so betäubt von Schrecken lag er da, und vermutlich würde er in seinem Leben das Trockne nicht wieder gesehen haben, wenn nicht eine Nymphe, die sich eben in diesem Brunnen badete, zu seiner Rettung herbei geschwommen wäre. Die Gefahr, worin sie einen so schönen jungen Menschen sah, machte sie vergessen, in was für einem Zustande sie selbst war, und in der Tat hätte er leicht ertrinken können, ehe sie ihre Kleider angezogen hätte. Kurz, Biribinker fühlte, da er zu sich selbst kam, dass sein Gesicht an dem schönsten Busen lag, der jemals gewesen ist, und da er die Augen auftat, sah er sich am rand eines grossen Brunnens in den Armen einer Nymphe, die ihm, in dem ungekünstelten Aufzug, worin er sie sah, beim ersten Anblick so viel und noch mehr Leben wieder gab, als er brauchte.
Dieses Abenteuer setzte ihn in ein so angenehmes Erstaunen, dass er kein Wort hervor bringen konnte. Allein die Nymphe merkte kaum, dass er wieder lebte, so riss sie sich von ihm los, und sprang ins wasser. Biribinker, der sich einbildete, dass sie ihm entfliehen wolle, erhub ein so klägliches Geschrei, als ein kleiner Junge nur immer machen kann, wenn man ihm eine neue Puppe nehmen will. Die schöne Nymphe war wohl sehr weit von einem so grausamen Vorhaben entfernt; denn in wenigen Augenblicken sah er sie schon wieder mit einem rücken, der die Lilien an Glanz übertraf, aus dem wasser hervor ragen. Sie hob den Kopf ein wenig empor, aber kaum erblickte sie den Prinzen, so tauchte sie wieder unter, und plätscherte unter dem wasser fort, bis sie an die andere Seite des Brunnens kam, wo ihre Kleider lagen. Allein da sie sah, dass ihr der Prinz folgte, erhub sie sich mit halbem Leib, aber ganz in ihre lange gelbe Haare eingehüllt, die ihr in dichten wallenden Locken bis zu den Füssen herab flossen, und seinen lüsternen Augen den Anblick von Schönheiten entzogen, welche fähig waren, einen Titon zu verjüngen.
Sie sind sehr unbescheiden, Prinz Biribinker, sagte sie, dass sie sich in solchen Augenblicken aufdringen, da man allein sein will.
Vergeben sie mir, schönste Nymphe, antwortete der Prinz, wenn mir ihre Bedenklichkeiten ein wenig unzeitig vorkommen; nach dem Dienst, den sie mir so grossmütig geleistet haben, dächte ich – –
Man sehe doch, rief die Nymphe aus, was für einen Übermut diese Mannsleute haben! Man untersteht sich nicht ihnen die mindeste kleine Höflichkeit zu erzeigen, ohne dass sie ihre Glossen darüber machen; und ein blosses Werk der Grossmut und des Mitleidens ist in ihren Augen schon eine Aufmunterung, wodurch sie berechtiget zu sein glauben, sich Freiheiten mit uns heraus zu nehmen. Wie? weil ich gütig genug gewesen bin, ihnen das Leben zu retten, so glauben sie vielleicht – –
Sie sind sehr grausam, unterbrach sie der Prinz, dass sie dasjenige einem unbescheidenen Übermut beimessen, was eine notwendige Würkung der Zauberei ihrer Reizungen ist. Wenn sie mir das Leben wieder nehmen wollen, das sie mir gerettet haben (denn wer kann sie gesehen haben, und die Beraubung eines so entzückenden Anblicks ertragen?) so töten sie mich wenigstens auf eine grossmütige Art; machen sie ein Denkmal ihrer alles bezwingenden Schönheit aus mir, und lassen mich hier in ihrem Anschauen zum Marmorbilde erstarren.
Sie haben, wie ich höre, eine hübsche Belesenheit in den Poeten, versetzte die Nymphe; wo nahmen sie doch diese Anspielung? – War nicht einmal eine gewisse Medusa – Sie haben ihren Ovidius gelesen, das ist gewiss, und man muss gestehen, dass sie ihrem Schulmeister Ehre machen.
Grausame! rief Biribinker mit Ungeduld, was für ein Belieben finden sie, die Sprache meines Herzens, welches keinen Ausdruck für seine Empfindungen stark genug findet, mit den Figuren eines schülerhaften Witzes zu verwechseln? – Sie nehmen ihre Zeit sehr übel, wenn sie disputieren wollen, fiel ihm die Nymphe ein, sehen sie denn nicht, wie viel Vorteile ich in dem Element, worin ich bin, über sie habe? Aber ich bitte sie, gehen sie hinter diese MyrtenHecken, und erlauben sie mir, dass ich mich ankleide, wenn sie so gut sein wollen – Würde es aber nicht grossmütiger von ihnen sein, wenn sie mir erlaubten, dass ich sie ankleiden hülfe? – Glauben sie das? erwiderte die Nymphe; ich danke ihnen für ihre Dienstfertigkeit; aber ich möchte ihnen nicht gerne Mühe machen, und sie sehen auch, dass ich Leute genug habe, die diese Arbeit besser gewohnt sind als sie.
Mit diesen Worten blies sie in ein kleines Ammons-Horn, so ihr an einer Schnur der grössten und feinsten Perlen am Halse hing, und in einem Augenblick erfüllte sich der ganze Brunnen mit jungen Nymphen, die plätschernd aus dem wasser herauf fuhren, und einen Kreis um ihre Gebieterin machten. Biribinker konnte sich jetzt noch weniger entschliessen als zuvor auf die Seite zu gehen; aber die Nymphen erblickten ihm kaum, so spritzten sie ihm eine solche Menge Wassers ins Gesicht, dass er, aus Furcht ein anderer Actäon zu werden, so eilfertig davon lief, als ob er schon Hirschläufte hätte. Er fühlte sich alle Augenblicke an die Stirne, da er aber weder Geweih noch Sprossen merkte, so schlich er wieder zurück, um hinter den Myrten-Hecken der Ankleidung seiner schönen Nymphe zuzusehen. Allein er kam