den Glanz der prächtigsten in Asien auslösche, welcher jährlich dreihundertundfünfundsechzig Feste gab, und im Besitz der liebenswürdigen Xerika der glücklichste unter allen Unsterblichen zu sein glaubte – denn wie hätte er auf einer so hohen Stufe von Glückseligkeit nicht vergessen sollen, dass ihn seine Mutter sterblich geboren? – Azor wusste nichts davon, dass seine Provinzen mit raubgierigen Stattaltern besetzt, seine Gerichtsstellen an unwissende und leichtsinnige Gecken verhandelt, und die Verwaltung der Kroneinkünfte, mittelst gewisser geheimer Verträge, an Leute überlassen wurde, die das Arkanum besassen, an jeder Million, welche sie für den König einzogen, den fünften teil für sich selbst zu gewinnen; eine Kunst, die in der Folge zu einer solchen Vollkommenheit getrieben worden ist, dass die ersten Meister kaum den Namen von Anfängern verdienten. Der guterzige Azor glaubte, dass seine Völker glücklich wären, weil er es selbst war, weil er sie glücklich zu sehen wünschte, und weil er gewohnt war alle seine Wünsche erfüllt zu sehen. Überdies hatte er so wenig Begriffe von den Erfordernissen der Regierungskunst, dass man nicht ohne Grund vermutet, er habe sich mit eben der Zuversicht darauf verlassen, dass der Staat ohne sein Zutun aufs beste besorgt werden würde, mit welcher er sich darauf verlassen konnte, dass die Sonne alle Tage auf- und untergehen, die Jahrszeiten wie gewöhnlich auf einander folgen, und in allen dreien Reichen der natur alles geschehen würde was sich gebührt, ohne dass Seine Hoheit Sich im mindesten darum zu bekümmern hätte.
Der Überfluss, welchen Fleiss und Handelschaft noch immer über den grössten teil des Reiches verbreiteten, nebst den immer währenden Lustbarkeiten, die bei hof und in den Hauptstädten herrschten, machten die Folgen einer so übel besorgten Staatsverwaltung eine Zeit lang im ganzen unmerklich. Wie leicht werden zehen tausend unterdrückte Bürger unter einer grossen, geschäftigen, mutvollen, und von Entwürfen einer schimmernden Glückseligkeit schwellenden Nation übersehen! Und wie sollte das stumme Seufzen, oder selbst das laute Geschrei dieser zerstreuten Unglücklichen, vor dem noch lautern Getümmel der allgemeinen Emsigkeit und Fröhlichkeit gehört worden sein, oder sich den Weg zum Ohre des mitleidigen Azors haben öffnen können?
Aber eine Veränderung des Systems, worin damals die Staaten des östlichen und mitternächtlichen Teils von Asien verbunden waren, eine Veränderung, wobei der Hof von Scheschian unmöglich gleichgültig bleiben konnte, gab dem jungen Könige gelegenheit wahrzunehmen, dass seine Geschäfte sehr übel besorgt wurden. Man hatte die Zeit und das Geld, die auf die Zurüstungen zu einem unvermeidlichen Kriege verwendet werden sollten, mit Lustbarkeiten und unnützen Unterhandlungen zugebracht, und die Feinde waren im Begriff in die Grenzen des Reiches einzudringen, als man erst gewahr wurde, dass es sich nicht einmal im Verteidigungsstande befand. Zum Unglück war auch die königliche Kasse so erschöpft, dass Azor sich genötiget sah, seine Zuflucht zu den Kassen seiner Finanzaufseher und Oberpachter zu nehmen, in welchen eine Fülle herrschte, die mit der Leerheit der königlichen vermutlich einerlei Ursache hatte. Das Murren der Nation, welche zu Bestreitung der Kriegsunkosten mit gedoppelten Auflagen belegt wurde, und gleichwohl ihre Beschützung in so schwachen Händen sah, nahm täglich zu; die Feinde bemächtigten sich einer Provinz nach der andern, und der König wusste noch immer nichts von dem eigentlichen Zustande der Sachen: als Alabanda (eine Dame des Hofes, die schon seit geraumer Zeit an einem Entwurf arbeitete, die zärtliche und untätige Xerika zu verdrängen) sich eines günstigen Augenblicks bemächtigte, und zum ersten Male Eindruck auf das Herz Azors machte, indem sie sich das Ansehen gab, von einem lebhaften Eifer für seine Ruhe und für die Glorie seiner Regierung beseelt zu sein. Diese Frau vereinigte alle die Reizungen in ihrer person, welche das Herz eines Prinzen wie Azor zu fesseln fähig waren; eine blendende und untadelhafte Schönheit mit der Blüte der Jugend, und den angenehmsten Witz mit tausend liebreizenden Grazien. Sie war unwiderstehlich, wenn sie sich vorgesetzt hatte es zu sein; und Azor konnte von dem ersten Augenblick an, da die Gleichgültigkeit, worin Xerika seine Sinne zu lassen anfing, ihm erlaubte ihre Nebenbuhlerin mit Aufmerksamkeit anzusehen, sich nicht genug wundern, wie er so lange von einem so vollkommnen gegenstand habe ungerührt bleiben können. Die zärtliche Xerika hatte in dem Könige nur Azorn geliebt; Alabanda liebte in Azorn nur den König. Zwanzig andre taugten eben so gut oder besser ihre wollüstige Sinnesart zu vergnügen: aber ihre Eitelkeit konnte nur durch eine unumschränkte Gewalt über das ganze Scheschian befriediget werden; und der Plan, den sie zu diesem Ende machte, bewies ihre Klugheit. Sie entdeckte Azorn, wie übel der Staat unter der Regentschaft seiner Mutter verwaltet worden sei, und überredete ihn, die Zügel der Regierung künftig selbst zu führen. Der Staatsrat und die obersten Kronbedienungen wurden also mit Kreaturen der schönen Alabanda besetzt: und da nichts Unbeständigeres sein konnte als die Gunst dieser Dame; so veränderte sich der Divan unter ihrer Regierung so oft als ihr Kopfputz, oder als die Farben ihres Anzugs, durch deren täglichen Wechsel sie bewies, dass ihre Schönheit in jedem Lichte sich selbst gleich bleibe, und über alles triumphiere, was neben ihr glänzen wolle.
Der König wunderte sich sehr, da er eine Bürde, die er sich so schwer vorgestellt hatte, so leicht fand. Es kostete ihm nur einen Wink, oder höchstens ein blosses Ja zu allem was ihm die schöne Alabandain eigener person oder durch ihre Werkzeuge vorschlug. Nichts konnte bequemer sein; aber Scheschian befand sich auch um nichts besser bei einer Regierung, die dem Könige so