– Biribinker! was für ein verfluchter Name das ist! Hat man auch jemals gehört, dass ein Prinz Biribinker geheissen hätte? Ich möchte doch wohl wissen, was für eine geheime Kraft in diesem närrischen Namen stecken soll? Und wenn ich die Wahrheit sagen soll, das Verbot, ihm vor seinem achtzehnten Jahre kein Milchmädchen sehen zu lassen, deucht mich nicht viel gescheiter. Warum dann gerade kein Milchmädchen? Und seit wenn sind die Milchmädchen gefährlicher als andere Mädchen? Wenn er noch gesagt hätte, keine Tänzerin oder kein Kammerfräulein von der Königin, das wollt ich noch gelten lassen; denn, unter uns, ich wollte nicht gut dafür sein, dass ich nicht selbst gelegenheitlich eine kleine Anfechtung von dieser Art bekommen könnte. Indessen, weil es der grosse Caramussal nun einmal so haben will, so mag der Prinz immerhin Biribinker heissen; er wird wenigstens der erste dieses Namens sein, und das gibt einem doch immer ein gewisses Ansehen in der Historie; und was die Milchmädchen anbetrifft, so will ich schon Anstalt machen, dass auf fünfzig Meilen um meine Residenz weder Kuh noch Ziege, Melk-Kübel noch Milchmädchen zu finden sein soll.
Der König, dessen geringste sorge war die Folgen seiner Entschliessungen vorher zu überlegen, war wirklich im Begriff ein Edict deshalb ergehen zu lassen, als ihm sein Parlament durch eine zahlreiche Deputation vorstellen liess, dass es sehr hart, um nicht gar tyrannisch zu sagen, heraus kommen würde, wenn Sr. Majestät getreue Untertanen gezwungen werden sollten, den Caffee künftig ohne Milchrahm zu trinken; und weil die vorläufige Nachricht von diesem Edict wirklich schon ein grosses Murren unter dem Volk erregte: so mussten sich Seine Majestät endlich entschliessen, nach dem Beispiele so vieler andern Könige in den Feen-Geschichten, dero Cron-Prinzen unter der Aufsicht seiner Amme, der Biene, von sich zu entfernen, und es ihrer Klugheit zu überlassen, wie sie ihn vor den Nachstellungen der Fee Caprosine und vor den Milchmädchen sicher stellen wollte.
Die Biene brachte also den kleinen Prinzen in einen grossen Wald, der wenigstens zwei hundert Meilen im Umfang hatte, und so unbewohnt war, dass man in seinem ganzen Bezirk nur nicht einen Maulwurf gefunden hätte. Sie baute durch ihre Kunst einen unermesslichen Bienenkorb von rotem Marmor, und legte um denselben einen Park von Pomeranzen-Bäumen an, der sich über fünf und zwanzig Meilen in die Länge und Breite erstreckte. Ein Schwarm von hundert tausend Bienen, deren Königin sie war, beschäftigte sich für den Prinzen und das Serail der Königin Honig zu machen, und damit man seinetwegen vollkommen sicher sein könnte, so wurden rings um den Wald alle fünf hundert Schritte Wespen-Nester angelegt, welche Befehl hatten, die Grenzen aufs schärfste zu bewachen.
Indessen wuchs der Prinz heran, und übertraf durch seine Schönheit und wunderbare Eigenschaften alles, was jemals gesehen worden ist. Er spuckte lauter Syrup, er pisste lauter Pomeranzen-Blüt-wasser, und seine Windeln entielten so köstliche Sachen, dass sie von Zeit zu Zeit der Königin zugeschickt werden mussten, damit sie an Gala-Tägen ihren Nach-Tisch daraus verbessern konnte. So bald er zu reden anfing, lallte er Concetti und Epigrammata, und sein Witz wurde nach und nach so stachlicht, dass ihm keine Biene mehr gewachsen war, ob gleich die dummste im ganzen Korbe zum wenigsten so viel Witz hatte als einer von den vierzigen der Academie Francoise.
Allein so bald er das siebenzehnte Jahr erreicht hatte, regte sich ein gewisser Instinct bei ihm, der ihm sagte, dass er nicht dazu gemacht seie, sein Leben in einem Bienenkorbe zuzubringen. Die Fee Melisotte, (so nannte sich seine Amme) wandte zwar alles an, ihn aufzumuntern und zu zerstreuen; sie verschrieb ihm eine Anzahl sehr geschickter Katzen, die ihm alle Abend ein Französisches Concert oder eine Opera von Lulli vormauen mussten; er hatte ein Hündchen, das auf dem Seil tanzte, und ein dutzend Papagaien und Elstern, die sonst nichts zu tun hatten, als ihm Märchen zu erzählen, und ihn mit ihren Einfällen zu unterhalten; allein das wollte alles nichts helfen; Biribinker sann Tag und Nacht auf nichts anders, als wie er aus seiner Gefangenschaft entwischen möchte. Die grösste Schwierigkeit, die er dabei sah, waren die verwünschten Wespen, die den Wald bewachten, und in der Tat kleine Tierchen waren, die einen Herkules hätten erschrecken können, denn sie waren so gross wie junge Elephanten, und ihr Stachel hatte die Figur und bei nahe auch die Grösse der Morgensterne, deren sich die alten Schweizer mit so gutem Erfolg zu Behauptung ihrer Freiheit zu bedienen pflegten. Da er sich nun einsmals voller Verzweiflung über seine Gefangenschaft unter einen Baum geworfen hatte, näherte sich ihm eine Hummel, die wie alle übrigen männlichen Bewohner des Bienenstocks die Grösse eines halb gewachsenen Bären hatte.
Prinz Biribinker, sagte die Hummel, wenn sie Langeweile haben, so versichere ich sie, dass es mir noch schlimmer geht: Die Fee Melisotte, unsre Königin, hat mir seit etlichen Wochen die Ehre angetan, mich zu ihrem Liebling zu erkiesen; aber ich gestehe ihnen, dass ich der Last meines Amtes nicht gewachsen bin. Sie hat, unter uns geredet, über fünftausend Hummeln in ihrem Serail, die gewiss nicht müssig sind; ich wollte mich nicht beschweren, wenn sie mich den übrigen gleich hielte; aber, Sapperment! der Vorzug, den sie mir gibt, fangt mir an beschwerlich zu fallen;