsichtbar zu sein gewünscht!) die Fee Cristalline, welche den kleinen Grigri an der Hand hatte; zur Linken die schöne Mirabella mit ihrem geliebten Flox, der in der Tat als Salamander eine bessere Mine hatte als in der Gestalt eines dicken Kürbis; aber was die Qual des unglücklichen Biribinkers auf den äussersten Grad vermehrte, war der Anblick der Fee Caprosine mit seinem schönen Milchmädchen, und des alten Padmanaba mit der schönen Salamandrin an der Hand; welche beiderseits auf einer goldfarbigen Wolke, die von kleinen Sylphen getragen wurde, sassen, und mit höhnischem Lächeln auf ihn hinunter sahen. Glück zu! Prinz Biribinker, sagte die Fee Cristalline; in der Tat, nun vergebe ich ihnen, dass sie so ungedultig von mir wegeilten; wer einer solchen Eroberung zueilt, kann sich nicht genug beschleunigen. Sie erinnern sich noch wohl, Prinz Biribinker, nahm jetzt Grigri das Wort, dass ich eben keine Ursache habe mich ihnen verpflichtet zu glauben; so denn wenn es an ihnen gelegen wäre, so möchte ich wohl ewig eine Hummel geblieben sein; aber es wäre zu grausam, ihrer in den Umständen, worin sie sind, noch zu spotten. Sehen sie selbige als eine Strafe an, die sie in mehr als einer Betrachtung verdient haben. Wenn auch die Schöne, bei der wir sie auf eine so unvermutete Art überraschen, ihrer nicht von allen Seiten so würdig wäre, als sie ist, fuhr Mirabella mit einer boshaften Mine fort, so haben sie wenigstens den Vorteil, dass sie keine Preciöse ist. Was mich betrifft, setzte der gewesene Kürbis hinzu, so könnte ich zwar bedauren, dass ich meine wieder erlangte Gestalt und den Besitz der schönen Mirabella ihrem Unglück zu danken habe; allein nachdem ich als Kürbis grossmütig genug gewesen war, sie vor den Folgen einer neuen Untreue zu warnen, so werden sie mich nicht verdenken können, wenn ich mich als Salamander erfreue, dass sie meine Warnungen verachtet haben. Siehe, Unglücklicher, aber mit Recht bestrafter Biribinker, meckerte jetzt die Fee Caprosine, wiewohl dich Caramussal gegen meinen Zorn geschützt hat. Siehe hier die liebenswürdige prinzessin Galactine, die du als Milchmädchen liebtest, und deren Besitz ein allzu günstiges Schicksal, alles meines Hasses ungeachtet dir zugedacht hatte, wenn du durch eine dreimal wiederholte Untreue dich ihrer nicht selbst unwürdig gemacht hättest. Wenn Mitleiden dir helfen könnte, armer Prinz, sagte das schöne Milchmädchen, so würdest du, so wenig du es auch von mir verdient haben magst, weniger unglücklich sein; denn ich sehe wohl, dass deine Strafe härter ist als dein Verbrechen, und dass die Feen und Zauberer wenigstens eben so viel Schuld an deinem Unfall haben, als du selbst. Bei diesen Worten sah der allzu unglückliche Biribinker auf, heftete einen blick voll unbeschreiblicher Empfindungen auf sein geliebtes Milchmädchen, und sank mit einem Seufzer, worin er seine Seele auszuhauchen schien, wieder zurück, ohne das Vermögen zu haben, nur ein Wort hervor zu bringen. Lerne, rief ihm der alte Padmanaba von der andern Seite zu, lerne bewundernswürdiger Biribinker, seltnes Muster der Weisheit und der Beständigkeit, dass der alte Padmanaba nicht alt genug ist, deine Verwegenheit unbestraft zu lassen; und möge deine geschichte, in immerwährender Zeitfolge von einer Amme der andern überliefert, der späten Nachwelt zum Beispiel dienen, wie gefährlich es ist, den grossen Caramussal um sein Schicksal zu befragen, und vor seinem achtzehnten Jahr ein Milchmädchen zu sehen.
Kaum hatte Padmanaba den Mund wieder zugetan