verlange, der solchen Zerstreuungen unterworfen ist. Ich habe die Philosophie des Averroes nie studiert, und ich bin eine so materielle Creatur, dass ich nicht begreifen kann, wie das Herz meines Liebhabers unschuldig sein kann, wenn mir seine Sinnen untreu sind – –
Vergeben sie mir nur noch dieses einzige mal, sagte Biribinker schluchzend – Ich, ihnen vergeben? unterbrach ihn die schöne Galactine; und warum sollte ich ihnen vergeben? Sehen sie mich einmal an; ist man vielleicht mit einem Gesicht, wie das meinige, zum Vergeben genötigt? Oder meinen sie, dass ich, um Liebhaber zu haben, wenn ich ihrer haben will, so gedultig sein müsse, als sie mich gerne finden möchten? Glauben sie mir, es liegt nur an mir, unter zwanzig andern, zu wählen, die den Wert eines Herzens, das sie so mutwillig von sich werfen, besser zu schätzen wissen.
Diese Worte, ob sie gleich mit einem blick begleitet waren, der ihre Strenge zum wenigsten um die Hälfte milderte, brachten den armen Biribinker vollends zur Verzweiflung. Was hör ich, rief er, Grausame? So wollen sie dann meinen Tod? Können meine Tränen sie nicht erweichen? Nein, bei allen Göttern! ehe ich zugeben werde, dass ein anderer als Biribinker – O! verhasstestes unter allen Ungeheuern, rief die ergrimmte Galactine, lässest du mich noch einmal diesen abscheulichen Namen hören, der mir schon zweimal die Seele durchbohrt hat? Flieh auf ewig aus meinen Augen, oder erwarte das ärgste von dem immerwährenden Hass, den ich dir und deinem unseligen Namen geschworen habe.
Biribinker zitterte an allen Nerven, wie er seine Schöne auf einmal in eine so heftige Wut ausbrechen sah; er verfluchte im Übermass seines Schmerzens den Namen Biribinker, und denjenigen, der ihm denselben gegeben hatte; und er würde vielleicht (denn für gewiss will ich es eben nicht sagen,) mit dem Kopf wider die nächste Eiche angeloffen sein, wenn er nicht in eben dem Augenblicke sechs wilde Männer erblickt hätte, die in vollem Lauf aus dem Wald hervor stürmten, und vor seinen Augen sich der schönen Jägerin bemächtigten. Diese Wilden hatten eine mehr als menschliche Statur, um das Haupt und die Lenden waren sie mit Eichen-Zweigen bekränzt, auf der linken Schulter trugen sie eine stählerne Keule, und Biribinker fand sie in diesem Aufzug so fürchterlich, dass er, seiner angebornen Tapferkeit ungeachtet, allen Mut verlor, seine Geliebte aus ihren Händen zu retten. In dieser dringenden Not erinnerte er sich an das Straussen-Ei, das ihm die Fee Mirabella gegeben hatte, er zerbrach es mit bebender Hand, und erstaunte, wie man denken kann, so sehr als jemals, da er eine unendliche Menge von kleinen Nymphen, Tritonen und Delphinen heraus wimmeln sah, die sich augenblicklich in Lebens-Grösse ausdehnten, und die einen aus ihren wasser-Krügen, die andern aus ihren Naslöchern eine so ungeheure Menge Wassers ausgossen, dass in weniger als einer Minute ein See um ihn her entstund, der den ganzen Horizont erfüllte. Er selbst befand sich auf dem rücken eines Delphins, der so sanft mit ihm davon schwamm, dass er keine Bewegung spürte, und die Nymphen und Tritonen, die um ihn her plätscherten, bemühten sich, ihm durch Musik und mutwillige Spiele eine Lust zu machen. Aber Biribinker sah nur nach dem Orte, wo er seine geliebte Galactine den Wilden hatte überlassen müssen, und da er, so weit sein schärfster blick reichte, um und um nichts als wasser sah, betrübte er sich so herzlich, dass er sich etliche mal in die See stürzen wollte. Er würde es auch gewiss getan haben, wenn er nicht besorgt hätte, einer von den Nymphen, die um seinen Delphin schwammen, in die arme zu fallen; welches ihn, (wie er sehr weislich davor hielt,) leicht in eine Versuchung hätte setzen können, worin die ewige Treue, die er seiner Schönen nunmehr angelobt hatte, in Gefahr gekommen wäre. Er trieb diesmal die Vorsichtigkeit so weit, dass er sich ein seidenes Schnupftuch um die Augen band, aus Furcht, von den Schönheiten zu sehr gerührt zu werden, die durch tausend verführerische Bewegungen seinen Augen nachstellten.
Auf diese Weise war er ohne den geringsten widrigen Zufall schon ein paar Stunden fort geschwommen, als er es endlich wagte, das Schnupftuch ein wenig weg zuschieben, um zu sehen, wo er wäre. Er fand zu seiner grossen Beruhigung, dass die Nymphen verschwunden waren; hingegen gewahrete er in der Ferne etwas, das wie der rücken eines grossen Gebürges über die Wellen hervor ragte; er merkte auch, dass die See ausserordentlich ungestüm wurde, und bald darauf erhub sich ein so entsetzlicher Sturmwind mit so gewaltigen Regengüssen, dass es nicht anders war, als ob ein ganzer Ocean aus der Luft herab stürzte.
Der Urheber dieses Unwesens war ein Walfisch, aber ein Walfisch, dergleichen man nicht alle Tage sieht; denn diejenigen, die man an den Grönländischen Küsten zu fangen pflegt, waren in Vergleichung mit ihm nicht viel grösser als die winzigen Tierchen, die man durch Vergrösserungs-Gläser bei vielen tausenden in einem Tropfen Wassers herum schwimmen sieht. So oft er schnaubte, welches gemeiniglich alle vier Stunden geschah, so entstund ein Sturmwind, und die Wasserströme, die er aus seinen Naslöchern ausspritzte, verursachten Platzregen und Wolkenbrüche auf fünfzig Meilen in die Runde. Die Bewegung des Meers war so heftig, dass Biribinker sich