, "um nicht in den Fehler des Vesirs Moslem zu fallen, begnüge ich mich zu sagen, dass der Emir Ursache fand, sich von allen Zauberern und Feen der Welt verfolgt zu glauben. 'Beruhige dich', sagte die schöne Sklavin mit einem Lächeln, in welches mehr Mitleiden als Verachtung oder Unwillen gemischt war, 'ich will dir ein Adagio vorspielen, auf welches du so gut schlafen sollst, als der glücklichste aller Schäfer.' Aber ihr Adagio tat das versprochene Wunder nicht. Der Emir konnte nicht aufhören sich selbst zu betrügen, bis endlich die Sklavin, welche seinen Eigensinn wirklich unbillig fand, für besser hielt sich zurück zu ziehen, indem sie ihm so wohl zu schlafen wünschte als er könnte."
"Danischmend, ich bin mit deiner Erzählung zufrieden", sagte der Sultan: "morgen wollen wir die Fortsetzung davon hören, und mein Schatzmeister soll Befehl erhalten, dir dreihundert Bahamd'or auszuzahlen." Der Philosoph und der junge Mirza zogen sich hierauf zurück, und die Pforte des geheiligten Schlafgemachs wurde hinter ihnen zugeschlossen.
4.
Den folgenden Abend setzte Danischmend auf Befehl des Sultans seine Erzählung also fort.
"Die geschichte des Emirs und der schönen Sklavin blieb nicht lange geheim, und dieser Prinz hatte die Ehre, der erste Mann von seiner Art zu sein, den man jemals in diesen Gegenden gesehen hatte. Die Einwohner des Hauses, männliche und weibliche, konnten gar nicht von ihrem Erstaunen über ihn zurück kommen. Sie hatten gar keinen Begriff davon, wie man das sein könne was er war. 'Das arme geschöpf!' riefen sie alle mit einem Ton des Mitleidens, welcher nicht sehr geschickt gewesen wäre sein Leid zu ergetzen. Wirklich war der unglückliche Mann in seinem ganzen Leben nie so übel mit sich selbst zufrieden gewesen als in dieser nämlichen Nacht. Die Vergleichung, die er zwischen sich selbst, einem Greise von zweiunddreissig, und diesem silberlockigen Jüngling von achtzig anstellte, – begleitet von den Vorstellungen, welche ihm die schöne Sklavin zurück gelassen hatte, war mehr als genugsam ihn zur Verzweiflung zu bringen. Er biss die Lippen zusammen, schlug sich vor den Kopf, und verfluchte in der Bitterkeit seines Herzens seinen Harem, seinen Leibarzt, seine Köche, und die jungen Toren, die ihn durch Beispiel und Grundsätze aufgemuntert hatten, sein Leben so eilfertig zu verschwenden. Erschöpft von ohnmächtiger Wut, und betäubt von einem Schwall quälender Gedanken, die ihm das Gefühl seines Daseins zur Marter machten, schlummert' er endlich ein; und da er nach einigen Stunden wieder erwachte, fehlte wenig, dass er nicht alles, was ihm seit seinem letzten Schlafe begegnet war, für einen blossen Traum gehalten hätte. Wenigstens wandte er alle seine Kräfte an, die Erinnerung an den unangenehmsten teil seiner Begegnisse zu unterdrücken; und in der Hoffnung, dass neue Eindrücke ihm dazu am beförderlichsten sein würden, öffnete er ein Fenster, aus welchem er die Gärten vor sich liegen sah, die sich von der Morgenseite um das Haus herum zogen. Eine reine, mit tausend erquickenden Düften erfrischte Luft zerstreute die düstern Wolken, die noch um sein Gehirn hingen; er fühlte sich gestärkt; dieses Gefühl fachte wieder einen Funken von Hoffnung in seinem Busen an, und mit der Hoffnung kehrt die Liebe zum Leben zurück. Indem er diese Gärten betrachtete, und, seinem verwöhnten Geschmack am prächtigen und Erkünstelten zu Trotz, sich nicht erwehren konnte, sie bei aller ihrer nützlichen Einfalt und anscheinenden Wildheit schön zu finden, ward er den Alten gewahr, der, halb von Gesträuchen bedeckt, sich mit kleinen Gärtnerarbeiten beschäftigte, welche der Emir nie gewürdiget hatte, sich einen Begriff davon zu erwerben. Die Begierde, alles Befremdende und Wunderbare, das er in diesem haus gesehen, sich erklären zu lassen, bewog ihn, in die Gärten hinab zu steigen, um sich mit dem Alten in ein Gespräch einzulassen. Nachdem er ihm für seine leutselige Aufnahme gedankt hatte, fing er an, ihm seine Verwunderung darüber zu bezeigen, dass ein Greis von seinen Jahren noch so gerade, so geschäftig, so lebhaft und so fähig sein könne, an den Vergnügungen des Lebens Anteil zu nehmen. 'Wenn deine silbernen Haare und dein eisgrauer Bart nicht von einem hohen Alter zeugten', setzte er hinzu, 'so müsste man dich für einen Mann von vierzig halten. Ich bitte dich, erkläre mir dieses Rätsel. Was für ein Geheimnis besitzest du, welches solche Wunder wirken kann?'
'Ich kann dir mein Geheimnis mit drei Worten sagen', erwiderte der Alte lächelnd: 'Arbeit, Vergnügen und Ruhe, jedes in kleinem Masse, zu gleichen Teilen vermischt, und nach dem Winke der natur abgewechselt, wirken dieses Wunder, wie du es zu nennen beliebst, auf die begreiflichste Weise von der Welt. Eine nicht unangenehme Mattigkeit ist der Wink, den uns die natur gibt, unsre Arbeit mit Ergetzungen zu unterbrechen, und ein ähnlicher Wink erinnert uns von beiden auszuruhen. Die Arbeit unterhält den Geschmack an den Vergnügungen der natur, und das Vermögen sie zu geniessen; und nur derjenige, für den ihre reinen untadelhaften Wollüste allen Reiz verloren haben, ist unglücklich genug, bei erkünstelten eine Befriedigung zu suchen, welche sie ihm nie gewähren werden. Lerne an mir, werter Fremdling, wie glücklich der Gehorsam gegen die natur macht. Sie belohnt uns dafür mit dem Genuss ihrer besten Gaben. Mein ganzes Leben ist eine lange, selten unterbrochne