selbst; und während das Reich von einer Menge Faktionen zerrissen wurde, wovon immer eine die andre aufrieb, fielen die benachbarten Könige, nach einem in geheim abgeredeten Plane, zu gleicher Zeit über das zerrüttete und an seinen selbstmörderischen Wunden sich verblutende Scheschian her, und bemächtigten sich, beinahe ohne Widerstand, der Provinzen, die sich ein jeder zu seinem Anteil ausbedungen hatte.
Die unglücklichen Scheschianer, teils unter hundert fremde Völker zerstreut, teils stückweise den angrenzenden Staaten einverleibt, verloren mit ihrer politischen Existenz zugleich ihren uralten Namen; und eines der mächtigsten Königreiche des Orients verschwand so gänzlich von der Erde, dass es, schon zu den zeiten des sinesischen Kaisers Tai-Tsu, den gelehrtesten Altertumsforschern unmöglich war, die ehmaligen Grenzen desselben zuverlässig anzugeben.
Ende des goldnen Spiegels
Fussnoten
1 Hier bin ich genötiget gewesen eine Lücke zu lassen, welche sich zwar in meinem sinesischen Exemplare nur zufälliger Weise befand, die ich aber aus Mangel eines andern Exemplars nicht ergänzen konnte. Allem Ansehen nach wird das, was Hiang-Fu-Tsee noch sagen wollte, – eine Rodomontade gegen den bekannten Zoilus sein, woran es die sinesischen Autoren eben so wenig als die unsrigen in ihren Vorreden fehlen zu lassen pflegen; und der Leser verliert also nichts durch diesen Mangel.
Anmerk. des latein. Übersetzers
2 Ein gewisser persischer Autor gerät bei Erwähnung dieser Stiftungen Schach-Lolos in eine seltsame Aufwallung. "Kann man", ruft er aus, "sich sogar im heissesten Fieber einfallen lassen, solche Stiftungen zu machen? Es gehört doch wohl zum Wesen einer Stiftung, dass sie dem staat nützlich sei? Sultan Lolos Stiftungen mussten gerade die entgegen gesetzte wirkung tun. Hätte er seine Derwischen und seine Katzen ihrem Schicksal überlassen, so ist Hundert an Eins zu setzen, jene hätten arbeiten müssen, und diese Ratten gefangen, und so hätten beide dem Staat Dienste müssig gingen! Gleichwohl was die Katzen betrifft, möchte es noch hingehen; ihr Fett ist doch zu etwas nütze. Aber Derwischenfett! Was soll man mit Derwischenfett anfangen?"
Schek Seif al Horam,
geschichte der Torheit 364. teil S. 538.
3 Wir können nicht umhin, die Anmerkung zu machen, dass die Neigung sich zu beschäftigen und ein anhaltender Fleiss unter die seltensten und schätzbarsten Tugenden gehören, die ein grosser Herr besitzen kann. Nur um dieser willen verdient, unsers Erachtens, Schach-Dolka einen Platz unter den besten Fürsten, die jemals den Tron gezieret haben. Was hätte er erst verdient, wenn er diesen unverdrossenen Fleiss auf die Ausübung seiner königlichen Pflichten zu verwenden hätte geruhen wollen? – Seine königlichen Pflichten? – Gegen wen? Wo hätte Schach-Dolka hernehmen sollen, dass ein König Pflichten habe? Anmerk. des latein.Übersetzers 4 Allgemeiner Name der ersten Minister der indostanischen Könige der zeiten, wovon hier die Rede ist. 5 Die Wahrheit ist, dass es weit grösser war; aber die schöne Tschirkassierin hatte zu viel Lebensart, um dem Sultan eine solche Unhöflichkeit zu sagen. Beiwagen darf. Anmerk. des sines. Übersetzers 6 S. Kämpfers Beschreibung des japanischen Reichs, I.T. 7. Kap. S. 112. 7 Die schöne Nurmahal oder ihre Chronik irrt sich in der person. Wenn sie sich die Mühe hätte geben wollen, den ehrlichen Gregor von Tours selbst nachzuschlagen, so würde sie im sechsten buch (wir erinnern uns nicht in welchem Kapitel) gefunden haben, dass es der König Chilperich war; wiewohl man gestehen muss, dass ihr, und dem Sultan Gebal, und dem ganzen Indien, Dagobert und Chilperich völlig gleich viel sein konnten.
Anmerk, des latein. Übersetzers
8 "Hier", sagt der sinesische Übersetzer, "habe ich eine Anmerkung des indischen Herausgebers dieses Werkes gefunden, die ich mich nicht entschliessen kann auszulassen, ungeachtet meine Leser keinen unmittelbaren Gebrauch davon machen können. 'Ich wünschte', sind die Worte des Indiers, 'dass alle unsre Grossen und edlen dieser Periode (von den Worten Eine allgemeine usw. bis zu Verzweiflung ein) die Ehre antun möchten, sich derselben zu Prüfung der Fakirn, denen sie ihre Söhne anvertrauen wollen, zu Fakir die Periode vorzulegen, und sich eine Erklärung derselben, und die Entwicklung der darin entaltnen Begriffe und Sätze von ihm auszubitten. Allenfalls könnten sie, um ihrer Sache desto gewisser zu sein, einen Philosophen von unverdächtigen Einsichten mit zu dieser Prüfung ziehen. Versteht der Fakir die Periode: nun, so sei es denn! Versteht er sie nicht oder räsoniert er darüber wie ein Trutahn: so können Sich Ihre Exzellenzen, Gnaden, Hoch- und Wohlgeboren usw. darauf verlassen, dass er ein vortreffliches Subjekt ist, wenn Ihre Absicht dahin geht, dass Ihr Sohn nicht zu vernünftig werden solle.'" 9 Es bedarf kaum der Anmerkung, dass Schach-Gebal der nüchternste Sultan seines Jahrhunderts, und ein tödlicher Feind der Trunkenheit an andern war. Seine Feinde haben nicht unterlassen, auch von dieser Tugend, welche sie ihm nicht absprechen konnten, wenigstens den Wert zu verringern, indem sie ihr alles raubten, was sie hätte verdienstlich machen können. Aber wir finden nicht nötig, die wirkung ihrer Bosheit durch Anführung ihrer unartigen Vermutungen fortzupflanzen. Der arme Schach-Gebal besass nicht so viel Tugenden, dass es billig sein könnte, ihm auch die wenigen, die er besass, zweifelhaft machen zu wollen. Anmerk, des sines. Übersetzers 10 Gewissen sinnreichen Köpfen zum besten müssen