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nie eingefallen, ihnen einen solchen Antrag zu machen.

Kürbis, mein guter Freund, erwiderte Biribinker, ich merke, dass ihr euch ein wenig lustig mit mir machen wollt, aber ich muss euch sagen, dass ich jetzt nicht im Humor bin, Spass zu verstehen. Ich verlange nicht als eine abgeschiedene Seele in den Palast zu kommenDas sollen sie auch nicht, sagte der Kürbis! das feurige Bad, das ich ihnen vorschlage, ist nicht so gefährlich als sie sichs einbilden, und Padmanaba selbst bedient sich desselben alle drei Tage; sonst würde er eben so wenig in einem Palast von gediegenem Feuer wohnen können, als sie. Denn ob er gleich, ausser dem grossen Caramussal, der auf der Spitze des berges Atlas wohnt, der grösste Zauberer in der ganzen Welt ist, so ist er doch von eben so irdischer natur und Abkunft als sie. Ja er würde, ohne den Gebrauch dieses Brunnens, der eines der grössten Geheimnisse seiner Kunst ist, nicht einmal der kleinen Glückseligkeit fähig sein, die er jetzt bei der schönen Salamandrin, die er in seinem Palast eingeschlossen hält, geniesst, oder doch zu geniessen glaubt; wenn anders der Gebrauch, den ein Titon von seiner Aurora zu machen fähig ist, ein Genuss genennt zu werden verdient. Er hat also eine schöne Salamandrin bei sich? fragte Biribinker. Warum nicht, antwortete der Kürbis; meinen sie, dass man sich umsonst in den Bauch eines Walfisches verschliesst?

Ist sie sehr schön, fuhr Biribinker fort? – Sie müssen wohl nie keine Salamandrin gesehen haben, erwiderte der Kürbis, weil sie das fragen können. Wissen sie denn nicht, dass die schönste Sterbliche gegen die geringste von unsern Schönen nicht besser als wie ein Affenweibchen aussehen würde? Es ist wahr, ich kenne eine Ondine, die vielleicht der schönsten Salamandrin den Vorzug streitig machen könnte; allein es ist unter allen Ondinen nur eine Mirabella – O! was das anbetrifft, unterbrach ihn Biribinker, wenn die Salamandrin des alten Padmanaba nicht schöner als Mirabella ist, so hätten sie nicht nötig gehabt die sterblichen Schönen so weit unter sie herunter zu setzen. Ich gestehe, dass sie reizend ist, aber ich kenne ein gewisses Milchmädchenin welches sie so verliebt sind, fiel ihm der Kürbis höhnisch in die Rede, dass sie der schönen Mirabella beim ersten Anblick schwuren, sie nie gesehen zu haben. Die Würkung zeugt am besten von der Ursache, und wenn man ihre leidenschaft nach diesem Grundsatz beurteilen wollte – –

O wahrhaftig! rief Biribinker ungeduldig, ich bin, glaube ich, nur hieher gekommen, um einen Kürbis philosophieren zu hören. Sagen sie mir lieber, wie ich in den unsichtbaren Palast kommen kann, denn ich sterbe vor Ungeduld, wenn es nicht geschieht; ist denn kein anders Mittel, als das verwünschte feurige Bad, worin sie mich gerne zu einer Carbonnade gemacht sehen möchten? Sie sind wunderlich, mit Erlaubnis, antwortete der Kürbis; Ich sagte ihnen ja schon, dass mir selbst alles daran gelegen ist, dass sie in den unsichtbaren Palast kommen, wo, allen Umständen nach eines der ausserordentlichsten Abenteuern auf sie wartet. Meinen sie denn, dass ich für meinen Spass ein Kürbis bin, und dass ich mich nicht je bälder je lieber von diesem verfluchten unbequemen Wanst befreit sehen werde, der sich so übel für einen so speculativen Geist schickt als ich bin? Ich sage ihnen noch einmal, sie haben kein anders Mittel in den Palast zu kommen, ohne von der Glut desselben verzehrt zu werden, als das feurige Bad, welches ich ihnen vorschlug. Ehe sie vor Ungeduld sterben, wie sie sagen, könnten sie es ja ein paar Minuten versuchen; kommen sie auch darin um, wofür ich ihnen doch gut stehe, so ist es nur eine Todesart für die andere, und das kommt zuletzt auf Eines hinaus. Gut, sagte Biribinker, wir wollen sehen was zu tun sein wird! Vielleicht sollte ich nicht so viel Zutrauen in sie setzen als ich tue; allein der Zug meines Schicksals ist stärker als meine Vernunft; ich will gehen, und wenn sie binnen einer Viertelstunde nichts von mir hören, so ergeben sie sich nur gedultig darein, ein Kürbis zu bleiben, bis Padmanaba von sich selbst entweder verliebt oder eifersüchtig zu sein aufhört.

Mit diesen Worten machte er dem Kürbis sein Compliment, und ging dem Labyrint zu, wo der feurige Brunnen sein sollte. Er fand ein grosses rundes Becken, mit breiten Steinen von Diamant ausgemauert, und mit einem Feuer angefüllt, welches, ohne von irgend einer sichtbaren Materie genährt zu werden, in schlängelnden Blitzen empor loderte, und unschädlich die dichten Büsche von Rosen leckte, die rings umher über den Brunnen sich wölbten. Unzähliche Farben spielten mit der anmutigsten Abwechslung in diesen wundervollen Flammen, und statt des Rauchs ergoss sich ein lauer unsichtbarer Dampf von den lieblichsten Geruchen umher. Biribinker betrachtete dieses Wunder eine geraume Zeit mit einer Unschlüssigkeit, die einem Feen-Helden wenig Ehre macht, und er würde vielleicht noch immer am rand des Brunnens stehen, wenn ihn nicht, da er sichs am wenigsten versah, eine unsichtbare Gewalt mitten in die Flammen geworfen hätte. Er erschrak so sehr, dass er vor Angst nicht schreien konnte; aber da er spürte, dass ihm dieses Feuer kein Haar versengte, und an statt ihm nur den geringsten Schmerz zu verursachen, sein ganzes Wesen mit einer wollüstigen Wärme durchdrang, so fasste er sich bald wieder