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belästigt und in Verlegenheit setzt. Er hat sich bei der Lady um mich erkundiget; ihre Antwort hat seinen Eifer nicht vermehrt, aber anhaltender gemacht; und ein einziges Wort von mir gegen die Lady brachte ihn zu dem Entschluss, seine Griechin zu verheuraten und mit ihrem mann nach London zu schicken. Sie können nicht glauben, wie schwer meinem Herzen dieses vermeinte Opfer wiegt, da er, wegen leerer Hoffnungen des künftigen Vergnügens meiner Gesellschaft, die Ermunterung von ihm entfernt, welche der Besitz des reizenden Mädchens ihm gegeben hatte. Sein Sekretär liebte sie, sagt er, schon lang, und das Mädchen ihn auch; beide hätten ihn auf den Knien für ihre Vereinigung gedankt. Er fühlt aber das Leere, so ihre Abreise in seinem Herzen gelassen hat, denn er ist seitdem mit aufgehender Sonne in unserm Park und beraubt mich der Morgenluft, weil ich ihn vermeiden will, da er eine Anfoderung von Ersatz an mich zu machen scheint. Niemals, nein, niemals mehr werde ich den Witz um hülfe bitten, mich aus einer Verwirrung zu reissen. Die Lady Summers hatte mit mir über die angehende Liebe des Lords gescherzt; ich widersprach ihr lange in gleichem Ton und behauptete, es wäre nichts als Selbstliebe, weil ich ihm so gerne zuhörte. Sie bestrafte mich ganz ernstaft über diese Anklage: "Lord Rich verehret Ihre edle Wissbegierde, er sucht sie durch Mitteilung seiner Kenntnisse zu befriedigen, und seine Belohnung soll in dieser beissenden Beschuldigung bestehen ?" – Ich war gerührt, weil ich nicht einmal das Ansehen einer Ungerechtigkeit dulden kann und nun selbst eine ausübte; aber meine Lady fuhr ganz gütig fort, mir viele Beweise seiner zärtlichen Hochachtung zu wiederholen, die ich als wahre Kennzeichen der edelsten Neigung ansehen musste. Ich gestund auch, dass sie eine Rückgabe verdienten; aber da sie bei allem, was ich von meinen freundschaftlichen Gegengesinnungen sagte, immer den Kopf schüttelte und mehr für den Lord foderte: so versicherte ich sie, dass es unmöglich sei, dass Lord Rich mehr von mir wünschen könnte, da er bei seiner schönen Griechin alles fände, was die Liebe beitragen könne, ihn glücklich zu machen. Sie schwieg freundlich und liess mich nicht merken, sie dächte das einzige Hindernis meiner Verbindung mit Lord Rich entdeckt zu haben. Dieser war auch einige Tage still von seiner Liebe und sehr munter, besonders an dem, wo er mit dem ruhigsten und ungezwungensten Ton von der Heurat und Abreise seiner Assy redte. Ich war betroffen und fürchtete mich vor dem Erbteil seines ganzen Herzens, welches ihm ihre Heurat rückfällig machte; er sagt mir nichts, die Lady aber desto mehr. "Warum, liebste Lady, wollen Sie Ihre angenommene Tochter von sich entfernen? Bin ich Ihnen unangenehm geworden?" sagte ich. Sie reichte mir die Hand; "nein, mein Kind, Sie sind mir unendlich wert, und ich werde die zärtliche Besorgerin meines Alters gewiss vermissen; aber ich habe für den Herbst meines Lebens Früchte genug gesammlet, ohne nötig zu haben, Ihren Frühling seiner schönsten Blüte zu berauben. Sie sind jung, reizend und fremde, was wollen Sie nach meinem tod machen?" – "Wenn ich dieses Unglück erlebe, so gehe ich zu meiner Emilia zurück."

"Liebe Leidens, bedenken Sie sich! ein Frauenzimmer von Ihrer Geburt und Liebenswürdigkeit muss entweder bei nahen Verwandten oder unter dem Schutz eines würdigen Mannes sein. Lord Rich hat Ihre ganze Hochachtung; der edle Mann verdient sie auch; Sie wissen, dass Sie ihn glücklich machen können; seine Freundschaft, sein Umgang ist Ihnen angenehm; Ihr Wille, Ihre person ist frei; die edelsten Beweggründe leiten Sie zu dieser Verbindung; machen Sie Ihrer gefundenen Mutter die Freude, in Ihnen und dem Lord Rich die echten Bildnisse männlicher und weiblicher Tugend vereint zu sehen."

So nahe drang die teure Lady in mich. Ich legte meinen Kopf auf ihre Hand, die ich küsste und mit den zärtlichsten Tränen benetzte; es war in meiner Seele, als ob ich den Widerhall der stimme meiner geliebten zärtlichen Mutter gehört hätte. Ach, diese Tugenden waren das Band ihrer Ehe! Wie ungleich hatte ich gewählt! Die Verdienste des Lord Rich konnten Sie an die Seite der vortrefflichen Eigenschaften meines Vaters setzen; mein Glück wäre wie das ihrige gewesen; aber meine Verwicklung, meine unselige Verwicklung! – O, Emilia, schreiben Sie mir bald, recht bald Ihre Gedanken. – Aber ich kann nicht mehr lieben; ich kann mich nicht mehr verschenken; ja die zärtliche achtung selbst, welche ich für den Lord Rich habe, empört sich wider diesen Gedanken. Mein Schicksal hat mich durch die Hand der Bosheit in den Staub geworfen; die Menschenfreundlichkeit nahm mich auf; an diese allein habe ich Ansprüche; meine Leichtgläubigkeit hat mich aller übrigen beraubet, und ich will kein fremdes, kein unverdientes Gut an mich ziehen.

Madam Leidens

an Emilia

O meine Freundin! ein neues unerwartetes Übel drängt sich mir zu. Ich zweifle, ob alle meine Standhaftigkeit hinreichen wird, es zu ertragen, da ich ohnehin gezwungen bin, zu meiner gehässigsten Feindin, der Verstellung, meine Zuflucht zu nehmen. Aber weil in meinen itzigen Umständen mehr Aufrichtigkeit mir nichts nützen und andern schaden würde, so will ich den fressenden Kummer in meine Brust verschliessen und selbst für das Vergnügen des Urhebers meiner Leiden, die Überreste einer ehemals lächelnden Einbildungskraft verwenden. hören Sie, meine Emilia, hören Sie, was für eine