reden. Es ist wahr, die ihrige ist eine von den grössten, die man sehen mag, und man könnte in Versuchung geraten, sie die Schönste zu nennen, wenn man die meinige nicht gesehen hat: Aber man braucht ja keinen Massstab, um zu finden, dass meine Nase wenigstens einer halben Spanne lang weiter über den Mund herab hängt als die ihrige. Die Schamhaftigkeit erlaubt mir nicht, setzte sie mit einem entsetzlich zärtlichen blick hinzu, von andern Schönheiten zu reden, die nur einem glücklichen Liebhaber sichtbar werden dürfen; aber sie können versichert sein, dass ich in diesem Stück nicht weniger Ursache habe, mich der Freigebigkeit der natur zu berühmen, als in Absicht dessen, was ihnen in die Augen fällt, und ich hoffe – Mademoiselle, rief Biribinker, so bald er vor lachen reden konnte; ich unterstehe mich eben nicht, mich für einen Kenner auszugeben; aber in der Tat, es kann ihrer Freundin nicht Ernst sein, wenn sie sich, was die Schönheit betrifft, mit ihnen in einen Wettstreit einlassen will; der Vorzug, den sie in diesem Stück haben, ist augenscheinlich, und es ist unmöglich, dass der gute Geschmack der Herren Gnomen ihnen hierüber nicht vollkommene Gerechtigkeit widerfahren lassen sollte.
Die erste Gnomide schien durch diese Entscheidung nicht wenig beleidiget zu sein, allein Biribinker, der vor Ungeduld brannte, die schöne Salamandrin zu sehen, bekümmerte sich wenig um alles, was sie zwischen ihren langen Zähnen murmelte, und zog sich wieder zurück, nachdem er der ganzen liebreizenden Gesellschaft eine gute Nacht gewünscht hatte. Statt der Antwort schickten sie ihm ein lautes Gelächter nach, um dessen Bedeutung er sich wenig bekümmerte, da er jetzt den Palast vor sich stehen sah, dessen unbegreifliche Schönheit seine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Nachdem er ihn eine geraume Weile voller Bewunderung betrachtet hatte, sah er, dass die beiden Flügel der Pforte sich auftaten. Er konnte dieses nicht anders als für ein Zeichen ansehen, dass seine Unternehmung mit dem glücklichsten Ausgang bekrönt werden würde. Er ging also mit hoffnungsvollem Mut hinein, und befand sich, nachdem er eine Treppe hinauf gestiegen war, in einem grossen Vorsaal, aus dem er in eine Reihe von Zimmern kam, von deren Schimmer er, ungeachtet der Veränderung, die das Feuer-Bad in seiner natur hervor gebracht hatte, fast verblendet wurde.
Allein so mannigfaltig und ausserordentlich alle die schönen Dinge waren, die von allen Seiten seinen Augen entgegen strahlten, so vergass er doch alles andere über den Gemälden einer unvergleichlich schönen jungen Salamandrin, womit alle diese Zimmer behangen waren. Er zweifelte nicht, dass es die Geliebte des alten Padmanaba sein werde, und diese Copien, worein sie in allen nur ersinnlichen Stellungen, Anzügen und Gesichtspuncten, bald wachend, bald schlafend, bald als Diana bald als Venus, Hebe, Flora, oder eine andere Göttin vorgestellt war, gaben ihm eine solche idee von dem Urbilde, dass er bei der blossen Erwartung seiner bevorstehenden Glückseligkeit vor Entzückung und Wonne hätte zerfliessen mögen. Ins besondere konnte er nicht satt werden, eine grosse Tafel anzuschauen, worin sie in einem Bade von Flammen sass, von Liebesgöttern bedient, die durch das Anschauen ihrer überirdischen Schönheit ausser sich selbst gesetzt schienen. Biribinker wusste nicht, ob er die Schönheit des Gegenstands, oder die Kunst der Malerei am meisten bewundern sollte, und musste sich selbst gestehen, dass Titian und Guido gegen die Salamandrischen Maler in Absicht der Colorit nur Sudler seien. Der Eindruck den dieses Gemälde auf ihn machte, war so lebhaft, dass er mit äusserster Ungeduld diejenige zu sehen wünschte, die in einem leblosen Nachbilde schon so unwiderstehliche Begierden einflösste. Er durchsuchte also eine Menge von Zimmern, ohne dass er jemand fand, er durchsuchte den ganzen Palast von oben bis unten, und wiederholte es zwei oder dreimal; aber da war keine Seele zu hören noch zu sehen. Endlich ward er einer halb geöffneten tür gewahr, die in den ausserordentlichsten Lustgarten führte, den er jemals gesehen hatte. Alle Bäume, Gewächse und Blumen, Alleen, Lauben und Springbrunnen in diesem Garten waren von lauterm Feuer, jedes brannte in seiner natürlichen Farbe, mit einem eben so anmutigen als durchdringenden Glanz, und die Würkung, die das Ganze machte, übertraf in der Tat alles, was sich die Einbildungs-Kraft prächtiges vorstellen kann.
Biribinker warf nur einen flüchtigen blick auf dieses majestätische Schauspiel, denn er gewahrte am Ende des Gartens einen Pavillion, in welchem er seine schöne Salamandrin zu finden hoffte. Er flog dahin, und die tür öffnete sich abermal von selbst, um ihn durch einen grossen Saal in ein Cabinet einzulassen, wo er niemand sah als einen Greisen von majestätischem Ansehen, mit einem langen schneeweissen Bart, der auf einem Ruhebette in tiefem Schlafe zu liegen schien. Er zweifelte nicht, dass es der alte Padmanaba sei, und ob er gleich versichert war, dass er keine Gewalttätigkeit von ihm zu besorgen hatte, so konnte er sich doch nicht erwehren, ein wenig zu zittern, da er sich, mit den Absichten, die er hatte, so nah bei diesem Zauberer und an einem Orte sah, wo alles demselben zu Gebot stunde. Doch der Gedanke, dass ihn das Schicksal nun einmal dazu ausersehen habe, die Bezauberungen des Padmanaba zu zerstören, und das Verlangen, die schöne Salamandrin zu sehen, gaben ihm in wenig Augenblicken seinen ganzen Mut wieder. Er war im Begriff sich dem Ruhebette zu nähern, um