irgend eine andere; aber es laurt, wie das Sprüchwort sagt, eine Schlange unter den Blumen. Sie wird ihn mit einem Stachel begaben, der ihm unendlich viel Unglück zuziehen wird. Ich bin nur eine schlechte Ziege; aber ich schwöre eurer Majestät bei meinem Bart, meine Milch wird ihm weit besser zuschlagen als ihr Honig; und wenn er schon weder Nectar noch Ambrosia machen wird, so versprech ich ihnen hingegen, dass er der tapferste, der weiseste und der glücklichste unter allen Prinzen sein soll, die jemals Ziegenmilch getrunken haben.
Jedermann verwunderte sich, da man die Ziege und die dicke Biene so reden hörte. Allein die Königin merkte gleich, dass es zwo Feen sein müssten, und dieses machte sie eine ziemliche Weile unschlüssig, was sie tun sollte. Endlich erklärte sie sich für die Biene; denn weil sie ein wenig geizig war, so dachte sie: Wenn die Biene ihr Wort hält, so wird der Prinz allentalben so viel Süssigkeiten von sich geben, dass man das Confect für die Tafel wird ersparen können. Die Ziege schien es sehr übel zu nehmen, dass sie abgewiesen wurde: sie meckerte dreimal etwas unverständliches in ihren Bart hinein, und siehe! da erschien ein prächtig lackierter und vergoldeter Wagen von acht Phönixen gezogen; die schwarze Ziege verschwand in dem nämlichen Augenblick, und an ihrer statt sah man ein kleines altes Weibchen in dem Wagen sitzen, die mit vielen Drohungen gegen die Königin und den jungen Prinzen, durch die Luft davon fuhr. Der Leib-Medicus war über eine so seltsame Wahl nicht weniger missvergnügt, und wollte der Brunette mit dem schönen Busen den Antrag machen, ob sie nicht Lust hätte, die Stelle einer Hausmeisterin bei ihm einzunehmen; allein zum Unglück kam er schon zu spät, und musste sichs gefallen lassen mit einer von den übrigen neunzehn tausend, neun hundert und sechs und siebenzig vorlieb zu nehmen; denn die vier und zwanzig waren alle schon bestellt.
Inzwischen machten die Drohungen der schwarzen Ziege dem Könige so bang, dass er noch an dem nämlichen Abend seinen staates-Rat versammlete, um sich zu beraten, was bei so gefährlichen Umständen zu tun sein möchte; denn weil er gewohnt war, sich alle Nacht mit Märchen einschläfern zu lassen, so wusste er wohl, dass die Feen nicht für die Langeweile zu drohen pflegen. Nachdem nun die weisen Männer alle bei einander waren, und ein jeder seine Meinung gesagt hatte, so befand sichs, dass sechs und dreissig Räte in grossen viereckichten Perücken, nicht weniger als sechs und dreissig Vorschläge getan hatten, wovon an jedem wenigstens sechs und dreissig Schwierigkeiten ausgesetzt wurden; man stritt in mehr als sechs und dreissig Sessionen mit vieler Lebhaftigkeit, und der Prinz würde vermutlich mannbar geworden sein, ehe man eines Schlusses hätte einig werden können, wenn nicht der Favorit-Hof-Narre seiner Majestät den Einfall gehabt hätte, dass man eine Gesandtschaft an den grossen Zauberer Caramussal schicken sollte, der auf der Spitze des berges Atlas wohnte, und von allen Orten her wie ein Orakel um Rat gefragt wurde. Weil nun der Hofnarr das Herz des Königs hatte, und in der Tat für den feinsten Kopf des ganzen Hofes gehalten wurde, so fiel ihm jedermann bei, und in wenig Tagen wurde eine Gesandtschaft abgeschickt, welche, die Taggelder zu ersparen, mit so grosser Geschwindigkeit reiseten, dass sie in drei Monaten auf der Spitze des berges Atlas anlangten, ob er gleich bei nahe zwei hundert Meilen von der Hauptstadt entfernt war.
Sie wurden so gleich vor den grossen Caramussal gelassen, der in einem prächtigen Saal auf einem Trone von Ebenholz sitzend, den ganzen Tag genug zu tun hatte, auf alle die wunderlichen fragen Antwort zu geben, die aus allen Teilen der Welt an ihn gebracht wurden. Der erste Abgesandte nachdem er sich den Bart gestrichen und dreimal geräuspert hatte, öffnete eben einen ziemlich grossen Mund um eine schöne Anrede herzusagen, die ihm sein Secretair aufgesetzt hatte, als ihn Caramussal unterbrach; Herr Abgesandter, sagte er, ich schenke ihnen ihre Rede, ob ich es ihnen gleich an ihrer Physionomie ansehe, dass sie sehr hübsch gelautet haben würde; ich habe selbst den ganzen Tag so viel zu reden, dass mir keine Zeit zum hören übrig bleibt; und zu dem, so weiss ich schon voraus, was sie bei mir anzubringen haben. Sagen sie dem König, ihrem Herrn, er habe sich an der Fee Caprosine eine mächtige Feindin gemacht; indessen sei es doch nicht unmöglich, die Zufälle, so sie dem Prinzen angedroht habe, auszuweichen, wenn man die gehörige Vorsicht gebrauche, dass er vor seinem achtzehnten Jahre kein Milchmädchen zu sehen bekomme. Weil es aber, aller Vorsicht ungeachtet, eine sehr schwere, wo nicht unmögliche Sache ist, seinem Schicksal zu entgehen, so seie mein Rat, dass man, um auf alle Fälle gefasst zu sein, dem Prinzen den Namen Biribinker gebe, dessen geheime Kräfte allein mächtig genug sind, ihn aus allen den Abenteuern, die ihm zustossen könnten, glücklich heraus zu führen. Mit diesem Bescheid entliess Caramussal die Gesandtschaft, welche nach Verfluss abermaliger drei Monate, unter allgemeinem Zujauchzen des volkes wieder in der Hauptstadt ihres Landes anlangte.
Der König fand die Antwort des grossen Caramussal so ungereimt, dass er grosse Lust hatte, darüber böse zu werden. Bei meinem Bauch, rief er, (denn das war sein grosser Schwur) ich glaube, der grosse Caramussal hat seinen Spass mit uns