nicht länger auf seinem Delphin erhalten konnte, sondern sich den Wellen überlassen musste, die ihn wie einen Ball herum schleuderten, bis er zuletzt von der Luft, die der Walfisch einatmete, wie von einem Wirbelwind ergriffen, und durch eines von den Naslöchern des Ungeheuers hinab gezogen wurde. Er fiel ein paar Stunden lang in einem fort, ohne dass er in der Betäubung wusste, wie ihm geschah; endlich aber merkte er, dass er in ein grosses Gewässer fiel, womit eine Höhle im Bauch des Walfisches angefüllt war. Es war ein kleiner See, der etwa fünf bis sechs deutsche Meilen im Umkreis hatte; und vermutlich würde Biribinker das Ende aller seiner Abenteuer darin gefunden haben, wenn er nicht zu gutem Glück, sich so nah am Ufer einer Insel oder Halbinsel gesehen hätte, dass er kaum zwei hundert Schritte zu schwimmen hatte, um auf dem Trocknen zu sein.
Die Not, die Erfinderin aller Künste, lehrte ihn diesmal schwimmen, ob es gleich das erstemal in seinem Leben war. Er kam glücklich ans Ufer, und nachdem er sich auf einem Felsen, der zwar wie andere Felsen von Stein, aber so weich wie ein Polster war, zurecht gesetzt hatte, erquickte er sich, indes dass seine Kleider an der Sonne trockneten, an den lieblichen Geruchen, die ihm ein kühler Landwind aus einem Wald von Zimmet-Stauden, der das Ufer bekränzte, entgegen wehte. Weil er aber begierig war, das Land in Augenschein zu nehmen, und sich zu erkundigen, ob und von wem es bewohnt sei, so stieg er, so bald er sich in etwas erholt hatte, von seinem Felsen herab, und strich eine halbe Stunde lang im Wald herum, bis er endlich in einen grossen Lustgarten kam, worin alle mögliche Bäume, Stauden, Gewächse, Blumen und Kräuter des ganzen Erdbodens in der anmutigsten Unordnung durch einander geworfen waren. Die Kunst war in der Anlegung desselben so versteckt, dass alles ein blosses Spiel der natur zu sein schien. Hier und da sah er Nymphen von blendender Schönheit unter Gebüschen oder in Grotten liegen, und kleine Bäche aus ihren Urnen giessen, die den Garten durchschlängelten, an vielen Orten in allerlei Figuren in die Höhe spielten, an andern Wasserfälle machten, oder in marmorne Becken sich sammelten. Diese Brunnen wimmelten von allen Arten von Fischen, welche, wider die Gewohnheit der Geschöpfe von ihrer Gattung, so lieblich sangen, dass Biribinker ganz davon bezaubert wurde. Insonderheit bewunderte er einen gewissen Karpfen, der die schönste Discant stimme von der Welt hatte, und einen Triller schlug, der dem besten Castraten Ehre gemacht hätte. Der Prinz hörte ihm eine geraume Weile mit grösstem Vergnügen zu; da ihn aber alle diese Wunderdinge nur desto begieriger machten, zu erfahren, wem diese bezauberte Insel gehöre, und ob er sich wirklich, wie er glaubte, in der unterirdischen Welt befinde, so tat er deswegen verschiedene fragen an die besagten Fische; denn er dachte, weil sie so schön sängen, so würden sie vermutlich auch reden können. Allein die Fische sangen immer fort, ohne ihm zu antworten, oder nur Acht darauf zu geben, was er sagte.
Er gab es also endlich auf, und ging immer weiter fort, bis er in einen grossen Krautgarten kam, der mit allen Arten von Salat, Wurzel-Werk, Schoten- und Ranken-Gewächsen besetzt war, die dem Ansehen nach, ohne Pflege, wiewohl so schön als nur möglich ist, in regellosem Überfluss hervor wuchsen. Indem er sich nun so gut er konnte, einen Weg durch diese Wildnis machte, stiess er von ungefähr mit dem rechten Fuss an einen grossen Kürbis, der so ziemlich dem Wanst eines schinesischen Mandarins gleich sah, und den er unter seinen breiten Blättern nicht gleich wahrgenommen hatte.
Herr Biribinker, rief ihm der Kürbis zu, ein andermal sein sie so gut, und schauen ein wenig unter ihre Füsse, eh sie einem ehrlichen Kürbis auf den Nabel treten. Ich bitte sehr um Vergebung, Herr Kürbis, sagte Biribinker; es geschah in der Tat nicht aus Vorsatz, und ich würde mich gewiss besser vorgesehen haben, wenn ich hätte vermuten können, dass die Kürbisse in dieser Insel so wichtige Personen sind, als ich nun sehe. Indes bin ich doch erfreut, dass mir dieser kleine Zufall das Vergnügen verschafft hat, mit ihnen Bekanntschaft zu machen; denn ich hoffe, sie werden mir die gefälligkeit nicht versagen, mich zu belehren, wo ich bin, und was ich aus allem machen soll, was ich hier sehe und höre?
Prinz Biribinker, antwortete der Kürbis, ihre Gegenwart ist mir allzu angenehm, als dass ich mir nicht das grösste Vergnügen daraus machen sollte, ihnen alle die kleinen Dienste zu leisten, die von mir abhangen. Sie befinden sich im Bauch eines Walfisches, und diese Insel – Im Bauch eines Walfisches, rief Biribinker, indem er ihn unterbrach – das übertrifft noch alles, was mir bisher begegnet ist. Nun schwöre ich ihnen, Herr Kürbis, dass ich mich in meinem Leben über nichts mehr verwundern will. Wahrhaftig! wenn es im Bauch eines Walfisches Luft und wasser, Inseln und Lustgärten, ja wie ich merke, Sonne, Mond und Sterne gibt, wenn die Felsen darin so weich wie Polster sind, die Fische singen, und die Kürbisse reden Was diesen Punct betrifft, unterbrach ihn der Kürbis gleichfalls so belieben sie sich sagen zu lassen, dass ich