hohe Wert der Geschichtskunde ist, so ist doch nicht zu leugnen, dass die gerümpfte Nase, womit gewisse Geschichtsforscher auf alles was die Form der Erdichtung hat herab sehen, Unbilligkeit und lächerliche Pedanterei ist. Den Wenigen, denen ihr Beruf zu erforschen was geschehen ist keine Erholungsstunden übrig lässt, ist es wohl zu gönnen, wenn sie abgehärtet genug sind, die Abscheulichkeiten der Byzantinischen Historie oder der Regierung einer Maria von England mit eben dem kalten Blute zu lesen, womit ein Zeitrechner untersucht, in welchem Jahre der Welt der König Misfragmutosis zu Diospolis regiert habe. Aber ihr Beispiel oder ihr Geschmack macht keine Regel; und empfindsame Seelen werden – beim Anblick alles des Bösen, was auf diesem Sonnenstaube, den wir bewohnen, Geschöpfe von einerlei Gattung getan haben, um einander ein Leben von etlichen Augenblicken zu rauben oder zu verbittern – sich nur allzu oft genötigt fühlen, mit dem weisen Danischmend in die möglichen Welten der Dichter zu fliehen; und sie können deswegen hinlänglich gerechtfertiget werden, auch ohne dass man den Platonischen Grundsatz, welchen Bacon von Verulam zum Vorteile der Dichtkunst geltend macht, dazu vonnöten hat, vermöge dessen das, was wir hier nur für ein Erholungsmittel geben, sogar zu einer sehr wesentlichen Beschäftigung wird. 33 So wie der Vernünftige natürlicher Weise des Toren Meister ist, so hat der vollkommenste Mann ein angebornes Recht über die übrigen zu herrschen: es ist ein Gesetz der natur, sagte Aristoteles, der Lehrer des grössten unter den Königen. 34 Siehe den vortrefflichen Diskurs von der Freundschaft in Montaignes Essays, L.I. ch. 27, besonders die Stellen wo er von seinem Freunde spricht. Zum Exempel: "En l'amitié de quoy je parle, les ames se meslent et se confondent l'une et l'autre d'un meslange si universel, qu'elles effacent et ne retrouvent plus la cousture qui les a jointes. Si on me presse dire pourquoy je l'aymois, je sens que cela ne se peut exprimer qu'en respondant: parceque c'etoit luy, parceque c'etoit moy." Die Freundschaft ist Eine Seelein zwei Leibern, sagt-nicht der schwärmerische Plato, sondern der gründliche, der tiefsinnige, der kalte Aristoteles; und von allem, was dieser grosse Mann gesagt hat, macht nichts seinem Herzen mehr Ehre als dies. 35 Wir finden den nämlichen Gedanken unter dem nämlichen Bilde in einem vor kurzem ans Licht getretenen wunderbaren buch, welches seinem Verfasser vielleicht im Jahre 2440 mehr Ehre, als im Jahre 1772 Nutzen bringen wird. Dieses ungefähre Zusammentreffen wird, wie wir hoffen, dem guten Danischmend nicht zur Sünde angerechnet werden. Der ehrliche Träumer, dessen wir erwähnten, mag wohl ein wenig mehr schwarze Galle in seinem Blute haben, als ein Mann, dem seine Ruhe lieb ist, sich wünschen soll. Aber es ist doch immer schwer, einem Menschen nicht gut zu sein, der seine Mitgeschöpfe so lieb hat, dass ihn weder Bastille noch Bicetre abhalten kann, alles heraus zu sagen was er auf dem Herzen hat. – Der Leser beliebe nie zu vergessen, dass diese Anmerkung, so wie dieses ganze Werk, im Jahre 1771 und 72 geschrieben ist. 36 Chun, der Mitregent und Nachfolger des guten Kaisers Yao. Siehe Dü Haldes Beschreibung des sinesischen Reichs I.T.S. 263 der deutschen Übersetzung. Im übrigen ist nicht zu bergen, dass die geschichte der sinesischen Kaiser Yao und Chun, allem Ansehen nach, nicht mehr historische Wahrheit hat, als die geschichte des scheschianischen Königs Tifan. 37 "Die vollkommensten gesetz", sagte Sokrates, "sind diejenigen, welche man nicht ungestraft übertreten kann, weil sie uns durch die natürlichen und unvermeidlichen Folgen ihrer Übertretung bestrafen"; und er beweiset dem Sophisten Antiphon, dass die gesetz der natur, oder, welches eben so viel sei, die allgemeinen gesetz Gottes, diese unterscheidende Eigenschaft haben. Siehe Xenophons Charakter und merkwürdige Reden des Sokrates B. IV. Die gesetz der natur und des gesellschaftlichen Lebens sind die Regel der Könige, von welcher sie niemals ungestraft abweichen können. Die ganze allgemeine Staatsgeschichte ist ein Kommentarius über diese grosse Wahrheit; und ohne weit in die alten zeiten zurück zu gehen, wird uns zum Exempel das Leben eines Philipps II. und Ludwigs XIV., der tragische Tod Karls I. von England, und der Fall seines Sohnes Jakobs II. Beispiele genug darstellen, sie zu erläutern und zu bestärken. 38 In der Tat fällt das Ungereimte in dem Verhältnis der Kräfte eines einzelnen Menschen, gegen die ungeheure Unternehmung allen Unbilden und Fehden in der Welt steuern zu wollen, einem jeden in die Augen. Und gleichwohl ist nichts wahrscheinlicher, als dass ein Dutzend Don Quichotten, die sich mit einander verständen, und, anstatt auf die Feinde des Don Gaiferos und der schönen Melisandra, auf die Feinde des menschlichen Geschlechtes mit eben dem Mute, mit welchem der Held von Mancha seine schimärischen Gegner bekämpfte (nur freilich mit einem gesundern kopf als der seinige war), los gingen, – die Gestalt unsrer sublunarischen Welt binnen einem Menschenalter mächtig ins Bessere verändern würden. 39 Sollt es möglich sein, dass unter allen künftigen Regenten, denen diese geschichte in einem Alter, da ihr Kopf noch nicht zu sehr verschroben und ihr Herz noch nicht ganz versteinert ist, in die hände käme, auch nur Einer wäre, der, nachdem er diesen Tifan kennen gelernt, den Gedanken ertragen