das Ganze, seht ihr, und ich denke, da ist nichts, darüber ihr euch erzürnen solltet.
Don Sylvio, so gute Lust er auch hatte, böse zu sein, konnte sich doch des Lachens nicht entalten, da er den Pedrillo so reden hörte. Höre, Pedrillo, sagte er zu ihm, es ist mir schon genug, dass du es nicht übel gemeint hast, aber ich versichere dich, du warst im Begriff mir einen sehr schlimmen Streich zu spielen. Es ist nur allzugewiss, dass ich von demjenigen bezaubert bin, was du für einen Talisman angesehen hast; aber lieber wollt ich das Leben verlieren, als zugehen, dass diese Bezauberung aufgelöst würde. Ich habe diese Nacht Sachen von grosser Wichtigkeit erfahren; aber frage mich nicht was es sei, du sollst alles wissen, so bald es Zeit ist; denn ich bin deiner Dienste benötiget: Mehr kann ich jetzt nicht sagen.
Pedrillo verstund kein Wort von diesen Reden; aber das machte ihn eben desto neugieriger. Ich will auch nichts fragen, Herr, sagte er, indem sie nach haus gingen, ihr habt mir's verboten, und ich weiss den Gehorsam wohl, den ich euch schuldig bin; denn erstlich, so seid ihr mein Junker, weil ich aus eurem dorf bin, und dann seid ihr mein Herr, weil ich in eurem Muss und Brot stehe; denn obgleich die gnädige Frau die Haushaltung führt, so weiss ich doch wohl, dass alles aus eurem Beutel geht. O das versprech' ich euch, wenn ich schon einfältig aussehe, so merk' ich doch wohl, wo der Hase liegt. Ich will also nicht neugierig sein und fragen, was das für wichtige Dinge sind, die ich nicht fragen darf, weil ihr mir sie nicht sagen könnt, ob ihr schon wolltet, wenn es Zeit wäre, dass ich sie wisse? Sagtet ihr nicht so, Herr? Aber es ist doch was seltsames, ich glaube bald, ich bin selbst bezaubert; denn ich verstand euch sonst alles was ihr sagtet; aber seit dem ich diesen Telesman angerührt habe, ist mir nicht anders, als ob ihr calecutisch redet. Ich will gleich des Todes sein, wenn ich von allem, was wir da miteinander gesprochen haben, ein Wort verstehe. Ich habe schon oft gehört, viel wissen macht Kopfweh; aber wenn einer wisste, wo ihr diese Nacht gewesen seid, da wir euch in der ganzen Welt suchten, so könnte einer vielleicht erraten, – – mehr sag' ich nicht, ihr könntet sonst meinen, dass ich vorwitzig sei, und euch fragen wolle, und Vorwitz das ist mein Fehler nicht. Was mich nicht brennt, das blase ich auch nicht. Zum Exempel, wenn ich vorwitzig wäre, so hätt' ich wohl erfahren können, warum die gnädige Frau seit acht Tagen so oft in die Stadt fährt; denn unter uns geredt, Herr, ich gelte was bei der Frau Beatrix, ob ihr mir es gleich nicht angesehen hättet; Sie hat es hinter den Ohren, das versprech ich euch, wenn sie schon einen so grossen Rosenkranz am Gürtel hängen hat als ein Waldbruder, und so leise daher tritt, als ob sie auf Eiern gehe. Stille wasser gründen tief, und es sind nicht alle Köche, die lange Messer tragen. Kurz und gut, Herr, ich ging gestern bei ihrem Zimmer vorbei, und wie sie sah, dass ichs war, denn die Tür war halb offen, so rief sie mir, und bat mich, dass ich ihr das Halstuch heften möchte; und da weiss ich nicht, wie es kam, aber ich, sollt es auf dem rücken heften, und da heftete ichs vornen, und konnte nie fertig werden; aber sie lachte nur über meine Ungeschicklichkeit, und, Gott verzeih mir es; ich glaube, ich wäre noch dabei, wenn die gnädige Frau nicht geschellt hätte. Das erstemal hörten wir nichts, so viel hatte ich zu tun; aber sie schellte wieder und das so stark, dass Frau Beatrix sagte: Ich muss gehen, Pedrillo, sonst werde ich gezankt; wenn ich gewusst hätte, dass du so ungeschickt wärest, so hätt ich dich nicht gerufen; denn siehst du, du machst schon so lang, und jetzt muss ichs doch selbst heften. Und da lief sie fort, Herr, und, was ich sagen wollte? Ja, da hätt' ich sie fragen können, warum die gnädige Frau so oft in die Stadt fährt, und zu wem, und dieses und jenes, aber wie ich sagte, über dem Halstuch hatte' ich alles vergessen. Ihr seht also, dass ich nicht neugierig bin; denn die Dame Beatrix war bei guter Laune, und ich glaube, sie hätte mir alles gesagt.
In diesem Ton fuhr Pedrillo den ganzen Weg lang fort, ohne dass Don Sylvio darauf Acht gab, was er schwatzte, so sehr war er in Gedanken vertieft. Allein, so bald sie zu haus waren, erinnerte ihn sein Magen, dass er seit gestern Mittag gefastet hatte; denn, wie wir schon bemerkt haben, die Bezauberung erstreckte sich bei ihm niemals bis auf den Magen. Er liess sich also einen Eier-Kuchen und ein paar fricassierte Hühner zum Frühstück machen, und ass mit so gutem Appetit, dass Pedrillo wieder Mut schöpfte, und eine bessere Meinung von dem verstand seines Herrn fasste,