wirklich erschrak. Sie lachte ihn so freundlich an, als ob sie einander schon längst gekannt hätten, und ehe er sich noch aus seiner Bestürzung erholen konnte, sagte sie zu ihm: Willkommen Prinz Biribinker! Lassen sie sichs nicht verdriessen einer jungen Fee einen Dienst getan zu haben, die ein barbarischer Eifersüchtiger über zwei Jahrhunderte lang zu einem Werkzeug der niedrigsten Bedürfnisse missbraucht hat. Reden sie aufrichtig, Prinz; finden sie nicht, dass mich die natur zu einem edlern Gebrauch bestimmt hat? Sie sagte dieses mit einem gewissen blick, dessen Directions-Linie den bescheidenen Biribinker in einige Verwirrung setzte. Er hatte, wie wir wissen, so viel Witz als man haben kann, aber wir müssen hinzu setzen, eben so viel Unbesonnenheit; er merkte, dass er der Fee etwas verbindliches sagen sollte; weil er aber gewohnt, alles was er sprach, mit einem gewissen Schwung zu sagen, so konnte all sein Witz diesmal nicht verhindern, dass er nicht etwas sehr dummes sagte. Es ist ein Glück für sie, schönste Nymphe, antwortete er ihr, dass ich die Absicht nicht haben konnte, ihnen den seltsamen Dienst zu leisten, den ich ihnen unwissender Weise geleistet habe; denn ich versichere sie, dass ich sonst allzuwohl gewusst hätte, was der Wohlstand – –
O! machen sie nicht so viel Complimente, erwiderte die Fee, in den Umständen, worin sich unsere Bekanntschaft anfängt, sind sie sehr überflüssig. Ich habe ihnen nichts geringers als mich selbst zu danken, und da wir nicht länger als diese Nacht beisammen bleiben werden, so müsste ich mir selbst Vorwürfe machen, wenn ich ihnen Anlass gäbe, die Zeit mit Complimenten zu verderben. Ich weiss, dass sie der Ruhebedürftig sind; sie sind schon ausgekleidet, legen sie sich immer zu Bette. Es ist zwar das einzige, das in diesen Gemächern ist, aber es steht ein Sopha in dem grossen Saal, auf dem ich die Nacht ganz bequem werde zubringen können.
Madame, versetzte der Prinz, ohne dass er selbst recht wusste, was er sagte, ich würde in diesem Augenblick – der glücklichste unter allen Sterblichen sein, wenn ich nicht – der unglücklichste wäre. Ich muss ihnen gestehen, ich finde was ich nicht gesucht habe, indem ich suchte, was ich verloren hatte, und wenn nicht der Schmerz, sie gefunden zu haben, die Freude meines Verlusts – Nein, die Freude, wollt ich sagen, sie gefunden zu haben – –
Je nun, wahrhaftig, fiel ihm die Fee ins Wort, ich glaube sie schwärmen! Was wollen sie mir mit allem dem Galimatias sagen? Kommen sie, Prinz Biribinker, gestehen sie mir in guter Prosa, dass sie in ein Milchmädchen verliebt sind. – –
Sie raten so glücklich, sagte der Prinz, dass ich ihnen gestehen muss – –
O! daraus haben sie gar kein Bedenken zu machen, fuhr die Fee fort; und in ein Milchmädchen, das sie diesen Morgen in einer schlechten Hütte angetroffen haben, in einem Stall, was man sagen möchte. –
"Aber, ich bitte sie, woher – wie können sie – –"
Und die auf einer Streu von Pomeranzen-Blüten im Begriff war eine himmelblaue Ziege in einen Kübel von Rubin zumelken – nicht wahr?
Wahrhaftig! rief der Prinz, für eine person, die vor einer Viertelstunde (nehmen sie mir es nicht ungnädig) noch – ich will nicht sagen was? war, wissen sie erstaunlich viel – –
"Und die davonlief, so bald sie den Namen Biribinker hörte – –"
Aber, ich bitte sie, Madame, woher können sie das alles wissen, da sie doch, wie sie sagen, schon zwei hundert Jahre in dem sonderbaren stand gewesen sind, worin ich die Ehre gehabt habe, sie so unverhofft kennen zu lernen.
Nicht so unverhofft auf meiner Seite als sie sich einbilden, antwortete die Fee; Aber heissen sie ihre Neugierigkeit noch einen Augenblick ruhen. Sie sind abgemattet, und haben den ganzen Tag nichts gegessen; kommen sie mit mir in den Saal, es ist schon für uns beide gedeckt, und ich hoffe, ihre Treue gegen ihr schönes Milchmädchen werde ihnen doch erlauben, mir wenigstens bei Tische Gesellschaft zu leisten. Biribinker merkte den geheimen Verveis sehr wohl, der in diesen Worten lag, er tat aber nicht dergleichen, und begnügte sich mit einem tiefen Reverenz ihr in den Speissaal zu folgen.
So bald sie hinein gekommen waren, ging die schöne Cristalline, (so hiess die Fee) zum Camin, und bemächtigte sich eines kleinen Stabs von Ebenholz, an dessen beiden Enden ein diamantner Talisman befestiget war. Nun habe ich nichts weiter zu besorgen, sagte sie, setzen sie sich, Prinz Biribinker; ich bin nun Meisterin von diesem Palast und von vierzig tausend elementarischen Geistern, die der grosse Zauberer, der ihn vor fünfhundert Jahren erbaute, zum Dienst desselben bestimmt hat.
Mit diesen Worten schlug sie dreimal an den Tisch, und in dreien Augenblicken sah Biribinker mit Erstaunen, dass er mit den niedlichsten speisen besetzt war, und dass die Flaschen auf dem Schenktisch sich von selbst mit Wein anfüllten.
Ich weiss, sagte die Fee zum Prinzen, dass sie nichts als Honig essen; versuchen sie einmal von diesem hier, und sagen sie mir, ob sie jemals dergleichen gekostet haben. Der Prinz ass davon und schwur, dass es nichts geringers als das Ambrosia der Götter sein könne. Er