, und gleich unfähig sind Liebe zu empfinden und einzuflössen; aber wenn sie einen Mann findet, der mit den Eigenschaften eines edlen Gemüts, mit tugendhaften Gesinnungen und einer ehrerbietigen Zärtlichkeit sich ihre Hochachtung erwirbt, der seine Begierden unter uneigennützigen Empfindungen zu verbergen, und die Liebe unter dem Namen und in Gestalt der Freundschaft heimlich in ihr Herz einzuführen weiss, der Geduld genug hat, den Zeitpunct abzuwarten, da sie durch das Vertrauen, das sie ihm schuldig zu sein glaubt, durch die Unschuld ihrer eigenen Empfindungen, durch den zauberischen Reiz der Sympatie und gewisser geheimer Triebe, die sie in der unerfahrnen Einfalt ihres Herzens mit den zärtlichen Regungen desselben vermengt, entwaffnet, unbesorgt und ganz in Liebe aufgelöst, als ein williges Opfer seinen Begierden überliefert wird – –
Ach! Don Eugenio! – wie sehr besorge ich, dass sie diesen Mann schon gesehen hat! – Vergeben sie mir, mein edler Freund; die Umstände, worin ich bin, berechtigen mich freimütig zu sein; eine person, die in kurzem von den Menschen nichts mehr zu fürchten noch zu hoffen hat, sieht durch alle die Blendwerke durch, die unsere Urteile zu betören, zu verfälschen, oder zurück zu halten pflegen, so lange wir noch selbst in die menschliche Angelegenheiten verwickelt sind. Sie werden nicht daran zweifeln, dass ich schon lange weiss, dass sie Hyacinten lieben, und sie müssen es so gut wissen als ich, dass sie ihre Absichten auf das zärtlichste und beste aller Herzen nur gar zu gut erreicht haben. Ich schätze sie hoch, Don Eugenio, und noch vor wenig Tagen würde ich es für beleidigend angesehen haben, ihnen das geringste Misstrauen sehen zulassen; aber was wollen sie, dass ich jetzt, da Hyacintens Sicherheit meine einzige sorge ist, von ihrer Neigung denken soll? – Hier fuhr die redliche Arsenia fort mir ihre Besorgnisse zu entdekken, und endigte ihre Rede endlich damit, dass sie mich mit vielen Tränen beschwur, der Unschuld ihrer jungen Freundin zu schonen. Sie sah mich so lebhaft gerührt, dass sie unmöglich in die Wahrheit der Erklärungen, die ich ihr hierauf gab, einen Zweifel setzen konnte. Ich entdeckte ihr umständlich, was von dem ersten Augenblick an, da ich Hyacinten gesehen hatte, in meinem Herzen vorgegangen war, wie sehr jederzeit das Verlangen sie glücklich zu sehen, die Begierde mich selbst durch sie glücklich zu machen überwogen habe, und wie fest ich nunmehr entschlossen sei, alle andere Betrachtungen, so wichtig sie immer an sich selbst sein möchten, unserer gemeinschaftlichen Glückseligkeit aufzuopfern. Ich bat sie, Hyacinte hierüber vorzubereiten, und alsdann zu gestatten, dass ich in ihrer Gegenwart mich gegen sie erklären dürfte. Beides geschah, und die liebenswürdige Hyacinte machte sich kein Bedenken, mich sehen zu lassen, wie gerührt sie davon war. Diese Zeichen des vollkommenen Vertrauens, das ich in ihre Rechtschaffenheit setze, sagte sie, indem sie mich mit tränenden Augen ansah, diese Tränen, die ich mich nicht bemühe vor ihnen zu verbergen, bin ich ihren allzugrossmütigen Gesinnungen schuldig: Aber das ist alles, was die unglückliche Hyacinte tun kann, ihnen ihre Dankbarkeit zu zeigen. – Sie entdeckte mir hierauf mit einer Offenherzigkeit, die sie noch tausendmal liebenswürdiger in meinen Augen machte, die ganze geschichte ihres Lebens.
Urteilen sie jetzt selbst, Don Eugenio, fuhr sie fort, wie sie damit zu Ende war, ob ich nicht die unwürdigste Creatur wäre, wenn ich das Übermass ihrer Gütigkeit für mich missbrauchen wollte, so lang ich nicht eine völlige Gewissheit dessen habe, was vermutlich eine blosse Eingebung meiner Eitelkeit ist, wenn ich mir schmeichle, dass ich vielleicht weniger Ursache habe über meinen Ursprung zu erröten, als die Zigeunerin, die mich erzogen hat, mich bereden wollte. Arsenia vereinigte sich vergebens mit mir, sie zu überzeugen, dass ihre Bedenklichkeit zu weit getrieben sei; sie blieb unbeweglich bei ihrem Entschlusse, wenn sie Arsenien verlieren sollte, sich in ein Kloster zu begeben; und alles, was ich endlich von ihr erhalten konnte, war, dass sie mir die Wahl des Orts überliess, und feierlich versprach, sich ohne meine Einstimmung durch kein Gelübde binden zu wollen. Ich schrieb so gleich an einen Freund zu Sevilla, um Nachrichten von der alten Zigeunerin einzuziehen; erfuhr aber, dass die Aufmerksamkeit, die der Corregidor auf ihr Haus zu wenden angefangen, sie vor kurzem genötiget habe sich durch eine schleunige Flucht in Sicherheit zu bringen. So verdriesslich mir dieser Umstand war, so gab ich doch die Hoffnung nicht auf, durch die Massregeln, die ich deswegen nahm, die Alte noch endlich aufzutreiben, die ich alsdann unfehlbar zum Geständnis, wie sie zu Hyacinten gekommen sei, zu bringen hoffte; und im Fall sie mir entgehen würde, so schmeichelte ich mir doch, Hyacintens Entschluss endlich durch meine Beständigkeit zu erweichen. Inzwischen nötigten mich die Angelegenheiten meiner Schwester, die meine Gegenwart zu Valencia schlechterdings erforderten, von Grenada abzureisen, und meine Geliebte bei einer würdigen Freundin zurück zu lassen, von der sie sich durch nichts als den Tod trennen lassen wollte, und deren täglich abnehmendes Leben mir wenig Hoffnung überliess, sie jemals wieder zu sehen.
Vierzehntes Capitel
Beschluss der geschichte der Hyacinte
Eine Vermutung des Don Sylvio
Vorbereitungen zu einem Intermezzo, wobei wenige
Leute lange Weile haben werden
So interessant vermutlich die Liebesgeschichte des Don Eugenio und der schönen Hyacinte ihnen selbst und vielleicht auch ihren unmittelbaren Zuhörern gewesen sein mag, so wenig können wir unsern Lesern übel nehmen