Unsinn vorsagen müsse, um uns die Heftigkeit seiner leidenschaft zu beweisen. Ich wette was sie wollen, dass es nicht wahr ist, dass sie zu meinen Füssen verzehrt zu werden wünschen; glauben sie mir, ich weiss besser was sie wünschen, und sie würden mehr dabei gewinnen, wenn sie natürlich mit mir reden wollten. Diese schwülstige Sprache, die sie sich angewöhnt haben, ist vielleicht gut, Milchmädchen zu rühren; aber, lassen sie sich ein für allemal sagen, dass man uns nicht nach einerlei Metode behandeln muss. Ein Frauenzimmer, das den Averroes so lange studiert hat, wie ich, wird durch keine poetische Blümchen gewonnen; man muss uns überzeugen können, wenn man uns rühren will, und die Macht der Wahrheit ist das einzige, was uns nötigen kann, uns zu ergeben.
Biribinker war es zu sehr gewohnt von den Damen, denen er in die hände fiel, gehofmeistert zu werden, als dass er sich durch einen Verweis hätte kleinmütig machen lassen sollen, der ihm die Mittel zeigte, wodurch man bei den Schülerinnen des Averroes glücklich werden kann; und in der Tat fühlte er, dass es ihn weit weniger Mühe kosten werde, sie durch die Energie der Wahrheit, als durch spitzfündige und schwülstige liebes Erklärungen zu überwältigen. Die Reizungen der Ondinen übertreffen, nach dem vollgültigen Zeugnis des Grafen von Gabalis, alles, was den Besitz der schönsten unter den Töchtern der Menschen begehrenswürdig macht. Kurz, Biribinker wurde nach und nach so natürlich und überzeugend, als sie es nur wünschen konnte, und ob sie gleich eine genaue Beobachterin dessen war, was man Gradationen nennt, so wusste sie doch die Zeit so gut einzuteilen, dass es eben Nacht wurde, wie der Prinz die Überzeugung bis zu derjenigen Evidenz trieb, die keinen Zweifel übrig lässt. Die geschichte sagt weiter nichts von dem, was zwischen ihnen vorgegangen, als dass sich Biribinker des Morgens, da er erwachte, zu seinem nicht geringen Erstaunen, auf eben dem Ruhebette, in eben dem Zimmer, in eben dem Palast, und in dem nämlichen Zustande befand, worin er des Morgens zuvor gewesen war.
Die schöne Ondine, welche, man weisst nicht warum? sich nicht weit von ihm befand, merkte kaum, dass er erwacht war, als sie ihn, mit einer Anmut, die ihn vor etlichen Stunden eben so sehr entzückt hatte, als sie ihn jetzt gleichgültig liess, also anredete: Das Schicksal, mein lieber Biribinker, hat sie dazu ausersehen, sich unglückliche Feen verbindlich zu machen. Da ich das Vergnügen habe, eine davon zu sein, so ist es billig, dass ich sie berichte, wer ich bin, und wie viel ich ihnen zu danken habe. Wissen sie also, dass ich eine von denjenigen Feen bin, die man Ondinen nennt, weil sie das Element des Wassers bewohnen, aus dessen subtilesten Atomen ihr Wesen zusammen gesetzt ist. Man nannte mich Mirabella, und der Stand einer Fee mit dem Rang, den mir meine Geburt unter den Ondinen gab, hätte mich glücklich machen können, wenn irgend etwas fähig wäre, uns gegen die Einflüsse eines feindseligen Gestirns zu schützen. Das meinige verurteilte mich, von einem alten Zauberer geliebt zu werden, dem seine tiefe Wissenschaft eine unbegrenzte Gewalt über die elementarischen Geister gab. Allein bei allem dem war er der unangenehmste Mensch von der Welt, und ohne die Freundschaft eines Salamanders, der ein Günstling des alten Padmanaba war – –
Wie? rief der Prinz, Padmanaba, sagen sie? der Mann mit dem schneeweissen Ellenlangen Bart, der arme Mädchens, die Langeweile haben, in Nachtgeschirre und kurzweilige Gnomen in Hummeln verwandelt?
Eben dieser, versetzte die Ondine, war es, der sich die Rechte eines Ehemanns über mich anmasste, ohne zu den Pflichten dieses Characters die mindeste Tüchtigkeit zu haben. Eine meiner Vorgängerinnen, die er in den Armen eines hässlichen Gnomen überraschte, hatte ihn so misstrauisch gemacht, dass er auf seinen eigenen Schatten eifersüchtig war. Er hatte alle Gnomen abgeschafft, und dafür lauter Salamander angenommen, deren feurige natur, wie er dachte, geschickter war, Schrecken als Liebe einzuflössen. Sie erinnern sich ohne Zweifel aus ihrem Ovidius an die schöne Semele, die in der Umarmung eines Salamanders zu Asche wurde. Aber der gute Alte vergass mit aller seiner Vorsichtigkeit, dass die wässerichte natur der Ondinen sie vor einer solchen Gefahr vollkommen sichert, und das gedämpfte Feuer der Salamander zu einer sanften Hitze mässiget, die der Liebe nicht wenig günstig ist. Padmanaba verliess sich so völlig auf seinen Günstling, dass er uns alle Freiheit liess, die wir nur wünschen konnten. Sie bilden sich vielleicht ein, Prinz Biribinker, dass wir uns diese gelegenheit nach der Weise materieller Liebhaber zu Nutze gemacht haben würden; aber sie irren sich. Flox, so hiess mein Freund der Salamander, war zu gleicher Zeit der zärtlichste und der geistigste Liebhaber von der Welt. Er merkte gleich, dass mein Hetz nur durch den Verstand gewonnen werden könne, und trieb seine gefälligkeit gegen meine Delicatesse so weit, dass er gar nicht einmal zu bemerken schien, dass ich, wie sie sehen, eine ziemlich feine Haut, eine nicht ganz gleichgültige Figur, und ein paar niedliche kleine Füsschen hatte, mit denen ich im Notfall so fertig zu reden wusste, als eine andere mit den Augen. Mit einem Wort, er ging mit mir um, als ob ich lauter Geist gewesen wäre. An statt wie