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wird, sagte sie, aus den reinsten Düften der unverwelklichen Blumen bereitet, die in den Gärten der Sylphen blühen. Und was sagen sie zu diesem Wein, fuhr sie fort, indem sie ihm eine volle Trinkschale darbot? Ich schwöre ihnen, rief der entzückte Prinz, dass die schöne Ariadne dem jungen Bacchus keinen bessern eingeschenkt hat. Er wird, versetzte sie, aus den Trauben gedruckt, die in den Gärten der Sylphen wachsen, und dem Gebrauch desselben haben diese schöne Geister die unsterbliche Jugend und Munterkeit zu danken, die in ihren Adern wallt.

Die Fee sagte nichts davon, dass dieser Nectar noch eine andere Eigenschaft hatte, die der Prinz gar bald zu erfahren anfing. Je mehr er davon trank, je reizender fand er seine schöne Gesellschafterin. Beim ersten Zug bemerkte er, dass sie sehr schöne blonde Haare hatte; beim andern wurde er von der Schönheit ihrer arme gerührt, beim dritten entdeckte er ein Grübchen in ihrem linken Backen, und beim vierten entzückte ihn die Weisse und Fülle eines gewissen Busens, der unter dem Nebel eines dünnen Flors seinen Augen nachstellte. Ein so reizender Gegenstand und eine Trinkschale, die sich immer wieder von sich selbst anfüllte, waren mehr als er nötig hatte, um seine Sinnen in ein süsses Vergessen aller Milchmädchen der ganzen Welt einzuwiegen. Was sollen wir sagen? Biribinker war zu höflich, eine so schöne Fee auf dem Sopha schlafen zu lassen, und die schöne Fee zu dankbar, als dass sie ihm in einem haus, wo vierzig tausend Geister herum spukten, ihre Gesellschaft hätte abschlagen können. Kurz, die Höflichkeit wurde auf der einen, und die Dankbarkeit auf der andern Seite so weit getrieben, als es möglich war, und Biribinker bewies sich der guten Neigung vollkommen würdig, welche Cristalline beim ersten Anblick von ihm gefasst hatte.

Die Fee erwachte, wie die geschichte sagt, zuerst, und konnte den Übelstand nicht ertragen, einen so ausserordentlichen Prinzen in so guter Gesellschaft schlafen zu sehen. Prinz Biribinker, sagte sie zu ihm, nachdem sie ihn, man weisst nicht wie erweckt hatte, ich habe ihnen keine gemeine Verbindlichkeiten. Sie haben mich von der unanständigsten Bezauberung, die jemals ein Frauenzimmer erlitten hat, befreit; sie haben mich an meinem Eifersüchtigen gerochen; nun ist nur noch eins übrig, und sie können sich auf die unbegrenzte Dankbarkeit der Fee Cristalline Rechnung machen.

Und was ist dann noch übrig, fragte der Prinz, indem er sich die Augen rieb?

So hören sie dann, antwortete die Fee. Dieser Palast gehörte, wie ich ihnen schon gesagt habe, einem Zauberer, dem seine Wissenschaft eine fast unumschränkte Macht über alle Elemente gab. Allein seine Macht über die Herzen war desto eingeschränkter. Zum Unglück war er, trotz seinem hohen Alter und einem schneeweissen Bart, der ihm bis an die Gürtel herab hing, eine der verliebtesten Seelen, die jemals gewesen sind. Er verliebte sich in mich, und ob er gleich die Gabe nicht hatte sich wieder lieben zu machen, so hatte er doch Macht genug um gefürchtet zu werden. Bewundern sie die Wunderlichkeit des Schicksals; ich versagte ihm mein Herz, welches zu gewinnen er sich alle nur ersinnliche Mühe gab, und überliess ihm meine person, die ihm zu nichts nütze war. Vor langer Weile wurde er endlich eifersüchtig, aber so eifersüchtig, dass es nicht auszustehen war. Er hatte die schönsten Sylphen zu seiner Bedienung, und doch ärgerte er sich über die unschuldigsten Freiheiten, die wir mit einander nahmen. Er brauchte einen nur in meinem Zimmer oder auf meinem Sopha anzutreffen, so war ich schon gewiss dass ich ihn nicht wieder zu sehen bekam. Ich verlangte von ihm, dass er sich auf meine Tugend verlassen sollte, aber auch diese schien dem Unglaubigen keine hinlängliche Bürgschaft gegen ein Schicksal, das er so wohl zu verdienen sich bewusst war. Kurz, er schaffte alle Sylphen ab, und nahm zu unsrer Bedienung lauter Gnomen an, kleine missgeschaffene Zwerge, bei deren blossen Anblick ich vor Ekel hätte ohnmächtig werden mögen. Allein wie die Gewohnheit endlich alles erträglich macht, so versöhnte sie mich nach und nach mit der Figur dieser Gnomen, und machte, dass ich zuletzt possierlich fand, was mir anfangs abscheulich vorgekommen war. Es war keiner unter allen, der nicht etwas übermässiges in seiner Bildung gehabt hätte. Der eine hatte einen Höcker wie ein Camel, der andere eine Nase, die ihm bis über den Mund herab hing, der dritte Ohren wie ein Faun, und ein Maul, das ihm den Kopf in zwo Halbkugeln spaltete, der vierte einen ungeheuren Wanst; kurz, eine Chinesische Einbildungskraft kann nichts abenteurlichers erfinden als die Gesichter und Figuren dieser Zwerge. Allein der alte Padmanaba hatte nicht bemerkt, dass sich unter seinen Aufwärtern einer befand, der in einem gewissen Sinn gefährlicher war als der schönste Sylphe von der Welt. Nicht, dass er weniger hässlich gewesen wäre, als die übrigen; aber durch ein seltsames Spiel der natur war bei ihm ein Verdienst, was bei andern zu nichts diente als die Augen zu beleidigen.

Ich weiss nicht, ob sie mich verstehen, Prinz Biribinker?

Nicht allzuwohl, versetzte der Prinz, aber erzählen sie nur weiter, vielleicht werden sie in der Folge deutlicher werden.

Es stunde nicht lange an, fuhr die schöne Cristalline fort, so hatte Grigri, (so hiess der Gnome) Ursache zu glauben, dass er mir weniger missfalle als seine Gesellen. Was wollen