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ich entschlossen das Abenteuer mit dem unsichtbaren Schloss zu bestehen; denn es liesse sich doch sonst keine vernünftige Ursache angeben, warum ich in des Walfisches Bauch gekommen sein sollte. Gute Nacht, Herr Kürbis, bis wir uns wieder sehen.

Viel Glücks, tapferer und liebenswürdiger Biribinker, rief ihm der wortreiche Kürbis nach; fahre wohl, du Blume und Zierde aller Feen-Ritter, und möge das Abenteuer, dem du so mutig entgegen gehst, einen Ausgang gewinnen, dergleichen noch kein Märchen gehabt hat, seitdem es Feen und Ammen in der Welt gibt. Gehe, weiser Königs-Sohn, wohin dich dein Schicksal zieht; aber hüte dich die Warnungen eines Kürbis zu verachten, der dein guter Freund ist, und vielleicht tiefere Blicke in die Zukunft tut, als irgend ein Calender-Macher in der Christenheit.

Der Kürbis merkte nicht, indem er diese schöne Abschieds-Rede hielt, dass der Prinz schon durch den ersten Schlosshof gegangen war, ehe er noch zu reden aufgehört hatte. Biribinker war jetzt ganz und gar von dem Abenteuer eingenommen, das er vor sich hatte, und seine Einbildungs-Kraft, die in dem feurigen Bad einen ausserordentlichen Schwung erhalten hatte, stellte ihm die schöne Salamandrin, die er bald zu sehen hoffte, mit so unwiderstehlichen Reizungen vor, dass er sich des Wunsches nicht entalten konnte, seinem Milchmädchen nur dieses einzige mal noch ungetreu sein zu können. Unter diesen Gedanken kam er durch den zweiten Hof in ein Vorhaus, aus welchem ihm ein grosses Getümmel entgegen schallte. Er lauschte ein wenig, und vernahm, dass es eine Menge von krächzenden Weiber-Stimmen waren, die in einem heftigen Wortwechsel begriffen schienen. So neugierig als er von Kindheit auf gewesen war, konnte er sich nicht entalten, zu sehen, wem diese anmutigen Stimmen zugehörten. Er öffnete die Tür eines grossen und überaus prächtigen Saals, und entsetzte sich nicht wenig, da er ihn mit fünfzig oder sechzig der allerhässlichsten kleinen Zwerginnen angefüllt sah, die nur immer die bürleske Einbildung eines Calot oder Hogart zu ersinnen fähig wäre.

Der arme Biribinker glaubte beim ersten Anblick, dass er zu einem Hexen-Sabbat gekommen sei, und er würde unfehlbar vor Abscheu in Ohnmacht gefallen sein, wenn er nicht zu gleicher Zeit vor lachen über so possierliche Figuren hätte bersten mögen. Diese schönen Nymphen, die in der Tat nichts geringers als junge Gnomiden waren, von denen die jüngste kaum achtzig Jahre haben mochte, wurden seiner kaum gewahr, so eilten sie alle auf ihn zu, so schnell als es ihre krummen Beine zuliessen. Sie kommen eben recht, Prinz Biribinker, rief ihm eine von den hässlichsten entgegen, einen Streit zu entscheiden, worüber wir einander beinahe in die Haare gekommen wären. Sie zanken sich doch nicht, hoffe ich, welche unter ihnen die schönste sei? Sagte Biribinker. Und warum nicht? erwiderte die Gnomide; sie haben es ersten Streichs erraten. Aber denken sie nur, mein schöner Prinz, nachdem ich es wirklich schon dahin gebracht habe, dass mir alle übrige den Vorzug eingestehen, so untersteht sich dieses Fratzen-Gesicht, diese kleine Pagode hier mir den goldnen Apfel noch streitig zu machen. O! mein angenehmster junger Prinz, schrie die Angeklagte, indem sie ihn in die Waden kneipte, welches vermutlich, ihrer Absicht nach, eine Liebkosung sein sollte; ich darf es kühnlich auf ihr Urteil ankommen lassen. Sehen sie uns beide nur recht an, betrachten sie uns Stück vor Stück, und tun sie den Ausspruch nach ihrem Gewissen, wofern ich mir zu viel schmeichlen würde, wenn ich sagte nach ihrem Herzen. Begreifen sie, Prinz Biribinker, sagte die erste, wie man die Unverschämteit so weit treiben kann? Fürs erste, so ist sie kaum eines Daumens Breite kleiner als ich, und sie werden gestehen, dass das keinen Unterscheid macht; was ihren Buckel betrifft, so hoffe ich, der meinige darf sich noch immer neben dem ihren sehen lassen, und meine Füsse sind, wie sie sehen, immer so breit und wohl um zwei gute Mannsdaumen länger als die ihrige. Ich weiss wohl, dass sie sich sehr viel auf den Umfang und die Schwärze ihres Busens zu gut tut, aber sie werden doch bekennen müssen, fuhr sie fort, indem sie ihr Halstuch abnahm, dass der meinige, wo nicht völlig so ansehnlich, doch ungleich schwärzer ist als der ihrige. Mag er doch! Rief die andere, einen so kleinen Vorzug kann ich dir leicht eingestehen, da ich in allen andern Stücken den Vorteil über dich habe.

Sie lachen, mein liebster Prinz Biribinker, und es kann in der Tat nichts lächerlicher sein, als die Eitelkeit dieser Meerkatze hier. Ich schäme mich, dass ich genötiget sein soll, mich selbst zu loben, aber sehen sie einmal, um wie viel meine Beine krümmer und stumpichter sind als die ihrigen? Ich will von allem übrigen nichts sagen; man müsste nur blind sein, wenn man nicht beim ersten Anblick sehen sollte, dass meine Augen kleiner und matter sind als die ihrigen, dass meine Backen um die Hälfte aufgedunsener sind, und meine Unter-Lippe viel weiter herunter hangt; auch nichts von der ungleich grösseren Länge meiner Ohren zu gedenken, und dass ich wenigstens fünf oder sechs Warzen mehr im Gesicht habe als sie, und dass die Haare an den meinigen länger sind; wir wollen auf einen Augenblick das alles beiseite setzen, und nur von der Nase