Danischmend – so leise als möglich.)
"Herr Danischmend" – fuhr Schach-Gebal fort – "man ist kein Philosoph um nichts! Wie wär es, wenn deine Weisheit uns diese Sache ins Klare zu setzen belieben wollte?"
"Sire", antwortete Danischmend, "meine Weisheit ist zu Ihrer Majestät Befehlen. Aber zuvörderst bitte ich demütig um Erlaubnis, eine kleine geschichte erzählen zu dürfen."
Schach-Gebal nickte ein sultanisches Ja, und der Philosoph fing also an.
"Zu den zeiten des Kalifen Harun Al Raschid" – –
"Fi, Herr Doktor", unterbrach ihn der Sultan, "das fängt verdächtig an! Sobald man diesen Kalifen nennen hört, kann man sich nur gleich auf Genien und Verwandlungen gefasst halten, oder auf platte Historien von kleinen Buckligen, schwatzhaften Barbierern, und liederlichen Königssöhnchen, welche, um eine lange Reihe begangener Torheiten mit einem würdigen Ende zu krönen, sich die Augenbraunen abscheren und Kalender werden."
"Ich stehe Ihrer Hoheit mit meinen Augenbraunen dafür", sagte Danischmend, "dass weder Bucklige noch Kalender in meiner Erzählung vorkommen, und dass alles so natürlich darin zugehen soll, als man es nur wünschen kann.
Zu den zeiten des besagten Kalifen also begab sich, dass ein reicher Emir aus Yemen auf seiner Rückreise von Damask das Unglück hatte, in den Gebirgen des felsigen Arabiens von Räubern überfallen zu werden, welche so unhöflich waren, sein Gefolge niederzusäbeln, und nachdem sie die schönen Frauen, die er zum staat mit sich führte, nebst allen Kostbarkeiten, die er bei sich hatte, zu Handen genommen, sich so schnell, als sie gekommen waren, wieder ins Gebirge zurück zogen. Glücklicher Weise für den Emir war er gleich zu Anfang des Gefechtes in Ohnmacht gefallen; ein Umstand, der so viel wirkte, dass die Räuber sich begnügten, ihm seine schönen Kleider auszuziehen, und ihn, ohne sich zu bekümmern ob er wirklich tot sei, unter den Erschlagenen liegen zu lassen."
"Herr Danischmend", sagte der Sultan, "nicht so umständlich!
Zur Sache, wenn ich bitten darf. Der Ton, worin du angefangen hast, ist vollkommen der Ton meiner lieben Ältermutter, welche bekannter massen ihre eigenen Ursachen hatte, warum sie ihre Märchen in eine so unbarmherzige Länge zog."
"Um also Ihre Majestät nicht mit Nebenumständen aufzuhalten", fuhr Danischmend fort, "so kam der gute Emir wieder zu sich selbst, und stellte sehr unangenehme Betrachtungen an, da er sich in einem wilden unbekannten Gebirge auf einmal ohne Zelten, ohne Geräte, ohne seine Weiber und Verschnittenen, ohne Küche, und sogar ohne Kleider befand; er, der von dem ersten Augenblicke seines Lebens, dessen er sich erinnern konnte, an allen ersinnlichen Gemächlichkeiten niemals einigen Mangel gelitten hatte. Da es zu besserer Verständnis dieser geschichte wesentlich ist, dass Ihre Majestät Sich eine lebhafte Vorstellung von diesem Zustande des Emirs machen, so muss ich mir die Freiheit nehmen, Sie zu bitten, Sich an seinen Platz zu setzen, und zu denken, wie Ihnen in einer so verzweifelten Lage zu Mute wäre."
"Herr Danischmend", sagte der Sultan ganz trokken, "ich habe gute Lust, mir diese Mühe zu ersparen, und mir dafür von dir erzählen zu lassen, wie einem Erzähler zu Mute sei, dem ich für die Bemühung, mich gähnen zu machen, dreihundert Prügel auf die Fusssohlen geben lasse."
Dieser Anstoss von sultanischer Laune deuchte der schönen Nurmahal so unbillig, dass sie den Sultan bat, den armen Doktor nicht durch Drohungen zu schrekken, welche fähig wären, den besten Erzähler in der Welt aus der Fassung zu bringen. Aber Danischmend kannte die Weise seines Herren. "Alles, warum ich Ihre Majestät bitte", sagte er, "ist, die Gnade zu haben, und mir die versprochenen dreihundert Prügel nicht eher geben zu lassen, bis ich mit meiner geschichte fertig sein werde; denn, in der Tat, sie ist nicht so übel als man sich nach ihrem Anfange vorstellen sollte."
"Gut", sagte der Sultan lachend, "so erzähle denn nach deiner eigenen Weise: ich verspreche dir, dass ich dich nicht wieder unterbrechen will."
Danischmend stand auf, warf sich vor dem Sultan zur Erde, küsste den Saum seiner Bettdecke, um seine Dankbarkeit für dieses gnädige Versprechen zu bezeigen, und fuhr hierauf in seiner Erzählung also fort.
"Von allen diesen Betrachtungen des Emirs (welche zu verworren und unangenehm waren, als dass es ratsam sein könnte, sie Ihrer Majestät vorzulegen) war das Ende, dass er sich entschliessen musste, eine Sache zu tun, die ihn aus Mangel der Gewohnheit sehr hart ankam, nämlich seine Beine in Bewegung zu setzen, und zu versuchen, ob er irgend einen Weg aus dieser Wildnis finden möchte. Die Sonne neigte sich schon stark, als er endlich mit unbeschreiblicher Mühe einen Ort erreichte, wo das Gebirge sich öffnete, und ihm die Aussicht in ein Tal zu geniessen gab, welches seine Einbildung selbst sich nicht reizender hätte schaffen können. Der Anblick einiger wohl gebauten Wohnungen, die zwischen den Bäumen aus dem schönsten Grün hervorstachen, ermunterte ihn seine letzten Kräfte zusammen zu raffen, um diese Wohnungen wo möglich noch vor Untergang der Sonne zu erreichen. In der Tat war der ganze Weg, den er schon zurückgelegt und den er noch vor sich hatte, nicht um zehen Schritte mehr