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, wenn sie das Ende davon zu sehen wünschen. Es ist in der Tat für ehrliche Leute, die bei kaltem Blut sind, kein langweiligeres geschöpf in der Welt als ein Liebhaber, der die geschichte seines Herzens erzählt. Wir wollen uns also begnügen, ihnen zu sagen, dass Hyacinte das Wort wieder nahm, und ihre eigene begebenheiten von dem Tod ihrer Freundin an, bis zu dem Augenblick fortsetzte, da Don Eugenio und Don Gabriel, von unserm Helden unterstützt, sie den räuberischen Händen des Don Fernand von Zamora entrissen. Sie ergänzte, was ihr selbst bisher in diesen begebenheiten unbegreiflich gewesen war, aus dem Geständnis, welches die getreue Teresilla sich genötigt gesehen hatte, ihrer Gebieterin von ihrem geheimen Briefwechsel mit Don Fernand und von allen den kleinen Verrätereien zu machen, die sie seit geraumer Zeit gespielt hatte. Denn unglücklicher Weise für diese würdige kammer-Jungfer hatte sich ein Briefchen des Don Fernand, so sie an statt es zu verbrennen, in ihrem Unterröckchen wohl verwahrt zu haben glaubte, man weisst nicht wie? in Pedrillo kammer aus ihrem Sack verloren, und, wie sich alles zusammen schicken muss, wenn eine Schelmerei zur Entdeckung reif ist, so war es dem Don Eugenio in die hände gefallen, da er an dem nämlichen Morgen, als unser Held das Wirtshaus so plötzlich verlassen hatte, von ungefähr in diese kammer trat.

Sie erzählte also, wie Don Fernand von Zamora, an statt seine Absichten, wie er Mine gemacht hatte aufzugeben, Mittel gefunden ihre Aufwärterin auf seine Seite zu bringen; was für Entwürfe er mit Teresillen gemacht, um auf ihrer Reise nach Valencia, wozu sie gleich nach Arseniens tod Anstalt gemacht, sich ihrer person zu bemächtigen; auf was Art er dieses Vorhaben ins Werk gerichtet, wie sehr er sich bemüht sie zu besänftigen, und durch eine ehrerbietige Zurückhaltung ihr eine bessere Meinung von seinen Absichten beizubringen, und wie endlich der glückliche Umstand, dass Don Eugenio an statt zu Valencia zu sein, wie sie selbst geglaubt hatte, zu Lirias gewesen, und durch einen noch glücklichern Zufall auf einem Spazierritt zwischen Julilla und Lirias auf sie gestossen, ihre Befreiung veranlasst habe.

Die schöne Hyacinte vergass bei dieser gelegenheit nicht unserm Helden von neuem für die Grossmut zu danken, womit er sich für sie und Don Eugenio gewaget hatte, und Don Sylvio erwiderte diese Höflichkeit im Ton der Galanterie, der Ritter vom Graal und von der runden Tafel. Er bezeugte sich ihr sehr verbunden, dass sie ihm erlaubt hatte einen Zuhörer ihrer geschichte abzugeben, und versicherte sie, dass man sie nur zu sehen und zu hören brauche, um überzeugt zu sein, dass ihre Abkunft, ungeachtet des geheimnisvollen Dunkels, womit sie noch bedeckt sei, eben so erhaben und glänzend sein müsse, als ihre persönliche Verdienste. Indessen konnte er doch nicht umhin, seine Verwunderung darüber zu bezeugen, dass in einer geschichte, die ihm ausserordentlich genug schien, die Feen nicht das geringste zu tun gehabt haben sollten, und er fragte sie ganz ernstaft; woher es komme, dass sie über diesen Punct ein so genaues Stillschweigen beobachtet habe, da es doch ganz und gar nicht begreiflich sei, dass die Feen und Zauberer an den begebenheiten einer so vollkommenen jungen Dame keinen Anteil gehabt haben sollten? Die ernstafte Mine, womit er diese Frage tat, machte, dass die beiden Damen, ungeachtet ihres Vorsatzes alle mögliche achtung für seine Schwärmerei zu zeigen, sich des Lachens nicht entalten konnten. Wollten sie dann, sagte Hyacinte, dass ich ein Feen-Märchen aus meiner geschichte gemacht haben sollte, warum liessen sie mir nichts davon merken? Wenn ich geglaubt hätte, sie ihnen dadurch angenehm zu machen, so wäre es mir ein leichtes gewesen, die alte Zigeunerin in eine Carabosse, die gute Dame zu Calatrava in eine Lüminöse, und Don Fernand von Zamora, wo nicht zu einem schelmischen Zwerg, doch wenigstens zu einem Sylphen oder Salamander zu machen.

Vergeben sie mir, sagte Donna Felicia, aber meines Erachtens würde ihre Erzählung sehr dabei gewonnen haben. Denken sie einmal, wie frostig es klingen würde, wenn ein Dichter sich begnügen wollte zu sagen: Daphnis oder Coridon setzte sich in den Schatten, und schöpfte frische Luft; oder, er löschte seinen Durst aus einer Quelle; aber so bald er sagt: Freiwillige Blumen drangen auf Flora's Befehl hervor, den schönen Seladon zum weichen Polster zu dienen, gaukelnde Zephirs fächelten ihm mit ihren Rosenflügeln, Kühlung und ambrosische Geruche zu, und eine Nymphe, reizend wie die junge Hebe, bot ihm freundlichlächelnd crystallenes wasser in einer Perlenmuschel dar dann glauben wir erst, dass der Poet sein Amt getan, und die natur geschildert habe, wie er soll. Vermutlich, sagte Don Gabriel, welcher merkte, dass unser Held ein wenig betroffen war, und nicht wusste, wie er die Scherze der beiden Damen aufnehmen sollte, ist die Absicht der schönen Hyacinte gewesen, uns nur dasjenige, was man einen summarischen Begriff nennen möchte, von ihren Abenteuern zu gehen. Die Feen können dem ungeachtet, wie ich nicht zweifeln will, die geheimen Treibfedern aller ihrer wundervollen Zufälle gewesen sein, und wenn ich bedenkeVergeben sie mir, Don Gabriel, fiel ihm Hyacinte ein, ich schwöre ihnen im ganzen Ernst, dass die Feen, so viel mir bekannt ist, nicht die geringste Mühe mit mir gehabt haben. Sie werden mich doch nicht bereden wollen, hoffe ich, dass alle diese schimärischen