sie am ersten Tage des einundzwanzigsten das Unglück hatten, sich durch irgend ein nichtsbedeutendes versehen seinen Unwillen zuzuziehen.
Den Priestern soll er überhaupt nicht sehr hold gewesen sein; wenigstens kann man nicht leugnen, dass die Derwischen, Fakirn und Kalender, welche er nur die Hummeln seines staates zu nennen pflegte, der gewöhnlichste Gegenstand seiner bittersten Spöttereien waren. Er neckte und plagte sie bei jeder gelegenheit; aber weil er sie für gefährliche Leute hielt, so fürchtete er sie, und weil er sie fürchtete, so fand er selten so viel Mut in sich, ihnen etwas abzuschlagen. Der ganze Vorteil, den er von diesem Betragen zog, war, dass sie sich ihm für seine Gefälligkeiten wenig verbunden achteten, weil sie gar zu wohl wussten, wie wenig sein guter Wille Anteil daran hatte. Sie rächten sich für die unschädliche Verachtung, die er ihnen zeigte, durch den Verdruss, den sie ihm bei hundert bedeutenden Gelegenheiten durch ihre geheimen Ränke und Aufstiftungen zu machen wussten. Sein Hass gegen sie wurde dadurch immer frisch erhalten; aber die Schlauköpfe hatten ausfündig gemacht, dass er sie fürchte; und diese Wahrnehmung wussten sie so wohl zu benutzen, dass ihnen seine wärmste Zuneigung, kaum einträglicher gewesen wäre. Sie hatten die Klugheit, wenig oder keine Empfindlichkeit über die kleinen Freiheiten zu zeigen, die man sich unter seiner Regierung mit ihnen heraus nehmen durfte. Man mag von uns sagen was man will, dachten sie, wenn wir nur tun dürfen was wir wollen.
Schach-Gebal hatte weniger Leidenschaften als Aufwallungen. Er war ein Feind von allem, was anhaltende Aufmerksamkeit und Anstrengung des Geistes erfoderte. Wenn dasjenige, was seine Hofleute die Lebhaftigkeit seines Geistes nannten, nicht allezeit Witz war, so weiss man, dass es bei einem Sultan so genau nicht genommen wird: aber er wusste doch den Witz bei andern zu schätzen; und so tödlich er die langen Reden seines Kanzlers hasste, so hatte er doch Augenblicke, wo man ihm scherzend auch wenig schmeichelnde Wahrheiten sagen durfte. Er wollte immer von aufgeweckten Geistern umgeben sein. Ein schimmernder Einfall hiess ihm allezeit ein guter Einfall; allein dafür fand er auch den besten Gedanken platt, der sonst nichts als Verstand hatte. Nach grundsätzen zu denken, oder nach einem Plane zu handeln, war in seinen Augen Pedanterei und Mangel an Genie. Seine gewöhnliche Weise war, ein Geschäft anzufangen, und dann die Massregeln von seiner Laune oder vom Zufall zu nehmen. So pflegten die witzigen Schriftsteller seiner Zeit ihre Bücher zu machen.
Er hatte ein paar vortreffliche Männer in seinem Divan. Er kannte und ehrte ihre Klugheit, ihre Einsichten, ihre Redlichkeit; aber zum Unglück konnte er ihre Miene nicht leiden. Sie besassen eine gründliche Kenntnis der Regierungskunst und des staates; aber sie hatten wenig Geschmack; sie konnten nicht scherzen; sie waren zu nichts als zu ernstaften Geschäften zu gebrauchen, und Schach-Gebal liebte keine ernstaften Geschäfte. Warum hatten die ehrlichen Männer die Gabe nicht, der Weisheit ein lachendes Ansehen zu geben? – Oder konnten sie sich nur nicht entschliessen, ihr zuweilen die Schellenkappe aufzusetzen? Desto schlimmer für sie und den Staat! Schach-Gebal unternahm zwar selten etwas ohne ihren Rat; aber er folgte ihm während seiner ganzen Regierung nur zweimal, und beide Mal – da es zu spät war.
Es war eine seiner Lieblingsgrillen, dass er durch sich selbst regieren wollte. Die Könige, welche sich durch einen Minister, einen Verschnittenen, einen Derwischen, oder eine Mätresse regieren liessen, waren der tägliche Gegenstand seiner Spöttereien. Gleichwohl versichern uns die geheimen Nachrichten dieser Zeit, dass sein erster Iman, und eine gewisse schwarzaugige Tschirkassierin, die ihm unentbehrlich geworden war, alles was sie gewollt aus ihm gemacht hätten. Wir würden es für Verleumdungen halten, wenn wir seine Regierung nicht mit Handlungen bezeichnet sähen, wovon der Entwurf nur in der Zirbeldrüse eines Imans oder in der Phantasie einer schwarzaugigen Tschirkassierin entstehen konnte.
Schach-Gebal war kein kriegerischer Fürst: aber er sah seine Leibwache gern schön geputzt, hörte seine Emirn gern von Feldzügen und Belagerungen reden, und las die Oden nicht ungern, worin ihn seine Poeten über die Cyrus und Alexander erhoben, wenn er bei gelegenheit eine Festung ihrem Kommendanten abgekauft, oder seine Truppen einen zweideutigen Sieg über Feinde, die noch feiger, oder noch schlechter angeführt waren als sie selbst, erhalten hatten. Es war eine von seinen grossen Maximen: ein guter Fürst müsse Frieden halten, solange die Ehre seiner Krone nicht schlechterdings erfodere, dass er die Waffen ergreife. Aber das half seinen Untertanen wenig: er hatte nichts desto weniger immer Krieg. Denn der Mann im mond hätte mit dem Mann im Polarstern in einen Zwist geraten können; Schach-Gebal mit hülfe seines Itimadulet4 würde Mittel gefunden haben, die Ehre seiner Krone dabei betroffen zu glauben.
Niemals hat ein Fürst mehr weggeschenkt als Gebal. Aber da er sich die Mühe nicht nehmen wollte, zu untersuchen, oder nur eine Minute lang zu überlegen, wer an seine Wohltaten das meiste Recht haben möchte: so fielen sie immer auf diejenigen, die zunächst um ihn waren, und zum Unglück konnten sie gemeiniglich nicht schlechter fallen.
Überhaupt liebte er den Aufwand. Sein Hof war unstreitig der prächtigste in Asien. Er hatte die besten Tänzerinnen, die besten Gaukler, die besten Jagdpferde, die besten Köche, die witzigsten Hofnarren, die schönsten Pagen und Sklavinnen, die grössten Trabanten und die kleinsten Zwerge, die jemals