welche uns Montfaucon im zweiten Teile seiner Sammlung griechischer Kirchenskribenten geliefert hat) versichert, dass die Erde platt sei, und das himmlische Gewölbe an ihren äussersten Enden aufstehe. Dies war zu einer Zeit, wo das Studium der natur als eitel und profan gänzlich vernachlässiget wurde, die allgemeine Meinung; und ein Satz, wie der, den Virgilius behauptet haben soll, musste notwendig frommen Ohren anstössig sein.
Anmerk. des latein. Übersetzers
29 Gegen irgend einen Zweig der Freiheit von dem Missbrauche, der davon gemacht werden kann, argumentieren, ist eben so viel als gegen die Freiheit überhaupt schliessen; denn alles kann gemissbraucht werden, sagt der weise Verfasser der Letters from a Persian in England, p. 159. 30 Wir wollen nicht hoffen, dass sich jemand unter unsern Lesern in dem Falle befinden könne, in welchen der ehrliche Klaus Zettel in Shakspeares MidSummer-Nights-Dream die Damen zu Aten zu setzen besorgt, wenn er, in dem Schauspiele von Pyramus und Tisbe (welches er und seine Gesellen an dem Hochzeitfeste des Teseus aufführen wollen), als Löwe auf den Schauplatz kommen, und seine furchtbare stimme hören lassen würde. "Ich werde", spricht er, "nicht ermangeln ihnen zu sagen: Erschrecken Sie nicht, meine schönen Damen; ich bin kein wirklicher Löwe, wie Sie etwann denken möchten, sondern wirklich und bei meiner Ehre Klaus Zettel, der Weber, und ein Mann, der sich das grösste Gewissen daraus machen würde, das Herz einer schönen Dame zu betrüben." Aus eben dieser Gemütszärtlichkeit erklären wir also auf allen Fall: dass dies Wetter, womit uns Kalaf erschrecken will, bloss gemachtes Wetter war. 31 Plutarch in seiner Abhandlung von Isis und Osiris. Juvenal macht uns von einem ähnlichen Religionskriege zwischen den Ombiten und Tentyriten, welcher daher entstand,
Quod numina vicinorum
Odit uterque locus, cum solos credat
habendos
Esse Deos quos ipse colit – –
in seiner fünfzehnten Satire ein schreckliches Gemälde. Die eine dieser Städte überfiel die andre zur Zeit eines grossen Festes, wo man sich eines feindlichen Überfalls am wenigsten versah. Die Partie war sehr ungleich, sagt der Dichter; die guten Ombiten waren wohl bezecht, rosenbekränzt, von Salben triefend, und vom Tanzen müde; ihre Feinde hingegen desto erbitterter, weil sie nüchtern waren (hinc jejunum odium). Der Anfang der Feindseligkeiten wurde mit Worten gemacht; von den Worten kam es bald zu den Fäusten; auf beiden Seiten blieben wenig Nasen unbe"deucht den Unsinnigen nur ein Spiel; sie wollen nicht nur Blut, sie wollen Leichen sehen. Man wirft also eine Zeit lang mit Steinen auf einander; endlich ziehen die Tentyriten ihre Schwerter. Die Ombiten fliehen in zitternder Verwirrung; die Furcht beflügelt ihre Flucht; nur Einer hat das Unglück den erbosten Feinden in die hände zu fallen; dieser Unglückselige wird sofort in Stücke zerrissen und mit Haut und Haar bis auf die Knochen aufgegessen. Sie nehmen sich nicht einmal die Zeit ihn zu kochen, sie fressen ihn mit hungriger Gierigkeit roh hinein, und wer glücklich genug ist ein Stückchen von diesem abscheulichen Frass zu erwischen, glaubt niemals was Wohlschmeckenderes gekostet zu haben." – – Ob übrigens dieser Religionskrieg der Ombiten und Tentyriten von jenem zwischen den Kynopoliten und Oxyrynchiten verschieden gewesen, oder ob nicht Juvenal vielmehr den letzteren unter dem Namen der erstern, weil sie besser in den Vers passen, geschildert habe, wie Salmasius aus sehr gelehrten Gründen vermutet (in Solin. T.I.p. 317–21), ist eine Aufgabe, die wir primo occupanti überlassen, wofern sie anders ihren Meister nicht schon gefunden hat.
Anmerk. des latein. Übersetzers
32 Wiewohl unstreitig etwas Wahres an diesem Gedarum auf der andern Seite nicht weniger wahr, dass die geschichte, mit beobachtenden Augen durchforscht, und mit philosophischem blick aus erhabenen Standpunkten übersehen, eine Quelle sehr nützlicher Kenntnisse für den Bürger, für den Staatsmann, und selbst für den blossen Weltbeschauer ist. Ein gelassner und aufgeklärter Geist sieht durch das verworrene Gewebe der menschlichen Torheiten hindurch, und entdeckt in dem Zusammenhang und in der stufenweisen Entwicklung der grossen Weltbegebenheiten den festen Plan einer alles leitenden höhern Weisheit; er ergetzt, ermuntert, und bessert sich bei dem Anblick des immer währenden Kampfes der Tugend mit dem Laster, der Vernunft mit den Leidenschaften, der Wahrheit mit dem Irrtum und Betrug, der Wissenschaften mit der Unwissenheit, des Geschmacks mit der Barbarei, und erkennt mit Anbetung die verborgene Hand des grossen Urhebers der natur, der aus diesem ewigen Streit in den Teilen, Ordnung und Harmonie im Ganzen hervorzubringen weiss. Die geschichte des menschlichen Verstandes, die geschichte der Tugend, die geschichte der Religion, der Gesetzgebung, der Künste, der Handelschaft, des Geschmacks, des Luxus, und so ferner, sind eben so viele fruchtbare Gegenden der allgemeinen geschichte, deren besserer Anbau die herrlichsten Vorteile für die spekulativen und praktischen Wissenschaften verspricht. Weit entfernt also die Gesschichtskunde gering zu achten, wünschten wir vielmehr, es allen Studierenden, und überhaupt allen, welche weiser und besser zu werden wünschen, einleuchtend machen zu können, dass die geschichte, mit wahrer Sokratischer Philosophie verbunden, das höchste und wichtigste Studium eines Menschen ist, der mehr als eine tierische Maschine sein will; und wir haben diese Anmerkung bloss darum beigefügt, um so viel an uns ist zu verhindern, dass niemand einen unbescheidenen und übertriebenen Hang zu Romanen und Feenmärchen mit dieser Stelle des weisen Danischmend zu rechtfertigen vermeine. So gewiss indessen der