Wesen, die in den Märchen so viel zu tun haben, jemals ausser den Märchen existiert haben? Ist es möglich, rief Don Sylvio, dass sie hieran zweifeln können? Sehen sie denn nicht, dass man allen historischen Glauben aufgeben müsse – –
Erhitzen sie sich nicht, mein lieber Don Sylvio, fiel ihm Don Gabriel lächelnd ins Wort, sie sehen ja, dass Hyacinte nur gescherzt hat, und wenn es auch ihr Ernst gewesen wäre, so wollen wir sie bald auf andere Gedanken bringen. Sie kennt vielleicht nur das Märchen vom blauen Bart, oder vom roten Mützchen und von der guten kleinen Maus; sie würde ganz anders reden wenn sie, zum Exempel, die geschichte des Prinzen Biribinker hören würde, die eine unzweifelhafte Glaubwürdigkeit vor sich hat, da sie aus dem sechsten buch der unglaublichen Geschichten des berühmten Paläphatus genommen ist. Ich gestehe ihnen, sagte Don Sylvio, dass mir dieser Prinz, dessen sie erwähnen, gänzlich unbekannt ist, und dass ich sehr begierig wäre- – Sie würden es noch viel mehr sein, unterbrach ihn Don Gabriel, wenn sie sich zum voraus vorstellen könnten, wie ausserordentlich und interessant seine begebenheiten sind. Ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich sie versichere, dass sie alles übertreffen, was man jemals in den Geschichten der Feen gesehen hat. – Sie machen mich selbst begierig, sagte Don Eugenio; die unglaublichen Geschichten eines Schriftstellers, der dem Homer den Vorzug des Altertums streitig macht, sind unstreitig eine Gewähr, die niemand sich einfallen lassen wird für unsicher zu halten, und wenn schon das sechste Buch davon, für die Welt längst verloren gegangen ist, so folgt doch nicht daraus, dass Don Gabriel, dessen Stärke in der geheimen Philosophie uns bekannt ist, nicht mehr davon wissen könne, als andere. Ich bin ihrer Meinung, sagte Donna Felicia; ich wollte wetten, wenn dieses sechste Buch auch nie geschrieben worden wäre, so würde die tiefe Wissenschaft des Don Gabriel mehr als zulänglich sein, uns die geschichte des Prinzen Biribinker von Wort zu Wort eben so zu erzählen, wie er sie in diesem sechsten Buch gefunden hätte, wenn es geschrieben worden wäre. Es beliebt ihnen zu scherzen, Donna Felicia, sagte Don Gabriel ganz ernstaft; ich gestehe, dass die geschichte des Prinzen Biribinker bisher noch unbekannt gewesen ist, aber das benimmt ihrer Wahrheit nichts, und Don Sylvio soll, mit Eu. Gnaden Erlaubnis, Richter darüber sein, ob etwas darin ist, das die Glaubwürdigkeit des Geschichtschreibers verdächtig machen könnte. Wir wollen sehen, erwiderte Donna Felicia, denn ich hoffe doch, sie werden uns übrigen erlauben, Zuhörer abzugeben, wenn wir uns gleich nicht anmassen dürfen, Richter zu sein. Weil sich nun jedermann begierig zeigte, eine geschichte zu wissen, von welcher der blosse Name Biribinker sehr viel merkwürdiges zu versprechen schien, so wurde abgeredet, dass man sich Abends nach der Sieste in dem Myrten-Wäldchen versammeln wollte, um sie anzuhören; und weil die Sonne anfing beschwerlich zu werden, so begab sich die Gesellschaft durch einen bedeckten grünen gang in das Wohnhaus zurück.
Unser Held hatte während dass Hyacinte ihre geschichte erzählte, einen Einfall bekommen, den er dem Don Eugenio entdeckte, so bald sie sich allein sahen. Was würden sie dazu sagen, Don Eugenio, fing er an, wenn Hyacinte meine Schwester wäre? Ihre Schwester, versetzte Don Eugenio, haben sie denn eine Schwester verloren? Ich hatte eine, antwortete Don Sylvio, die sich in ihrem dritten Jahr verlor, ohne dass man erfahren konnte, was aus ihr geworden sei. Himmel! rief Don Eugenio, wie glücklich wäre ich, wenn ihre Mutmassung sich wahr befände! Und in der Tat nun wundert michs erst, wie gewisse Gesichts-Züge die Hyacinte mit ihnen gemein hat, mich nicht selbst auf diesen Gedanken gebracht haben. Aber erinnern sie sich keiner Umstände – wissen sie keine Merkmale, die unsere Vermutung zu einer Gewissheit leiten könnten? Wenn der Instinct nicht betrüglich wäre, antwortete Don Sylvio, so würde ich geneigt sein, die Anmutung, die ich beim ersten Anblick für sie empfand, für die stimme des Blutes zu halten – Aber ich besorge, Don Eugenio, dass ich mir mit einer unzeitigen Hoffnung geschmeichelt habe. Und warum, fragte Don Eugenio ungedultig? Ich finde einen Umstand in Hyacintens geschichte, antwortete jener, der mich in Verlegenheit setzt. – Ich bitte sie, erklären sie sich, rief Don Eugenio, ich bin auf der Folter, so lange sie mich im Zweifel schweben lassen. Hyacinte ist von einer Zigeunerin erzogen, und wie sie vermutet, ihren würklichen Eltern entwendet worden, fuhr Don Sylvio fort; die zeiten und das Alter kommen überein; meine Schwester hatte ungefähr drei Jahre, wie sie unsichtbar wurde, und sie würde jetzt Hyacintens Alter haben; die Verschiedenheit der Namen, (denn meine Schwester hiess Seraphine,) tut nichts zur Sache, man konnte ihren Namen ändern; aber der Umstand mit der Zigeunerin verderbt alles. Man vermutete zwar in meinem haus, dass meine Schwester von einer Zigeunerin gestohlen worden sei, aber ohne genugsamen Grund; und ich habe eine Menge der wichtigsten Ursachen, die mich überzeugen, dass es eine Fee gewesen ist. – –
Hier war Don Eugenio im Begriff die Geduld zu verlieren, und er hatte alle nur ersinnliche Mühe seine erste Bewegungen zurück zu halten. Wenn sie keine andere Bedenklichkeit haben, sagte er endlich,