übersetzen für überflüssig erachtet habe. Alles was er uns davon meldet, ist – dass, nachdem Schach-Gebal sich, aus vielen Gründen, sehr ernstlich gegen dergleichen fürstliche Wanderungen erklärt, und bei dieser gelegenheit seiner Galle durch ziemlich bittre Spöttereien über gewisse Könige seiner Zeit Luft gemacht, welche ihre Blödigkeit und ihre schlechte Erziehung mit ungeheuern Kosten in den vornehmsten Reichen Asiens zur Schau getragen – Danischmend, als ob er plötzlich aus einem Traum erwache, an den Sultan seinen Herrn sich gewendet, und gesagt habe: "Aber was würden Ihre Hoheit von einem grossen Fürsten sagen, der den Mut hätte, den Ergetzungen seines Hofes, den Reizungen der Jugend und der Allgewalt, und dem wollüstigen Müssiggange, worin junge Fürsten die schönste Zeit des Lebens zu verlieren pflegen, sich zu entreissen, und, in Gestalt eines Privatmannes, weitläufige und beschwerdenvolle Reisen zu unternehmen – um weiser und besser zu werden; um die Menschen, die ein Fürst gewöhnlicher Weise nie anders als in Masken sieht, in ihrer natürlichen Gestalt kennen zu lernen; – und um selbst des Vergnügens, ein Mensch zu sein, und seiner persönlichen Eigenschaften wegen geliebt zu werden, ungestörter und vollkommner geniessen zu können? Was würden Sie sagen, wenn dieser Fürst, in Begleitung weniger Freunde, ohne Pracht, ohne Aufwand, ohne den zwanzigsten teil des Geschleppes, welches die Grossen gewöhnlich nach sich zu ziehen pflegen, in allen seinen Staaten herum reisete, überall selbst sich erkundigte, wie die gesetz beobachtet, wie das Recht gehandhabet, wie die Staatswirtschaft bestellt würde; die Beschwerden eines jeden, der sich an ihn wendete, selbst anhörte, und durch seine Leutseligkeit jedermann zu gleichem Vertrauen einlüde; bei den prächtigen Schlössern seiner Omras, wo jedes Vergnügen ihn erwartete, vorbei eilte, um rauhe Gebirge zu besteigen, oder durch unwegsame schneebedeckte Wälder in die armseligen Hütten der Dürftigkeit hinein zu kriechen, und beim Anblick des elenden Brotes, dessen nur genug zu haben ein teil seiner nützlichsten Untertanen sich glücklich achten würde, Tränen der Menschheit zu weinen? Und was würden Ihre Hoheit sagen, wenn dieser liebenswürdigste unter den Fürsten, gleich einer zu den Menschen herab gestiegenen Gotteit, jeden seiner Tritte mit Wohltaten bezeichnete, und bei jedem seiner Blicke irgend ein Missbrauch abgestellt, irgend ein Gebrechen verbessert, eine Übeltat bestraft, ein Verdienst aufgemuntert würde?" –
"Danischmend Danischmend!" (rief der Sultan) "was ich sagen würde? – Ich würde" – hier hielt Seine Hoheit eine ziemliche Weile ein, und der schönen Nurmahal pochte das Herz vor Furcht für den ehrlichen, wohl meinenden, aber, in der Tat, gar zu unbedachtsamen Danischmend. – "Ich würde sagen", fuhr der Sultan endlich fort, "dass du mir den grossen Fürsten auf der Stelle nennen sollst, der dies alles getan hat."
"Sire", antwortete Danischmend ganz demütig, "ich gestehe freimütig, dass ich, wofern Ihre Hoheit Sich nicht entschliessen es selbst zu sein, weder unter Ihren Vorgängern noch unter Ihren Zeitgenossen einen kenne, der dies alles getan hätte. Aber mein Herz sagt mir, dass die idee eines solchen Fürsten, die ich in diesem Augenblick, wie durch eine Art von Eingebung, auf einmal in meiner Seele fand, kein Hirngespenst ist. Er wird kommen, und sollt es auch erst in vielen Jahrhunderten sein; ganz gewiss wird er kommen, um zu gleicher Zeit die Ehre der Vorsehung, der Menschheit und des Fürstenstandes zu retten, und der Trost eines unglücklichen Zeitalters, das Vorbild der Könige, und die Liebe und Wonne aller Menschen zu sein."
"Gute Nacht, Danischmend", sagte der Sultan lächelnd: "ich sehe du rappelst. Unser Prophet befiehlt uns, Leute in deinen Umständen mit Ehrerbietung anzusehen; aber gleichwohl könnte, deucht mich, eine Prise Niesewurz nichts schaden, Freund Danischmend!"
8.
Ungeachtet der launischen Art, wie Schach-Gebal seinen so genannten Freund Danischmend zu Bette geschickt hatte, fand er doch so viel Belieben an der Unterhaltung, die ihm die scheschianische geschichte gab, dass er die Zeit, die dazu ausgesetzt war, diesmal gegen seine Gewohnheit beschleunigte, weil er neugierig war zu hören, wie Danischmend es anfangen würde, um aus dem jungen Tifan einen so grossen König zu machen als er versprochen hatte. Danischmend fuhr also in seiner Erzählung fort, wie folgt.
"Der junge Tifan hatte auf seiner zweijährigen Reise viel gelernt; denn er kannte nun die Menschen wie sie sind; und die Festigkeit, zu welcher, ehe sich Dschengis mit ihm in die Welt hinaus wagte, seine aus der natur eingesogenen Grundsätze gelanget waren, sicherte seinen Kopf und sein Herz gegen alle die schädlichen Eindrücke, welche gewöhnlich die Folgen des Kontrastes zwischen dem was ist, und dem was sein sollte, in jungen Gemütern zu sein pflegen. Er überzeugte sich bis zum innigsten Gefühl, dass die Menschen unrecht hätten, so zu sein wie sie sind.
'Wenn man ihnen', sagte er zu seinem Mentor, 'den Vorzug der Vernunft vor den übrigen Tieren nicht absprechen kann, so muss man doch gestehen, dass sie sich derselben so schlecht bedienen, dass es beinahe besser für sie wäre, dieses gefährlichen Vorzuges gar zu ermangeln. Denn welches Tier ist nicht in seiner Art weniger elend als der Mensch? Sie sind weise in Kleinigkeiten, und Toren in Sachen wovon das Glück ihres Lebens abhängt; sinnreich, wo es darum zu