. Alles, warum ich sie bitte, ist ihr Schutz und meine Entlassung.
Was ihre Entlassung betrifft, antwortete die schöne Mirabella, die können sie sich selbst geben, denn sie wissen, dass ich sie nicht gerufen habe. Wenn sie aber meinen Schutz verlangen, so kann ich ihnen nicht bergen, dass ihr Glück von ihrer eigenen Aufführung abhangt. Wenn sie so fortfahren, so wird der Schutz aller Feen der ganzen Welt an ihnen verloren sein. Hat man jemals einen Liebhaber gesehen, wie sie sind? Sie ziehen den ganzen Tag in der Welt herum, ihre Geliebte zu suchen, und bringen die ganze Nacht in den Armen einer andern zu; den folgenden Morgen geht ihre Liebe wieder an, und den Abend drauf ihre Untreue. Was wollen sie, dass aus einer solchen Aufführung endlich werden soll? Ihre Schäferin müsste ausserordentlich gedultig sein, wenn sie sich diese neue Art zu lieben gefallen lassen wollte – – Wahrhaftig! rief der Prinz, es steht ihnen recht wohl an, mir Vorwürfe von dieser Art zu machen! Ich mag nicht reden – Aber glauben sie mir, ihr moralisieren fangt mir an beschwerlich zu werden, so eine grosse Meisterin sie immer darin sein mögen. Sagen sie mir lieber, wie ich meine geliebte Galactine aus den Händen des verfluchten Riesen befreien kann, der sie gestern davon führte. – –
Bekümmern sie sich nicht um den Riesen, sagte die Fee; ein Nebenbuhler, der sich die Zähne mit einem Zaunpfahl ausstochert, ist nicht halb so fürchterlich, als sie sich einbilden, und ich kenne einen gewissen Gnomen, der ihnen, so klein er ist, mehr Eintrag tun könnte als Caraculiamborix, wenn er gleich noch etliche hundert Ellen länger wäre als er ist. Kurz, sorgen sie für nichts, als wie sie ihre Schäferin wieder besänftigen wollen, das übrige wird sich von selbst geben; und sollten sie ja in Umstände kommen, wo sie meiner hülfe benötiget wären, so zerbrechen sie nur dieses Straussen-Ei, das ich ihnen gebe; es wird ihnen, auf mein Wort, keine geringere Dienste tun als die Erbsen-Schote der Fee Cristalline.
Kaum hatte Mirabella das letzte Wort ausgesprochen, so verschwand sie, das Cabinet und der Palast, und Biribinker befand sich, ohne zu wissen, wie es zuging, an dem nämlichen Orte, wo ihn der Riese Caraculiamborix bei seiner Schäferin überfallen hatte. Man kann nicht erstaunter sein, als er es über die seltsame Dinge war, die ihm seit seiner Flucht aus dem grossen Bienenkorbe begegnet waren. Er rieb sich die Augen, kneipte sich in die arme, zog sich bei der Nase, und hätte gerne gefragt, ob er oder ein anderer der Prinz Biribinker sei, wenn er jemand hätte fragen können. Je mehr er nachdachte, desto wahrscheinlicher kam es ihm vor, dass alles nur ein Traum gewesen sei; und er fing schon an, sich in dieser Meinung zu bestärken, als er eine Jägerin aus dem Gebüsch hervor kommen sah, die an Gestalt und Anstand nichts geringers als Diana selbst zu sein schien. Ihr grünes Gewand, mit goldnen Bienen durchwürkt, war bis an die Knie aufgeschürzt, und unter ihrem Busen mit einem Gürtel von Diamanten gebunden; ein teil ihrer schönen Haare war mit einer Perlenschnur in einen Knoten geknüpft, der Rest flatterte in kleinen Locken um ihre weisse Schultern. In der Hand trug sie einen Jagdspiess, und ein goldner Köcher klang auf ihrem rücken. Diesmal, dachte Biribinker, weiss ich es doch gewiss, dass ich nicht träume, und indem er das dachte, kam ihm die Jägerin so nahe, dass er seine geliebte Galactine in ihr erkannte. Noch niemals war sie ihm so bezaubernd vorgekommen, als in diesem Aufzug, der ihr das Ansehen einer Göttin gab. Er vergass auf einmal der Cristallinen und Mirabellen, die ihn vor kurzem so sehr bezaubert hatten, und indem er sich zu ihren Füssen warf, bezeugte er sein Vergnügen, sie wieder gefunden zu haben, in so lebhaften Ausdrücken, dass es der getreueste unter allen Liebhabern nicht besser hätte machen können. Allein die schöne Galactine wusste mehr von seinen begebenheiten, als er sich einbildete. Wie? sagte sie, indem sie ihr anmutiges Gesicht mit einem Unwillen, der ihm nur neue Reizungen gab, von ihm wegwandte; unterstehst du dich noch, vor meine Augen zu kommen, nachdem du dich durch wiederholte Beleidigungen der Gnade verlustig gemacht, die ich dir schon einmal widerfahren liess? Göttliche Galactine, antwortete ihr Biribinker, zürnen sie nicht mit mir, wenden sie ihre Augen nicht so von mir ab, wenn sie nicht wollen, dass ich auf der Stelle zu ihren Füssen sterben soll. Weg mit diesem Unsinn, sagte die schöne Jägerin, den du gewohnt bist an eine jede zu verschwenden, die dir in den Weg kommt; du hast mich nie geliebt, Wankelmütiger; wer alle liebt, liebt keine.
Niemals, rief Biribinker, mit tränenden Augen, niemals hab ich eine andere geliebt als sie; und das ist so wahr, dass ich darauf schwören wollte, dass alles nur ein Traum war, was mir in einem gewissen schloss begegnet ist. Wenigstens versichere ich Ihnen, dass die Zerstreuungen, die sie mir so übel auslegen, ein blosses Spiel der Sinnen waren, woran mein Herz nicht den geringsten Anteil hatte. Eine feine Distinction, erwiderte die Jägerin; Zerstreuungen nennen sie das? ich sage ihnen, dass ich keinen Liebhaber