es ist schon heller Tag, und ich kann mich nicht mehr aufhalten –
Wie? sagte die Fee, wird ihnen die Zeit so lange bei mir? bin ich nicht fähig, ihnen ein Milchmädchen nur für etliche Stunden aus dem Sinn zu bringen? Sie sollten mir wenigstens aus Eigennutz ein wenig den Hof machen; denn ich kann mehr zu ihrem Glücke beitragen als sie sich einbilden.
So sagen sie mir dann geschwind, was ich tun soll, erwiderte Biribinker. – –
Wie ungedultig sie sind, rief die Fee! Wissen sie also, dass der arme Grigri nicht eher wieder Grigri werden soll, bis der Prinz Biribinker – Nun! so raten sie doch – Aber das versichere ich ihnen, wenn es nicht um die Wiederherstellung eines alten guten Freundes zu tun wäre, ich könnte mich nimmermehr dazu verstehen, das Opfer der Rache zu werden, welche Padmanaba durch ihren – Beistand an dem armen Grigri nehmen will.
Er will doch nicht, dass ich ihnen das Leben nehmen soll, sagte der Prinz?
Nun, das muss ich gestehen, antwortete Cristalline, dass sie heute mit einem ausserordentlich harten Kopf aufgewacht sind; Glauben sie denn nicht, dass ein recht eingenommener Liebhaber seine Geliebte lieber sterben als in eines andern Armen sehen würde?
Ha, ha! Nun verstehe ich sie endlich, Madam, sagte Biribinker ganz kaltsinnig; wahrhaftig! ihre Schamhaftigkeit hätte nicht nötig gehabt sich so viel Bedenken zu machen, die Sache gerade heraus zu sagen. Aber erlauben sie mir ihrem Gedächtnis ein wenig nachzuhelfen, und sie zu erinnern, dass wenn es mir hieran läge, Grigri schon lange entummelt sein müsste. Es sind noch nicht drei Stunden – –
Ich glaube, sie haben Zerstreuungen, unterbrach ihn die Fee! –
Indessen müssen sie wissen, dass Padmanaba sehr streng über dem Recht der Wiedervergeltung hält, und dass Grigri nicht eher zu seiner ersten Gestalt gelangen kann, bis sie ihm alle die Beleidigungen wieder geben, welche der Zauberer von ihm empfangen zu haben glaubt.
O! Madame, rief der Prinz, indem er aus dem Ruhebette sprang, ich bin des Herrn Padmanaba gehorsamer Diener; aber wenn es nur auf diesen kleinen Umstand ankommt, so werden sie unter den zehen tausend Gnomen, die ihnen zu Diensten stehen, einen neuen Grigri suchen müssen, um ihren graubartigen Gecken an seinem wundertätigen Nebenbuhler zu rächen (denn daran wird ihnen vermutlich mehr gelegen sein, als dass ihr kleiner Zwerg seine vorige Schönheit wieder bekomme). Was mich betrifft, so denke ich, sie sollten zufrieden sein, dass ich ihnen die ihrige wieder gegeben. Ich sage das nicht, als ob ich mich durch die Gütigkeiten, die sie für mich gehabt haben, nicht überflüssig für einen Dienst belohnt halte, der mich so wenig gekostet hat; ich wollte sie nur erinnern, dass die Hauptsache doch immer in dem Umstande liegt, dass sie, an statt ein crystallener Nachttopf zu sein, wieder die Fee Cristalline sind, und dass die Gewalt, die ihnen der Zauberstab des alten Padmanaba gibt, sie gar leicht wegen des Verlusts eines einzigen sollte trösten können.
Ich hoffe doch nicht, versetzte Cristalline, dass sie meine sorge für den armen Grigri einer eigennützigen Absicht beimessen? Sie müssten in der Tat weder die Feinheit meiner Empfindungen, noch die Pflichten der Freundschaft kennen, wenn sie nicht begreifen könnten, dass man sich für einen Freund beeifern kann, ohne einen andern Bewegungs-Grund zu haben, als das Beste dieses Freunds, und ich müsste sie bedauren – –
O! Madame, erwiderte Biribinker, der sich indessen angekleidet hatte, ich bin von der quintessenz-mässigen Feinheit ihrer Empfindungen so überzeugt, als sie es nur verlangen können; aber sie sehen, wie bequem dieser Morgen ist, meine Reise fortzusetzen. Sein sie so gütig, sie, deren Herz einer so uneigennützigen Freundschaft fähig ist, und entdecken mir, auf welchem Weg ich meine geliebte Galactine wieder finden kann: So will ich gegen alle und jede behaupten, dass sie die grossmütigste, die uneigennützigste, und wenn sie wollen, auch die sprödeste unter allen Feen des Erdkreises sind.
Sie sollen befriediget werden, antwortete Cristalline; gehen sie, und suchen ihr Milchmädchen, weil es doch ihr Schicksal so haben will; ich hätte vielleicht Ursache mit ihrer Aufführung nicht allzu sehr zufrieden zu sein, aber ich sehe wohl, dass man es mit ihnen nicht so genau nehmen muss. Gehen sie, Prinz, sie werden im Hof ein Maultier antreffen, welches so lange mit ihnen davon trotten wird, bis sie ihre Galactine gefunden haben; und wofern ihnen wider Vermuten etwas unangenehmes zustossen sollte, so werden sie in dieser Erbsen-Schote ein unfehlbares Mittel dagegen finden.
Wie froh bin ich, unterbrach Don Eugenio die Erzählung seines Freundes, dass sie ihren Biribinker endlich aus diesem verwünschten schloss heraus führen! Ich gestehe ihnen, dass ich dieser Cristalline endlich überdrüssig worden bin. Was für eine abgeschmackte Creatur! Sagen sie nur, sie ist eine Fee, versetzte Don Gabriel, das ist alles gesagt. Sie wollen vermutlich, sagte Don Sylvio, mit grossem Ernst, hiemit nicht zu verstehen geben, als ob es keine hochachtungswürdige Feen gebe; denn es ist unleugbar, dass es solche gibt; indessen ist doch gewiss, dass vielleicht die meisten irgend etwas seltsames und ungereimtes an sich haben, wodurch sie sich von den Sterblichen unterscheiden wollen; wenn anders der Fehler nicht an uns liegt, dass wir sie