ich sage ihnen, dass es nicht länger auszustehen ist. Wenn sie wollten, Prinz, so wäre es ihnen ein leichtes sich selbst und mir die Freiheit zu verschaffen. -Was ist denn zu tun, fragte der Prinz? – Ich bin nicht allzeit eine Hummel gewesen, antwortete der missvergnügte Liebling, und sie allein sind im stand mir meine erste Gestalt wieder zu geben. Setzen sie sich auf meinen rücken; es ist Abend, und die Königin ist in ihrer Celle in Geschäften begriffen, die ihr keine Freiheit lassen, sich um etwas anders zu bekümmern. Ich will mit ihnen davon fliegen; aber sie müssen mir versprechen, dass sie tun wollen, was ich von ihnen verlange. Der Prinz versprach es ihm, ersetzte sich ohne Bedenken auf, und die Hummel flog so schnell mit ihm davon, dass sie in sieben Minuten aus dem wald waren. nunmehr, sprach die Hummel, sind sie in Sicherheit. Die Macht des alten Zauberers Padmanaba, der mich in diese Umstände gebracht hat, erlaubt mir nicht weiter mit ihnen zu gehen; aber hören sie was ich ihnen sagen werde. Wenn sie auf diesem Wege linker Hand fortgehen, so werden sie endlich in eine grosse Ebene kommen, wo sie eine Herde himmelblauer Ziegen sehen werden, die um eine kleine Hütte herum weiden. Nehmen sie sich ja in acht, dass sie nicht in die Hütte hinein gehen, oder sie sind verloren. Halten sie sich immer linker Hand, und gehen sie fort, bis sie endlich zu einem verfallenen Palast kommen, dessen noch übrige Pracht ihnen beweisen wird, was er ehmals gewesen ist. Sie werden durch etliche Höfe an eine grosse Treppe von weissem Marmor kommen, welche sie in einen langen gang führen wird, wo sie zu beiden Seiten eine Menge prächtiger und hell erleuchteter Zimmer finden werden. Gehen sie ja in keines derselben hinein, sonst schliesst es sich augenblicklich von selbst wieder zu, und keine menschlische Gewalt kann sie wieder heraus bringen. Sie werden aber eines davon verschlossen finden, und dieses wird sich öffnen, so bald sie den Namen Biribinker aussprechen. In diesem Zimmer bringen sie die Nacht zu, das ist alles, was ich von ihnen verlange. glückliche Reise, gnädiger Herr, und wenn sie sich bei meinem Rat wohl befinden, so vergessen sie nicht, dass ein Dienst des andern wert ist.
Mit diesen Worten flog die Hummel davon, und liess den Prinzen in keiner mittelmässigen Erstaunung über alles, was sie ihm gesagt hatte. Voller Ungeduld nach den wundervollen begebenheiten, die ihm bevor stunden, ging er die ganze Nacht durch, denn es war Mondschein und mitten im Sommer. Des Morgens erblickte er die Wiese, die Hütte und die himmelblauen Ziegen. Er erinnerte sich des Verbots gar wohl, das die Hummel ihm so nachdrücklich eingeschärft hatte, allein er fühlte beim Anblick der Ziegen und der Hütte eine Art von Anziehung, der er nicht widerstehen konnte. Er ging also in die Hütte hinein, und fand niemand darin als ein junges Milchmädchen in einem schneeweissen Leibchen und Unterrock, die im Begriff war etliche Ziegen zu melken, die an einer diamantnen Krippe angebunden stunden. Der Melk-Kübel, den sie in ihrer schönen Hand hatte, war aus einem einzigen Rubin gemacht, und statt des Strohes war der Stall mit lauter Jasmin und Pomeranzen-Blüten bestreut. Alles dieses war freilich bewundernswürdig genug, allein der Prinz bemerkte es kaum, so sehr hatte ihn die Schönheit des jungen Mädchens geblendet. In der Tat Venus in dem Augenblick, da sie von den Zephyren ans Gestade von Paphos getragen wurde, oder die junge Hebe, wenn sie halb aufgeschürzt den Göttern Nectar einschenkte, waren weder schöner noch reizender als dieses Milchmädchen. Ihre Wangen beschämten die frischesten Rosen, und die Perlenschnuren, womit ihre arme und ihre kleinen netten Füsschen umwunden waren, schienen nur dazu zu dienen, die blendende Weisse derselben zu erhöhen. Nichts konnte zierlicher und reizender sein als ihre Gesichts-Züge und ihr Lächeln, über ihr ganzes Wesen war ein Ausdruck von Zärtlichkeit und Unschuld ausgebreitet, und ihre kleinsten Bewegungen hatten diesen namenlosen Reiz, dem die Herzen beim ersten Anblick entgegen fliegen. Diese bezaubernde person schien auf eine eben so angenehme Art über den Prinzen Biribinker betroffen, als er über sie; halb unschlüssig, ob sie bleiben oder fliehen wollte, blieb sie stehen, und betrachtete ihn mit einem verschämten Blicke, worinne Schüchternheit und Vergnügen sich zu vermischen schienen. Ja, ja, rief sie endlich aus, indem sich der Prinz zu ihren Füssen warf, er ist es, er ist es! – Wie? rief der entzückte Prinz, der aus diesen Worten schloss, dass sie ihn schon kenne, und dass er ihr nicht gleichgültig seie; ist der allzuglückliche Biribinker – Götter! schrie das Milchmädchen, indem sie ganz bestürzt zurück bebte, was für einen verhassten Namen höre ich! wie sehr haben meine Augen und mein voreiliges Herz mich betrogen! Fliehe, fliehe, unglückliche Galactine -Mit diesen Worten floh sie wirklich so schnell aus der Hütte als ob sie der Wind davon führte. Der bestürzte Prinz, der den Abscheu nicht begreifen konnte, den sie vor seinem Namen hatte, lief ihr nach so schnell als er konnte; allein das Milchmädchen flog, dass ihre Fusssohlen kaum die Spitzen des Grases berührten. Umsonst beflügelten die Schönheiten, die ihr flatterndes Gewand in jedem Augenblick entdeckte, die Begierden und die Füsse des nacheilenden Prinzen; er