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aber es kann jetzt nicht sein, bleiben Sie unbesorgt über mich; mein Zittern ist nichts anders als die letzte Bewegung eines Sturms, dem bald eine ruhige Stille folgen wird." – "O Gott", rief er aus, "wie lange werden Sie die Marter dauern lassen, die mir der Gedanke von Ihrem Kummer macht?" Die Lady kam zurück und zog mich aus der sorge, weichherzig zu werden. Lord Rich ging mit einem Ansehen von trotzigem Missvergnügen hinweg. Wir bemerkten es beide. Lady Summers sagte mir lächelnd: "Können Sie guterzig sein und gute Leute plagen? O wenn ich denken könnte, dass eine dieser Blumen Sie als die Braut von Lord Rich zum Altare schmücken würde! – Mein Bruder soll die Vaterstelle vertreten, so wie ich die Mutter sein werde." – "Liebste Lady", antwortete ich in der äussersten Bewegung, "meine Widersetzung wird mir immer schmerzhafter; aber noch immer ist es mir unmöglich, eine Entschliessung zu fassen. Dulden Sie mich, so wie ich bin, noch einige Zeit." Ein Strom von Tränen, den ich nicht zurückhalten konnte, machte die Lady gleichfalls weinen; aber sie versprach mir, nicht weiter in mich zu setzen.

Auszug aus einem Briefe von

Lord N. an Lord B.

Du weisst, dass ich mit der reichen zierlichen Alton vermählt bin, und dass sie stolz darauf ist, mich in Hymens Fesseln gebracht zu haben. Einfältig brüstet sie sich, wenn ich, um das Mass ihrer albernen Denkensart zu ergründen, mit einer Miene voller gefälligkeit nach ihren neuen Wünschen frage. Ich wollte damit eine Zeitlang meinen Scherz haben, um mein Register über weibliche Narrheiten vollzumachen, und ich habe mir einen sehr wesentlichen Dienst dadurch getan. Denn nachdem das elende Gepränge vorbei war, womit Neuvermählte einander im Triumphe herumzuführen scheinen, fragte ich meine Lady, ob sie nicht irgendeine Landreise machen wollte, und sie schlug mir einen Besuch bei ihrer Tante Summers vor, die eine langweilige Frau, aber reich und angenehm zu erben sei. – Wir schrieben ihr, und ich schickte den John mit unserm Briefe unsern Besuch zu melden. Die Matrone nahm ihn sehr freundlich auf; während sie mit der Antwort beschäftigt war, ging John mit ihrem Hausmeister in einem Zimmer auf und ab; die Lady hatte gleich um eine Madam Leidens geschickt. Eine Viertelstunde darauf tritt mit eilfertigem Schritte eine feine englisch gekleidete Weibsperson in den Vorsaal und geht mit beinahe geschlossenen Augen ins Zimmer der Lady. John, wie vom Blitz gerührt, erkennt die Sternheim in ihr, erholt sich aber gleich und fragt, wer diese Lady sei? Der Hausmeister erzählt, dass sie mit der Lady aus Deutschland gekommen wäre und dass die Lady sie ausserordentlich liebte; sie sei ein Engel von Güte und Klugheit, und Lord Rich, dessen Güter an der Lady ihre grenzten, würde sie heuraten. – Mein armer Teufel John zitterte vor Ängsten, zu der Lady gerufen zu werden, und betrieb seine Abfertigung. Die Alte kam, aber allein; John liess sich so schnell als möglich abfertigen und jagte zurück. – Urteile selbst, wie ich von dieser Nachricht überrascht wurde! Über keinen meiner kleinen Streiche bin ich jemals so verlegen gewesen als diesen Augenblick über den, welchen ich dieser Schwärmerin gespielet hatte. Wo mag sie die Verwegenheit genommen haben, sich in England zu zeigen? Aber geht's nicht allezeit so? Die furchtsamste Kreatur wird in den Armen eines Mannes herzhaft gemacht. Ich hatte ihr also etwas von meiner Unverschämteit mitgeteilt, welches sie mir in dem haus der Lady Summers wieder zurückgeben konnte. Diesem wollte ich mich nicht aussetzen, indem meine Absichten unumgänglich die Beobachtung des Wohlstandes erfoderten. Ich wusste mir Dank, den John bei mir behalten zu haben; denn der listige Hund fand eher einen Ausweg als ich. Er schlug mir vor, sie entführen zu lassen; dies musste aber bald geschehen, und der Ort ihres Aufentalts musste sehr entfernt sein. Ich bestimmte ihr den nämlichen Platz in den schottischen Gebürgen auf Hoptons Gütern, wo ich vor einigen Jahren die Nancy aufgehoben habe; und da diese von ihrem Vater, der ein Advokat war, nicht gefunden werden konnte, wer sollte eine Ausländerin da suchen? Ich gestehe dir, es ist ein verfluchtes Schicksal für eines der artigsten Mädchen, dass sie so viele hundert Meilen von ihrem Geburtsort bei einem armen Bleiminenknecht in Schottland Haberbrot fressen muss. Aber was zum T- hatte sie mir auf meinem Weg nach England zu begegnen? Es ist billig, dass sie diese Frechheit bezahle. Sie ist bereits sicher an Ort und Stelle angekommen, und ich habe Befehl gegeben, dass man gut mit ihr umgehen soll. John machte die Anstalten, und weil er vom Hausmeister der Lady Summers wusste, dass Lord Rich und die Töchter und Frau des Pfarrers öfters mit meiner Heldin im Park Unterredungen hatten, so liess er sie im Namen der Miss Emma auf einen Augenblick in den Park rufen. Sie kam, er packte sie auf und brachte sie, wie er sagt, mit Mühe lebendig nach Schottland. Den ganzen Weg über hat sie nichts als ein paar Gläser wasser zu sich genommen und, eine Ausrufung über mich unter dem Namen Derby ausgenommen, wie ein totes Bild in der Chaise gesessen. Wenn du toller Narr hier gewesen wärst, so hätte ich sie dir in Verwahrung gegeben; und gewiss, wenn der heulende Genius, der dich ehemals regierte,