1772_Wieland_108_126.txt

, und in kurzem gefiel es ihm so wohl darin, dass er in den feurigen Wellen herum plätscherte, wie ein fisch in frischem wasser. Vielleicht würde er weit länger als die vorgeschriebene Zeit in einem so angenehmen Bade zugebracht haben, wenn ihn nicht die immer zunehmende Hitze zuletzt heraus getrieben hätte. Er sprang also wieder heraus, aber wie sehr erstaunte er, da er sich nicht nur so leicht und unkörperlich fühlte, dass er wie ein Zephyr über dem Boden hin schwebte, sondern auf einmal einen Palast erblickte, dessen Glanz und Schönheit alles übertraf, was ein menschliches Auge jemals gesehen hat. Er stunde eine gute Weile wie ausser sich selbst, und sein erster Gedanke, da er wieder denken konnte, war an die Schönheit, die ein so herrlicher Palast in sich schliessen müsse; denn da Diamanten und Rubinen ihn nur Gassensteine gegen die Materialien deuchten, woraus dieses Schloss erbaut war, so zweifelte er nicht, dass die schöne Salamandrin sich gegen die Schönen, die er bisher gekannt hatte, zum wenigsten eben so verhalten würde, wie dieser Palast gegen die gewöhnlichen Feenschlösser, die man prächtig genug gebaut zu haben glaubt, wenn man die Mauren von Diamanten oder Smaragden aufführt, das Dach mit Rubinen deckt, den Fussboden mit Perlen einlegt, und was dergleichen mehr ist, welches doch alles in Vergleichung mit diesem feurigen Palast nichts bessers als eine elende Hütte vorgestellt hätte. Unter diesen Gedanken näherte er sich demselben unvermerkt, und war schon durch den ersten Hof, dessen glänzende Pforte sich von selbst vor ihm auftat, hinein gegangen, als ihm einfiel, dass ihm der Kürbis ausdrücklich gesagt hatte, er sollte nach dem Bad im feurigen Brunnen wieder zu ihm kommen. Vermutlich, dachte er, hat er mir Nachrichten zu geben, ohne die es gefährlich sein könnte, sich in ein solches Schloss zu wagen, und da ich mich bisher bei seinen Anweisungen so wohl befunden habe, so würde es weder klug noch dankbar sein, wenn ich mir einbilden wollte, dass ich seiner nicht mehr nötig habe. Man sehe doch, wie seltsam es kommen kann! Wer hätte jemals gedacht, dass ein Kürbis ein Ratgeber eines Prinzen sein würde!

Biribinker schlich sich also nicht ohne Furcht entdeckt zu werden, zu seinem Kürbis zurück; Ha! rief ihm dieser auf zwanzig Schritte entgegen, ich sehe, dass ihnen das Bad unvergleichlich wohl zugeschlagen hat; sie sind ja zum bezaubern; ich schwöre ihnen bei der Tugend meiner geliebten Mirabella, dass keine Salamandrin ist, die ihnen, so wie sie jetzt aussehen, nur eine Minute widerstehen wird. Aber was wird aus ihrer Treue gegen das Milchmädchen werden? – Herr Kürbis, sagte Biribinker, lassen sie sich mit aller der achtung, die ich ihnen übrigens schuldig bin, sagen, dass sie besser getan hätten, mich in den Umständen, worein mich ihr Bad gesetzt hat, mit dergleichen unzeitigen Erinnerungen zu verschonenIch bitte um Verzeihung, antwortete der Kürbis, ich wollte nur so viel sagenGut, gut, unterbrach ihn der Prinz, ich weiss wohl, was sie sagen wollten, und ich antworte ihnen darauf, dass ich ohne ihre Warnungen, die ein beleidigendes Misstrauen in meine Standhaftigkeit setzen, durch die blosse Erinnerung an mein himmlisches Milchmädchen gegen die vereinigten Reizungen aller ihrer feurigen Schönen so sicher zu sein glaube, als ich es mitten unter den hässlichsten Gnomiden sein könnte. Es wird sich zeigen, sagte der Kürbis, ob sie diese edle Gesinnungen zu behaupten wissen werden; ich habe eine so gute Meinung von ihnen, als man, nach allem was in einem gewissen Schloss vorgegangen ist, nur immer haben kann; aber bei alle dem, kann ich doch nicht leugnen, dass ich ihre Treue in keine kleine Gefahr gesetzt sehe, wenn sie in den Palast hinein gehen. Es steht noch bei ihnen, ob sie es wagen wollen oder nicht; bedenken sie sich wohl, oder – –

Mein lieber Herr Kürbis, unterbrach ihn Biribinker, ich sehe, dass sie eine eben so verzweifelte Wut zum raisonnieren haben, als die tugendhafte und preciöse Mirabella, ihre Geliebte. Warum haben sie denn verlangt, dass ich in dem feurigen Brunnen baden sollte, wenn ich nicht in den Palast hinein gehen darf? Noch einmal, mein lieber Freund, sorgen sie nicht für meine Treue, und sagen sie mir lieber: wie ich mich zu verhalten habe, wenn ich in den Palast komme? Sie haben hiezu wenig Unterricht nötig, antwortete der Kürbis, denn sie werden nirgend keinen Widerstand finden; alle Türen werden sich ihnen von selbst eröffnen, und wenn sie irgend etwas zu besorgen haben, so muss es nur (wie ich schon gesagt, und wie sie sich so ungern sagen lassen) von ihrem eigenen Herzen sein. Aber was für eine Mine, denken sie, dass mir der alte Padmanaba machen werde, fragte der Prinz? So viel ich an der Bewegung der Gestirne merke, erwiderte der Kürbis, so ist es bereits um Mitternacht, um welche Zeit der Alte in tiefem Schlaf zu liegen pflegt. Allein gesetzt auch, dass er aufwachen sollte, so haben sie von seinem Zorn nichts zu besorgen; alle seine Macht vermag nichts gegen die Zauber-Kraft ihres Namens, und nach den Vorteilen, die sie bisher über ihn erhalten haben, zu urteilen, können sie allerdings hoffen, diesesmal nicht weniger glücklich zu sein.

Es mag gehen wie es will, versetzte Biribinker, so bin