noch?" – sagte er sanft. – "O, nein, Mylord, sonst wäre ich nicht hier, und meine Augen würden nur Freudentränen zu vergiessen haben." – "Also hat Sie ein Sturm nach England geführt?" – "Nein, Mylord, denn Freundschaft und freie Wahl ist kein Sturm", versetzte ich, indem ich mich zu lächeln bemühte. Lebhaft sagte Lord Rich, "Dank sei Ihrer halben Aufrichtigkeit, dass Sie mich Ihrer Freiheit zu wählen versichert. Die edelste Neigung, welche jemals ein Mann ernährte, wird auf diesen Grund ihre Hoffnung bauen." "Das kann nicht sein, Mylord, denn ich sage Ihnen, dass die Eigentümerin dieses Grunds auf ewig mit der Hoffnung entzweiet ist." Lady Summers war bei uns, als ich dieses sagte, und streckte bei den letzten Worten ihre Hand aus, mir den Mund zuzuhalten; "das sollen Sie nicht sagen", sprach sie; "wollen Sie eigenmächtig die künftigen Tage zu den vergangenen werfen? Die Vorsicht wird Ihrer nicht vergessen, meine Liebe, machen Sie nur keine eigensinnigen Foderungen an sie." – Dieser Vorwurf machte mich aus Empfindlichkeit erröten, ich küsste die Hand der Lady, mit welcher sie meinen Mund hatte zuhalten wollen, und fragte sie zärtlich; "teure Lady, wenn Sie mich eigensinnig in meinen Foderungen gefunden?" – "In Ihrer beständigen Traurigkeit über das Vergangene, wo Sie Zurückfoderungen aus dem Reiche der Toten machen", war ihre Antwort. – "O meine geliebte würdige Lady Summers, warum, ach – warum –" Diese Ausrufung entfloh mir, weil ich, gerührt über ihre Güte, innig bedauerte, dass wir sie durch eine falsche Erzählung betrügen mussten; aber sie nahm es anders und fiel mir ein: "Meine Tochter, sagen Sie mir kein Ach warum mehr; leiten Sie das Gefühl Ihres Herzens auf die Gegenstände der Zufriedenheit, die sich Ihnen anbieten, und zählen Sie auf meine mütterliche Zärtlichkeit, solange Sie sie geniessen mögen." Ich drückte ihre Hand an meine Brust und sah sie voll Rührung an mit dem vollkommensten Gefühle kindlicher Liebe; ihr Herz empfand es und belohnte mich durch eine mütterliche Umarmung. Lord Rich hatte uns mit Bewegung betrachtet, und ich sah den nämlichen Augenblick die schönen Augen der Emma voll schmelzender Liebe auf ihn geheftet. Ich sagte ihm auf italienisch, dort wären unvermischte Empfindungen, die allein fähig sein, die Tage eines edeldenkenden Mannes mit der feinsten Glückseligkeit zu erfüllen. Er antwortete in nämlicher Sprache: "Nicht so, Madam Leidens, denn diese Art Empfindlichkeit ist nicht diejenige, welche eine einsam wohnende person beglücken kann." Was wollte er damit sagen? Ich schüttelte den Kopf, halb missvergnügt, und sagte nur: "O Mylord, von was für einer Farbe sind Ihre Empfindungen?" – "Von der allerdauerhaftesten, denn sie sind aus übender Tugend entstanden." – Ich gab keine Antwort, sondern wandte mich, nach einer Verbeugung gegen ihn, zur Emma, die an meinem Arm, aber ganz in ein trauriges Stillschweigen gehüllt, nach Summerhall zurückging; und nun höre ich, dass sie wegreisen wird.
Madam Leidens
an Emilia
Überfluss ist, wenn Sie ihm die Gewalt der Wohltätigkeit nehmen, kein Glück, meine liebe Emilia; er zerstört den echten Gebrauch der Güter, er zerbricht in der Seele des Leichtsinnigen die Schranken unserer Begierden, schwächt das Vergnügen des Genusses und setzt, wie ich erfahre, ein grausames Herz und seine mässigen Wünsche in eine Art unangenehmer Verlegenheit. – Sie wissen vermutlich nicht, meine Freundin, wo Sie die Ursache dieses Ausfalls auf einen Zustand, der von meinem dermaligen so weit entfernt ist, suchen sollen. Aber Sie wissen doch, dass mich alle Gegenstände auf eine besondere Art rühren, und werden sich nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, dass die Gesinnungen des Lord Rich der eigentliche Anlass zu meiner unmutigen Betrachtung des Überflusses waren. Er verfolgte mich mit Liebe, mit Bewunderung, mit Vorschlägen und (was mir Kummer macht) mit der Überzeugung, dass ich ihn glücklich machen würde. O, hatte ich denken können, dass die Sympatie unsers Geschmacks an den Vergnügungen und Beschäftigungen des Geistes in ihm die idee hervorbringen würde, dass ich auch eine sympatetische Liebe empfinden müsste, so sollte er nicht die Hälfte der Gewalt gesehen haben, womit die Reize der Schöpfung auf meine Seele würken, und niemals hätte ich mich in gespräche mit ihm eingelassen. Aber ich war um so ruhiger, da ich wusste, dass er ein niedliches Bild griechischer Schönheiten von der Insel Scio mit sich gebracht und in seinem haus hatte. Ich hielt lange Zeit sein Ansuchen meiner Gesellschaft und das Ausfragen meiner Gedanken für nichts anders als für die Lust der Befriedigung meiner Lieblingsideen, weil ich, ohne die geringste Zerstreuung, mit ununterbrochener Aufmerksamkeit bald die Historie eines Landes, bald einer Pflanze, bald eines griechischen Ruins, bald eines Metalls, bald eines Steins anhörte, nicht müde wurde und ihm also die Freude gab, seine Kenntnisse zu zeigen und zu sehen, dass ich die edle Verwendung seines Reichtums und Lebens zu schätzen und zu loben wusste. Sein Umgang war mir durch seine Wissenschaft und Erzählungen unendlich wert; sein Entschluss, nach zehnjährigen Reisen durch die allerentferntesten Gegenden des Weltkreises seine übrigen Tage in Anbauung eines Teils seiner mütterlichen Erde zuzubringen, machte mir ihn vorzüglich angenehm; dieses erfreute mich; aber seine Liebe ist der Überfluss davon, der mich